Werden die Schulen nach den Ferien wieder so geöffnet wie davor? Die niedersächsische Landesregierung denkt über eine Verschärfung der Corona-Regeln an den Schulen nach. Foto: t&w

Lieber Maskenpflicht als Homeschooling

Lüneburg. Die Anzahl positiver Corona-Tests steigt in Niedersachsen weiter an, in den vergangenen sieben Tagen gab es laut Robert-Koch-Institut 2531 Neuinfektionen (Stand 19. Oktober). Das könnte sich auch auf den Schulunterricht, der am nächsten Montag wieder beginnt, auswirken. Die niedersächsische Landesregierung denkt über eine Verschärfung der Corona-Regeln an den Schulen nach, Mitte dieser Woche soll eine Entscheidung darüber fallen. Lüneburgs Schulleitungen sind sich einig: Wenn irgend möglich, soll am Präsenzunterricht festgehalten werden.

Dennoch könnte eine mögliche Konsequenz der steigenden Zahlen die Rückkehr zu halben Klassen sein. Bei dem sogenannten Szenario B werden immer nur die Hälfte der Schüler vor Ort unterrichtet, die andere muss mit Online-Unterricht vorlieb nehmen. Die Gruppen wechseln sich dabei regelmäßig ab, erprobt wurde das Prozedere bereits vor den Sommerferien. „Ich hoffe sehr, dass wir nicht zurück ins Szenario B müssen“, betont Hermann Rollwage, Schulleiter der BBS II. „Wir würden das natürlich irgendwie auf die Reihe kriegen, aber der Präsenzunterricht ist durch nichts zu ersetzen.“

Hamburg hat Pflicht bereits angekündigt

Dem schließt sich auch Thorsten Schnell, Direktor des Gymnasiums Herderschule an. „Ich hoffe, dass auch weiterhin auf einen möglichst vollständigen Präsenzunterricht und eine größtmögliche schulische Normalität gesetzt wird“, sagt er mit Blick auf die Entscheidung des Kultusministeriums.

Um dies zu gewährleisten, könnte jedoch die Einführung einer Maskenpflicht im Unterricht notwendig sein. In einigen Bundesländern wie zum Beispiel Hamburg ist dies bereits angekündigt worden. Auch in Lüneburg stößt eine solche Maßnahme nicht auf Ablehnung. „Ich glaube, ich wäre nicht die Einzige, die für eine Maskenpflicht im Unterricht wäre, wenn wir damit eine erneute eingeschränkte Beschulung unserer Kinder verhindern könnten“, vermutet Tanja Staats, Leiterin der Grundschule Heiligengeistschule.

Ähnlich sehen das auch Rollwage und Schnell. Zwar sind sich die beiden einig, dass das Tragen einer Maske im Unterricht suboptimal und störend ist, da die offene Kommunikation dadurch beeinträchtigt werde. Wenn die Maßnahme jedoch helfe, den Präsenzunterricht aufrecht zu erhalten, würden die beiden Schulleiter dies unterstützen.

Da die Schulleitungen nicht wissen, wann genau beziehungsweise ob überhaupt neue Vorgaben vom Kultusministerium kommen werden, halten sie weiter an ihren internen Hygieneplänen fest. „Wir sind bei uns in der Schule fortwährend in einer kleinen Gruppe aus Schulleitung, Schülern, Eltern und Lehrern dabei, den schuleigenen Hygieneplan an die Entwicklungen und unsere Erfahrungen anzupassen, bzw. zu optimieren“, erläutert Schnell. Und auch Rollwage betont: „Etwaige Änderungen vom Kultusministerium könnten wir natürlich verhältnismäßig schnell umsetzen.“

Kooperation von Schülern und Eltern wichtig

Damit die Schulen auch in Zukunft nicht zu Corona-Hotspots werden, sind die Leitungen auf die Kooperation von Schülern und Eltern angewiesen. „In Bezug auf Kinder und Eltern haben wir keine Einwirkungsmöglichkeiten. Weder wissen wir, welche Familien sich in Risikogebieten aufgehalten haben, noch können wir die Vorlage von Corona-Test-Ergebnissen fordern“, schildert Staats das Problem. Rollwage hat den Schülern der BBS II zwar nahe gelegt, in den Herbstferien nicht in Risikogebiete zu fahren, jedoch kann er es weder vorschreiben, noch kontrollieren. „Im Ernstfall gilt dann natürlich auch: Quarantäne oder negatives Testergebnis.“

Von Lilly von Consbruch