Mittwoch , 28. Oktober 2020
Das "Huus för Kinner" ist mittlerweile zu klein für Kindergarten und Krippe. Deshalb soll nun auf dem Gelände des benachbarten Jugendzentrums ein Neubau entstehen (Foto: t&w).

Unten Krippe, oben Wohnen

Radbruch. Der Planungsprozess zur neuen Krippe in Radbruch nimmt wieder Fahrt auf. Dabei könnten nach dem Willen der Samtgemeinde Bardowick als Bauherrn gleichzeitig vier bis fünf neue Wohnungen in einem gemeinsamen Gebäude entstehen. Damit befasst sich kommende Woche der Bauausschuss des Samtgemeinderats. Nach dem Umzug der bestehenden Krippe in den Neubau hätte dann auch der Kindergarten der Gemeinde Radbruch in dem Bestandsgebäude mehr Platz, der auch dringend benötigt wird. Ungewiss ist hingegen noch die Zukunft des Jugendclubs, dessen Häuschen in der Straße Op’n Donnerloh dem Krippen-Neubau ins Gehege kommen könnte.

Zuletzt waren die Planungen für die neue Krippe ins Stocken geraten. Ursprünglich hatten die Verantwortlichen bei der Samtgemeinde gehofft, bereits im vergangenen September den Bauantrag stellen zu können. Doch in der Radbrucher Gemeindepolitik war eine langwierige Diskussion um die Standortfrage entbrannt. Die scheint nun beigelegt mit der Festlegung auf das benachbarte Gelände des Jugendzentrums. Jedenfalls befasst sich demnächst der Bauausschuss mit der weiteren Entwurfsplanung für das neue Gebäude.

Bardowicks Erster Samtgemeinderat Arndt Conrad sagt: „Wir wollen mit einem Vorschlag in die Beratungen gehen für eine zweigruppige Kinderkrippe und vier bis fünf Mietwohnungen.“ Einerseits wolle die Samtgemeinde damit preiswerten Wohnraum schaffen und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit des Bauprojekts erhöhen.

Mit der Kombi-Lösung soll der Bau wirtschaftlicher sein

Zur Vorauswahl liegen zwei Entwurfs-Varianten für den Bau mit zwei Vollgeschossen auf dem Tisch. Bei beiden Varianten rechne die Samtgemeindeverwaltung mit einem Investitionsvolumen von rund zwei Millionen Euro. Conrad: „Wenn das Zustimmung findet, bin ich optimistisch, dass wir dieses Jahr noch einen Bauantrag stellen können, um im kommenden Jahr in die Realisierung einsteigen zu können.“

Zustimmung kommt von Radbruchs Gemeindebürgermeister Rolf Semrok (CDU), der schon frohlockt: „Ich freue mich, dass unmittelbar eine Entscheidung bevorsteht.“ Die Kombination von kommunaler Krippe und Wohnungsangebot hält er „für den richtigen Ansatz, um die Einnahmesituation in den Kommunen zu verbessern“. Dazu sagt Conrad: „Dann habe ich auch die Hoffnung, dass die Gemeinde das Vorhaben unterstützt“.

Bei einem anderen öffentlichen Bauvorhaben mit kombiniertem Wohnen vertraten Samtgemeinde und Gemeinde zuletzt nämlich unterschiedliche Auffassungen: Die Samtgemeinde wollte auch das geplante Feuerwehrhaus in Radbruch mit Wohnungen im Obergeschoss ausstatten. Bei Semrok hatte das aber wenig Begeisterung ausgelöst. Mittlerweile sei die Samtgemeinde selbst von den Wohnungsplänen im Feuerwehrhaus abgerückt, bestätigt Conrad. Er sagt: „Wohnungen haben sich wegen des Gebäudezuschnitts als unwirtschaftlich erwiesen.“ Der Bauantrag für das bis zu 2,5 Millionen Euro teure Feuerwehrhaus an der Ecke von Luhdorfer Straße und Am Rüdel sei 29indes jetzt im Oktober gestellt worden.

Kindergarten ist in jedem Fall der Gewinner

Dass der Bauantrag für die Krippe hingegen noch etwas länger dauert, eröffnet zumindest die Möglichkeit, noch ausgiebig über eine Alternative für die Räumlichkeiten des Jugendclubs (Op’n Donnerloh 12c) zu beraten. Conrad sagt: „Theoretisch könnte der Jugendtreff an Ort und Stelle verbleiben, aber er verliert durch den Krippen-Neubau die Außenflächen.“ Zwar ist die Samtgemeinde Trägerin der Jugendarbeit, für die Räumlichkeiten ist aber die Gemeinde verantwortlich. Bürgermeister Semrok sagt: „Wir prüfen gerade verschiedene Alternativen.“ Noch sei aber nichts spruchreif.

Gewinner wird auf jeden Fall der benachbarte Kindergarten in Trägerschaft der Gemeinde sein. Semrok sagt: „Neben der Krippe platzt auch der Kindergarten gerade aus allen Nähten.“ Durch den Umzug der Krippe in das neue Gebäude würde im „Huus för Kinner“ ein großer Gruppenraum frei. Semrok: „Damit wäre Platz für eine sechste Kindergartengruppe, die als Übergangslösung ab Januar in einen Container einziehen soll.“

Von Dennis Thomas