Zügig zum Bahnhof oder doch lieber über die Innenstadt: Die Buslinie 5002 beschäftigt derzeit Politik und Bürger. (Foto: A/t&w)

Diskussionen um die Buslinie 5002 gehen weiter

Lüneburg. Mit Spannung erwarten viele Bürger aus Stadt und Landkreis Lüneburg die Sitzung des Mobilitätsausschusses des Lüneburger Kreistags am Donnerstag, 5. November. Auf der Tagesordnung steht auch die Buslinie 5002. Seit Monaten fordern Anwohner aus den Stadtteilen Zeltberg und Sternkamp eine Rückkehr zur alten Streckenführung mit Haltestellen unter anderem am Ochsenmarkt und am Platz am Sande – und damit eine direkte Anbindung an die Innenstadt. Denn seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2019 steuern die Busse nach dem Halt am Reichenbachplatz direkt den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) an.

Anwohner fordern Rückkehr zur alten Streckenführung

Noch im Sommer sah es so aus, als sei die Änderung der Streckenführung zum Fahrplanwechsel im Dezember realistisch, doch inzwischen wird die Zeit knapp. Zudem ist noch unklar, was die Mitglieder des Mobilitätsausschusses Anfang November überhaupt beschließen werden. Als Reaktion auf den LZ-Artikel von Montag „Wieder alles offen bei der 5002“ bezieht die SPD-Fraktion im Kreistag klar Stellung: „Es ist richtig, die Busse aus Bardowick, die früher immer über den Zeltberg in die Lüneburger Innenstadt fuhren, zukünftig auch wieder über den Ochsenmarkt und den Platz am Sande fahren zu lassen“, fordert Andrea Schröder-Ehlers, Landesabgeordnete und stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, in einer Pressemitteilung ihrer Fraktion.

Ganz so einfach ist die Rolle rückwärts indes nicht. Für die SPD im Mobilitätsausschuss sitzt auch der Radbrucher Achim Gründel. Er mahnt, in der „berechtigten Diskussion über die Linie 5002“ nicht die Pendler aus der Samtgemeinde Bardowick aus den Augen zu verlieren. Diese bewerteten die neue Streckenführung durchweg positiv, „weil ihnen auf dem Weg zur Arbeit eine Stadtrundfahrt erspart bleibt“. Ein Zurück zur alten Streckenführung scheidet für ihn daher aus.

CDU-Chef betont Ziele des Nahverkehrsplans

Stattdessen schlägt der Sozialdemokrat vor, die Linie 5002 bedarfsorientiert fahren zu lassen. „In den Stoßzeiten des Berufsverkehrs kann die 5002 direkt zum Bahnhof fahren, in den Zeiten dazwischen über Ochsenmarkt und Sand.“ Alternativ könnte sich Gründel auch vorstellen, dass die im 30-Minuten-Takt verkehrende Linie bei jeder zweiten Fahrt die Innenstadt ansteuert.

Ein Kompromiss, mit dem auch CDU-Fraktionschef und Ausschussmitglied Günter Dubber leben könnte. Doch muss er einräumen, „dass es dazu in der CDU-Fraktion keine geschlossene Meinung gibt“. Wichtig sei jedoch, die Ziele des seit Dezember 2019 gültigen Nahverkehrsplans im Blick zu behalten. „Die Busverkehre in der Innenstadt sollen reduziert, die Linien als Alternative zum Privat-Fahrzeug für Pendler attraktiv sein.“ Das heißt für Dubber auch: „Wir können nicht an jeder Milchkanne drei Schlenker machen.“

Auch die Grünen drängen dar-auf, am bestehenden Nahverkehrsplan festzuhalten. Ebenso wollen sie ihren Antrag zur Einrichtung eines E-Shuttle-Betriebs zwischen ZOB, Markplatz und dem Platz am Sande voranbringen. Das Konzept erläutert Detlev Schulz-Hendel, Landtagsabgeordneter und verkehrspolitischer Sprecher der Grünen: „Unser Ziel muss es sein, den historischen Innenstadtkern vom Busverkehr zu entlasten und gleichzeitig zu gewährleisten, dass Pendler über E-Shuttle-Busse die Innenstadt erreichen.“ Mit einem E-Shuttle-Konzept bliebe die Attraktivität des ÖPNV erhalten. „Gleichzeitig schaffen wir im Kern der Innenstadt Räume und Möglichkeiten für das Erlebnis Innenstadt mit einer Kombination aus Handel, Erlebnisgastronomie und kulturellen Angeboten.“

Ziel: Historischen Innenstadtkern entlasten

Während Dubber die Diskussion über das E-Shuttle-Konzept als wesentlichen Teil der Sitzung sieht, ist Schröder-Ehlers skeptisch: „Es ist nicht angebracht, einen möglichen E-Shuttlebus für die Innenstadt gegen Direktverbindungen auszuspielen. Busfahren ist nur dann attraktiv, wenn man sein Ziel auch schnell erreichen kann und nicht zu oft umsteigen muss.“

Auch das Ausschussmitglieder der AfD, Harald Subke, kann der Shuttle-Idee nur wenig abgewinnen. „Zahlreiche Buslinien fahren bereits zum Sand. Ich sehe derzeit den Bedarf ganz einfach nicht.“ Dagegen befürwortet Subke eine Rückkehr zur alten Linienführung der 5002.

Zustimmung signalisiert auch Markus Graff, Ausschussmitglied und Fraktionschef der Linken im Kreistag. „Wir begrüßen alles, was dazu führt, dass die Menschen mit dem ÖPNV umweltfreundlich und schnell an ihr Ziel kommen.“ Abwarten will dagegen Martin Gödecke (Unabhängige), Ausschussmitglied der Gruppe FDP/Die Unabhängigen. Er will sehen, „ob es gravierende Fakten gibt, die eine Änderung nötig machen“.

Zweifel an Umsetzung bereits im Dezember

Unter dem Strich bietet die Sitzung also reichlich Diskussionsstoff. Gefunden werden muss vermutlich ein Kompromiss, da eine Mehrheit für die Rückkehr zur alten Streckenführung ohne Wenn und Aber nach derzeitigem Stand eher unwahrscheinlich ist.

Ziel der Verwaltung bleibt es indes, mögliche Änderungen der Linie 5002 bereits zum Fahrplanwechsel umzusetzen. „Das könnte allerdings knapp werden, möglicherweise erst zum Jahresanfang klappen“, räumt William Lang aus der Pressestelle der Kreisverwaltung ein. Der Linke Markus Graff hält dies für „Augenwischerei“ und auch andere Abgeordnete wie CDU-Chef Günter Dubber zweifeln an einer schnellen Einigung und der Umsetzung bereits im Dezember.

Von Malte Lühr