Bernd Redecker kritisiert, dass die Möglichkeiten von Informationsveranstaltungen für Bürger derzeit eingeschränkt sind. Foto: t&w

Ruf nach Moratorium

Lüneburg. Die Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Müll sorgt weiterhin für Unmut. Gorleben ist zwar raus. Aber damit ist die Region Lüneburg als Ganzes mitnichten aus dem Schneider. Fünf Gebiete aus dem Landkreis sind aufgelistet, hier gibt es Tonlagen von bis zu 1055 Metern Mächtigkeit und mehrere ebenfalls mächtige Salzstrukturen.

Bernd Redecker vom Lüneburger Aktionsbündnis gegen Atomanlagen (LAgAtom) hatte sich nach der Entscheidung Ende September noch erleichtert gezeigt: „Jetzt haben wir es schriftlich. Gorleben ist nicht sicher und war nie sicher. Wenn es die Anti-Atom-Bewegung nicht gegeben hätte, gäbe es nicht nur mehr Atomkraftwerke und -müll, sondern auch noch ein ungeeignetes Endlager.“ Doch nun treibt Redecker eine andere Sorge um: Ist die Öffentlichkeit ausreichend beteiligt? Oder kann sie überhaupt ausreichend beteiligt werden?

Fehlende technische Möglichkeiten

Normale Infoveranstaltungen sind in Corona-Zeiten nicht möglich, moniert er. „Im Kleinen wird da schon deutlich, wie absurd es ist, die Bürgerbeteiligung jetzt trotzdem so durchzuziehen.“ Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (Base) hatte zwar Konsequenzen gezogen und die Auftaktveranstaltung der Teilgebietekonferenz in Kassel abgesagt. „Aber leider nicht vollständig. Nun soll alles im Digitalformat stattfinden. Das wird vermutlich bei der Teilgebiete-Konferenz im Februar nicht anders sein“, betonte Redecker.

Er bezeichnete diese Form von Informationspolitik als „Irrsinn“. Menschen aus 90 Teilgebieten, aus 54 Prozent der Fläche Deutschlands sollen sich demnach digital über ihre Anforderungen an einen transparenten, wissenschaftsbasierten Suchprozess einigen. „Doppelt grotesk wird es, wenn man bedenkt, wie schlecht die digitale Infrastruktur ausgebaut ist.“ Viele Menschen hätten gar nicht die technische Möglichkeit, in ihrem Dorf an einer Online-Diskussion teilzunehmen.

Gemeinsam mit anderen Umweltverbänden und Anti-Atom-Initiativen fordert LAgAtom daher ein Moratorium der Endlagersuche, bis das Infektionsgeschehen wieder unbeschränkte Versammlungen von Bürgern zulässt.

Über jeden Verdacht erhaben

„Um das hier noch einmal klar zu formulieren: Uns geht es nicht um die Verhinderung irgendeines Standortes. Wir begrüßen den Grundgedanken eines wissenschaftsbasierten Suchprozesses. Wichtig ist aus unserer Sicht, dass er bis zum Ende über jeglichen Verdacht erhaben bleibt, dass wieder, wie in Gorleben, politische Einflussnahme eine Rolle gespielt hat. Dafür braucht es vor allem zwei Dinge: Zeit und Transparenz. Beides bietet das derzeitige Beteiligungsformat nicht.“ lz