Tausende Menschen säumen die Winsener Straßen beim Umzug der Faslamsbrüder Stöckte. Für eine Genehmigung im kommenden Jahr hätten die Narren für Sitzplätze mit einem Mindestabstand von 1,50 Meter sorgen müssen. Foto: Archiv

Faslam fällt Corona zum Opfer

Winsen/Luhe. Keine größeren Baugruppen, kein Alkohol, kein Tanz – also: kein Faslam. Auf diese einfache Formel lässt sich die Stimmung unter vielen Faslamsvereinen in der Region bringen. Mit den Faslamsbrüdern Stöckte hat der größte Zusammenschluss dieser Art seinen Umzug und auch alle weiteren Veranstaltungen zu Beginn des kommenden Jahres abgesagt. Bis zu 30 000 Zuschauer säumen normalerweise die Straßenränder in Winsen und seinen Ortsteilen, wenn die Stöckter Narren ihre Motivwagen auf die Reise schicken. Und auch die Faslamsbrüder aus dem benachbarten Hoopte lassen 2021 ihr buntes Treiben ausfallen.

Andere Organisationen wie der Faslamsklub Pattensen und der Verein Fliegenberger Faslam wollen noch abwarten. Auch weil für Ende Oktober noch Gespräche mit dem Gesundheitsamt des Landkreises Harburg geplant sind. Eine Tendenz an der Pattenser Vereinsspitze ist jedoch schon erkennbar. „Es wäre verantwortungslos, wenn man das Faslamsfest stattfinden ließe“, sagt Vorsitzender Nils Petersen.

Vorgaben für Hygienekonzepte sind kaum zu erfüllen

Dabei gab es durchaus positive Signale der Behörden, Faslamsveranstaltungen zu genehmigen – unter anderem aus dem Winsener Rathaus von Bürgermeister André Wiese. Das berichtet Susann Fascher, Vorsitzende der Faslamsbrüder Stöckte. Unverzichtbar ist in allen Fällen jedoch ein Abstands- und Hygienekonzept, und zwar für alle Veranstaltungen vom Schnorren über den Lumpenball bis hin zum Festumzug. Die damit verbundenen Auflagen legen die Messlatte für die Vereine jedoch sehr hoch.

Allein für den Stöckter Faslamsumzug hätte es an der mehrere Kilometer langen Strecke Sitzplätze auf Abstand geben, die Besucher hätten zudem registriert werden müssen. Ein logistischer Aufwand, der für die Stöckter ebenso wenig zu stemmen wäre wie für andere Faslamsvereine auch.

Sichere Planungen sind derzeit nicht möglich

Ein weiteres K.-o.-Kriterium ist die Entwicklung der Corona-Pandemie in den kommenden rund zwölf Wochen – denn die ist kaum vorherzusagen. Das bietet Raum für viele Spekulationen, aber keine Planungssicherheit. Für ihre Veranstaltungen müssten die Faslamsvereine allerdings schon jetzt Räume mieten, Musik bestellen und Sicherheitsdienste anheuern. Das alles kostet Geld, das im Falle einer Absage möglicherweise verloren wäre.

Ganz ohne Faslam soll 2021 aber nicht bleiben. In Stöckte soll es ein internes Boßelturnier geben. Dies gilt als Sport, größere Gruppen sind also gestattet, zumindest noch. Hoopte hat kleine Baugruppen, die auch bauen werden. Die Themen gibt es im Europaletten-Format, die im Dorf ausgestellt und bewertet werden. „Wir wollen so zumindest die gemeinsame Bauzeit retten“, meint Ninja Jankowski, Vorsitzende der Faslamsbrüder Hoopte.

Von Björn Hansen