Freitag , 30. Oktober 2020

Weihnachtsgeschäft wird zur Existenzfrage

Lüneburg. Mit dem Titel Weihnachtsstadt schmückt sich Lüneburg schon seit längerem. Nun soll das auch sichtbarer werden. Als Konzept. Wegen Corona. Weihnachtsstadt statt Weihnachtsmarkt. Eine Entzerrung der Buden quer durch die Innenstadt statt einer Konzentration vor dem Rathaus. Abgestimmte Hygienekonzepte, eine Dokumentationspflicht möglichst digital und unkompliziert – das sind die Grundpfeiler eines Vorweihnachtszaubers, den es auch in diesem Jahr trotz aller Unwägbarkeiten für Bewohner und Besucher Lüneburgs geben soll.

„Wir sind uns einig, wir wollen es versuchen, sowohl unseren eigenen Weihnachtsmarkt vor dem Rathaus zu ermöglichen, natürlich deutlich kleiner und weitläufiger angeordnet, sowie weitere kleinere Angebote Privater an mehreren Stellen im Innenstadtgebiet“, sagt Oberbürgermeister Ulrich Mädge. Die Herausforderung für alle Anbieter, städtisch wie privat, sei es, eine weihnachtliche Atmosphäre zu schaffen, in der sich Besucher wohl und sicher fühlen können. Denn, auch das ist klar für Mädge: „Die Einhaltung der Hygienekonzepte und der Vorgaben für den Infektionsschutz hat höchste Priorität.“

„Wir wollen versuchen, unseren eigenen Weihnachtsmarkt vor dem Rathaus zu ermöglichen.“ – Oberbürgermeister Ulrich Mädge

Weihnachtsmarkt im Corona-Winter – das wird mit Sicherheit anders als gewohnt und steht wahrscheinlich bis zum letzten Veranstaltungstag unter dem Vorbehalt von Einschränkungen, Umplanungen oder gar Widerruf aufgrund eines nicht gänzlich vorhersehbaren Infektionsgeschehens. Aber, da sind sich Stadt und Landkreis Lüneburg, die Lüneburg Marketing GmbH, Schausteller und private Veranstalter einig: Adventliche Angebote und Treffpunkte sollen wieder Weihnachtsatmosphäre für Einheimische und Gäste zaubern, die Attraktivität der Innenstadt hervorheben und so Händlern und Gastronomen in diesem wirtschaftlich schwierigen Jahr überlebenswichtige Umsätze ermöglichen.

Das ist das Ergebnis etlicher Vorberatungen, Gespräche und Konzeptüberlegungen der vergangenen Wochen auf örtlicher wie auf Landesebene. Die großen Anstrengungen von allen Seiten lösen bei den Schaustellern Erleichterung aus. „Wir stehen Gewehr bei Fuß und allen Modellen offen gegenüber“, sagt Benno Fabricius, Chef des Lüneburger Schaustellerverbandes. Für viele seiner Kollegen hänge die Existenz davon ab, dass nach fast einem Jahr der Verdienstausfälle wenigstens das Weihnachtsgeschäft eingefahren werden könne.

Die nächste Verordnung des Landes zum 15. November erwartet

Überlegungen gibt es viele, doch was letztlich möglich ist, bleibt womöglich bis kurz vor dem Start in der Schwebe. „Wir bereiten alles bestmöglich vor, aber Grenzen bei der Planung werden uns natürlich durch die Entwicklung der Infektionszahlen und die Verordnungen des Landes gesetzt, von denen wir die nächste zum 15. November erwarten“, schildert Lars Werkmeister, Geschäftsführer der Lüneburg Marketing GmbH. Mut machen würden der jüngste verkaufsoffene Sonntag sowie der Freizeitpark an zwei Wochenenden auf den Sülzwiesen: „Das lief relativ unproblematisch, weil es ein klares Konzept mit Zugangsbeschränkungen gab und alles an der frischen Luft stattfand.“

Klar scheint nach derzeitigem Stand, dass auf dem Marktplatz selbst nur ein kleineres Angebot zur Verfügung stehen wird und dieses auch zur Steuerung der Besucherströme eingezäunt werden muss. Vor dem Rathaus stünde demnach mit 24 Ständen nur die Hälfte des sonstigen Angebotes. Die Kinder-Eisenbahn muss weichen, es werde aber ein Kinderkarussell geben. Die Gänge sollen rund neun Meter breit sein. Am Sand soll es an der Seite zur Bäckerstraße ebenfalls wieder Stände geben. Vor der IHK sei für höchstens vier Stände sowie ein kleines Karussell Platz.

Entwicklung der Pandemie in Hamburg entscheidend

Dazu gibt es Anfragen für viele kleinere Märkte, die alljährlich das besondere Flair Lüneburgs in der Vorweihnachtszeit ausmachen. Rund um den Alten Kran, auf dem Museumsvorplatz an der Willy-Brandt-Straße, der Kirchenvorplatz St. Johannis sowie Innenhöfe an der Schröderstraße, der Heiligengeiststraße und an der Lüner Mühle stehen auf der Liste. Interessenten gibt es auch für Angebote auf dem Schrangenplatz sowie für ein weihnachtliches Kulturangebot im Rathausgarten.

Doch bei den Planungen ist auch zu beachten, wie sich die Pandemie zum Beispiel in der Nachbarstadt Hamburg entwickelt. Sollten dort Weihnachtsmärkte untersagt werden, könnten entsprechend mehr Besucher nach Lüneburg kommen. Für diesen Fall wäre auch eine Maskenpflicht in der gesamten Innenstadt ein Szenario.

Von Thomas Mitzlaff