Dienstag , 27. Oktober 2020
Rund 170 Busse sind in den Hauptverkehrszeiten für den Schülerverkehr im Landkreis unterwegs (Foto: KVG Busse).

Schulbusse im Winter: Hoffnung ruht auf versetztem Start

Lüneburg. Spätestens bei Schmuddelwetter lassen viele Schüler, die sonst auf dem Fahrrad zur Schule fahren, ihr Rad stehen und steigen um auf den Bus. Der Landkreis Lüneburg rechnet deshalb damit, dass nach den Herbstferien die Busse zu den Spitzenzeiten morgens und mittags noch voller sind als zuletzt. Denn diese Entwicklung sei jedes Jahr zu beobachten, weiß Freia Srugis, Leiterin des für den Schulbusverkehr zuständigen Fachdienstes Schule und Kultur, aus Erfahrung. In Corona-Zeiten aber ist das wegen der höheren Ansteckungsgefahr ein größeres Problem als sonst. Kaum Abstand – ein Widerspruch zum streng geregelten Schulalltag.

An vielen Schulen würden zu bestimmten Zeiten schon Verstärkerfahrzeuge eingesetzt. Doch das allein reiche nicht aus, um das Problem zu lösen. Der Landkreis hatte schon während des Lockdowns im Frühjahr nach neuen Wegen für den Schülerverkehr gesucht.

An drei Schulen im Landkreis startet der Unterricht später

Das Ergebnis: „Die beste Lösung sind versetzte Anfangszeiten innerhalb der Schulzentren“, sagt Freia Srugis. „Dann können wir die insgesamt 170 vorhandenen Busse mehrfach fahren lassen. Wenn es gut läuft, reduziert sich dadurch die Fahrgastzahl pro Bus um knapp die Hälfte.“ Die Schulen könnten ihren Betrieb umorganisieren, auch wenn das aufwändig ist. „Beim Landkreis beantragen sie eine zusätzliche Busanbindung zur gewünschten Zeit“, verdeutlicht Srugis. „Eine kurze Abstimmung vorab ist wichtig und erforderlich.“

Drei Schulen im Landkreis ziehen bereits seit einigen Wochen mit – aus Sicht der Kreisverwaltung erfolgreich: An der Integrierten Gesamtschule Embsen, der Oberschule am Dorn in Dahlenburg und am Gymnasium Bleckede habe sich die Lage in den Bussen seither deutlich entspannt. Dort beginne der Unterricht in einigen Klassen jetzt erst zur 3. Stunde. Nach den Herbstferien sind auch die Oberschule Scharnebeck und die Hauptschule Bleckede dabei, heißt es in einer Pressemitteilung des Landkreises, der hofft, dass sich noch mehr Schulen zu diesem Schritt entschließen – wenn denn auch die Mehrheit der Eltern an den jeweiligen Schulen diesen Schritt mitgehen wollen.

Kauf oder Miete weiterer Fahrzeuge wäre zu teuer

Es gebe auch eine andere Möglichkeit: Zusätzliche Busse. Der Landkreis habe deren Kauf und Miete geprüft, versichert Freia Srugis. Doch um eine sichtbare Entlastung im Schülerverkehr zu erreichen, müssten mehr als 300 Busse zusätzlich eingesetzt werden, will die Verwaltung ausgerechnet haben. Angebliche Kosten allein bis Jahresende: 6,2 Millionen Euro zusätzlich. Zudem würden Behörden in ganz Deutschland aktuell nach Bussen für den Schülerverkehr suchen, doch es gebe viel zu wenige Fahrzeuge und qualifizierte Fahrer.

Also müsse weiterhin jeder Einzelne seinen Teil zum Infektionsschutz beitragen: „Wer den Bus nehmen muss, trägt Maske. Ein Mund-Nase-Schutz aus Papier – auch OP-Maske genannt – ist am besten geeignet und dabei relativ preisgünstig“, sagt Dr. Marion Wunderlich, Leiterin des Gesundheitsamts. „Die Variante bietet nach aktuellen Erkenntnissen auch einen gewissen Eigenschutz für den Träger, weil sie Erreger teilweise abhalten kann.“ Wie wichtig der Schutz ist, müssten die Eltern ihren Kindern klarmachen: „Maske abziehen 29ist kein Spaß, sondern gefährdet andere Menschen“, sagt die Ärztin.

Eine weitere Hoffnung im Kreishaus: Vielleicht nimmt ja doch der eine oder andere Schüler mehr trotz Kälte für den Schulweg das Fahrrad. Freia Srugis. „Jeder Fahrgast weniger entlastet die Busse.“ Vom sogenannten Elterntaxi hält sie dagegen nichts, es würde die Verkehrssituation an den Schulen nur verschlimmern.

lz