Dienstag , 27. Oktober 2020
Brigitte Antonius musste im Internet von ihrem eigenen Tod lesen. Es war der negative Höhepunkt einer langen Zwangspause, mit der die 87-Jährige noch immer hadert (Foto: Michael Behns).

Brigitte Antonius wehrt sich gegen Falschmeldung zu ihrem Tod

Lüneburg. Von ihrem eigenen Tod erfuhr sie am Telefon. Ein Schulkollege rief an. „Gott sei Dank, du lebst!“ entfuhr es ihm, als er am anderen Ende der Leitung die Stimme von Brigitte Antonius hörte. Die traurige Nachricht vom Tod der Schauspielerin – sie stimmte nicht. Im Internet war davon zu lesen, zu dem Bericht gab es sogar ein Foto mit einem Sarg und einer großen Trauergemeinde. Schnell machte das die Runde in ihrer österreichischen Heimat. „Stell dir vor, Brigitte ist tot“, so hieß es in ihrem Bekanntenkreis. Die Betroffene selbst war fassungslos. „Das war schon sehr makaber. Wer macht sowas?“, sagt sie. Es war – im negativen Sinne – die Krönung der vergangenen Monate, die für die Darstellerin zur schweren Zeit wurden.

Brigitte Antonius ist das Urgestein der Roten Rosen. Die 87-Jährige ist als Johanna Jansen seit Beginn der Telenovela im Jahr 2006 mit von der Partie. Bei den Fans der Serie zählt sie zu den absoluten Lieblingen. Jedes Foto, auf dem sie zu sehen ist, jedes Video, in dem sie sich mit ein paar Worten direkt an die Zuschauer wendet, ist ein absoluter Renner in sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram, erntet stets eine wahre Flut von Herzen und Smileys. Doch zuletzt war es ruhig geworden um die Grande Dame der Serie. So ruhig, dass ein im Internet verbreitetes gespenstisches Gerücht von ihrem Tod zumindest kurzzeitig auf fruchtbaren Boden fiel.

Dabei ist die Schauspielerin überaus vital, sprüht geradezu vor Tatendrang. Denn die lange Phase der Stille war unfreiwillig. Wegen der Corona-Pandemie hatten die Macher der ARD-Serie sie – ebenso wie Claus Dieter Clausnitzer (Hannes Lüder) – vorübergehend aus dem Verkehr gezogen. In bester Absicht, schließlich zählt sie angesichts ihres Alters zur Risikogruppe. Die Zwangspause sollte das Ansteckungsrisiko minimieren.

Zwangspause eine Form der „Altersdiskriminierung“

Inzwischen ist Brigitte Antonius zurück am Set, zurück vor den Kameras und bei all den liebgewonnenen Kollegen, die sie in den Wochen, gar Monaten zuvor so stark vermisst hatte. „Endlich! Ein gutes Gefühl“, sagt sie. Seit dem 20. März hatte sie nicht gedreht und war zum Nichtstun verdammt. „Ich habe zum lieben Gott gebetet und den Produzenten regelrecht angefleht, dass ich endlich wieder arbeiten kann“, gesteht sie. Ihrem eigenen Empfinden nach, da nimmt sie kein Blatt vor den Mund, war die Corona-Pause deutlich zu lang. „Gerade für Menschen meines Alters sind solche langen Pausen nicht besonders gut und auch nicht gesund. Das sagt einem jeder Arzt, und das habe ich auch am eigenen Leib gespürt. Der Kopf muss regelmäßig gefordert werden. Gott sei Dank macht mein Gedächtnis noch ganz gut mit.“

Natürlich erkenne sie die gute Absicht, dass die Verantwortlichen sie mit dem Drehverbot doch vor allem schützen wollten. „Aber das ist auch eine Form von Altersdiskriminierung“, findet sie deutliche Worte. „Gott sei Dank darf ich jetzt wieder drehen.“

Freundinnen am Set gefunden

Hier am Set hatte sie in den vergangenen 14 Jahren auch wahre Freundinnen gefunden. Angela Roy, die erste Hauptdarstellerin der Serie, zähle dazu, aber auch deren Nachfolgerinnen Elisabeth Lanz und Isabel Varell. „Ich mochte alle Darstellerinnen gern. Na gut, ein paar nicht so, aber die Namen behalte ich lieber für mich.“

Fünf Wochen lang sind die Produktionshallen im Industriegebiet Hafen jetzt wieder ihr Arbeitsplatz, ehe die nächste Pause ansteht. Dann eine geplante. Denn ganz so viel wie zu den Anfangszeiten der Rosen, als auch sie ein enormes Pensum zu bewältigen hatte, arbeitet sie schon länger nicht mehr. Zwölf Blöcke á fünf Drehtage pro Staffel seien ausgemacht, es waren mal 40 – plus ein paar zusätzliche Engagements bei Serien wie „Die Rosenheim-Cops“ oder „SOKO Kitzbühl“. Doch in der gerade abgelaufenen Staffel kam sie wegen Corona lediglich auf sechs. Und weil sie längst keine anderen Projekte mehr annimmt, ist ihr das dann deutlich zu wenig.

Brigitte Antonius als Seelsorgerin in der Corona-Zeit

In der Anfangszeit der Pandemie hatte sie gleich ihre Hilfe angeboten, stand quasi als seelischer Beistand anderen für Telefongespräche zur Verfügung, die ihre Sorgen loswerden, über Probleme sprechen oder schlicht nicht vereinsamen wollten. Die LZ hatte damals darüber berichtet. „Das wurde anfangs auch ganz gut angenommen. Eine Menge Leute haben mich angerufen, es waren sehr nette Gespräche dabei, aber dann hatte sich das irgendwann erschöpft.“ Die Wahl-Lüneburgerin zog sich zurück in ihr Haus im Burgenland. „Da war ich acht Wochen ganz allein mit meinem Hund. Das reichte dann auch“, erzählt sie. „Ich war wie ein Fisch, der wieder zurück ins Wasser will.“

Nun darf sie wieder mitschwimmen mit den Jüngeren. Dafür ist sie dankbar, findet es aber schade, dass „die schöne Geschichte von damals nicht weitererzählt wird“. Als Johanna hatte sie vor der Corona-Pause einen erotischen Roman verfasst und sollte auf Lesereise gehen. „Das endete abrupt und wird nun auch nicht wieder aufgegriffen.“ Stattdessen stehe nun ein neues Roman-Projekt an – „mit klösterlichem Bezug“, verrät sie.

Bei der Polizei Anzeige erstattet

Die Geschichte von ihrem eigene Tod ist derweil noch nicht ganz vergessen. Zumal der Beitrag, der inzwischen entfernt wurde, rund 80 000 Klicks gehabt habe. Brigitte Antonius hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Doch dass der größte Ärger inzwischen verdaut ist und sie auch eine Menge Humor hat, beweist ein Beitrag, den sie mit ihrer früheren Rosen-Kollegin Elisabeth Lanz darüber gedreht hat. Für die ARD-Sendung „Brisant“ waren die beiden auf einem Friedhof, um sich nach ihrem Grab umzuschauen. Der Beitrag ist am Montag gesendet worden und in der ARD-Mediathek noch abrufbar. „Wir wollten uns ein bisschen über die Geschichte lustig machen“, erzählt die Schauspielerin, die dabei auch verrät, warum sie dem Verfasser ihrer Todesnachricht im Nachhinein sogar ein bisschen dankbar ist. „Dadurch habe ich die Liebe des Publikums zu spüren bekommen.“

Von Alexander Hempelmann