Im Arche-Park bei Ochtmissen gibt es jetzt auch Ferienprojekte. Foto: t&w

Arche-Park: Das Tonschwein hat überlebt, Frieda nicht

Lüneburg. Die beiden Rindviecher sind weg. „Das passte nicht“, räumt Frank Corleis ein. Zu kostspielig angesichts der benötigten Menge an Futter, vor allem aber zu wenig Platz. „Die haben uns die Haare vom Kopf gefressen. Und das war hier letztlich auch nicht artgerecht für die Tiere“, sagt Corleis. Die Rinder haben es nun deutlich besser, sie seien in einem Zuchtbetrieb in Seevetal mit 50 Hektar Grünland und jeder Menge Auslauf untergekommen. Doch es gibt im Arche-Park des Umweltbildungszentrums Schubz ja noch andere Tiere. Und die sind die Stars beim ersten Ferienprojekt im Park, das aktuell läuft.

„Die Ziegen sind hier meine Lieblingstiere“, sagt Celina. Die Elfjährige zählt zu den Kindern, die am Rande Ochtmissens gerade eine besondere Woche erleben. „Wir haben aus Ton lustige Tierfiguren gemacht“, erzählt sie. Amelie (8) hat ein Schwein angefertigt, ,,aber meine Lieblingstiere hier sind die Sikahirsche“. Alicia, ebenfalls elf Jahre alt, fand, dass das gemeinsame Backen des Stockbrotes am meisten Spaß gemacht hat: „Das haben wir dann am Lagerfeuer gegrillt.“

Einen Tag lang haben sich die Mädchen und Jungen außerdem mit dem Mittelalter beschäftigt, haben unter anderem selbst Schwerter angefertigt. Möglich gemacht hat all das der Rotary Club Lüneburg Hanse, der das Ferienprojekt mit 2100 Euro unterstützt. Dadurch entstehen den Kindern, deren Familien sich einen zur Kostendeckung sonst fälligen Beitrag von etwa 200 Euro nicht leisten könnten, keine Kosten.

In Zukunft soll es regelmäßige Ferien-Projekte geben

Das Team vom Schubz erlebt die Premiere durchweg positiv. „Die Kinder tun den Tieren gut, und anders herum stabilisieren die Tiere auch die Kinder“, ist Corleis als Leiter des Zentrums mit seinen 25 festangestellten und zehn freien Mitarbeitern überzeugt. Schulklassen sind schon seit Längerem immer wieder zu Gast im Arche-Park, künftig soll es regelmäßig solche Projekte für Kinder in den Ferien geben. Gerade jetzt sei das auch pädagogisch wichtig, weil Kinder dabei sind, die in der Zeit der Covid-19-Pandemie wenig Möglichkeiten zum spielerischen Lernen hatten.

Zum Lernen gehört auch, dass die Kinder erfahren, dass so ein Tierleben in der Regel deutlich kürzer ist als ein Menschenleben und auch einen anderen Zweck erfüllt. Gerade erst musste mit Frieda eine Park-Bewohnerin dran glauben, sie ist zu 650 Bratwürsten verarbeitet worden, an der Futterküche, dem neuen Verkaufsstand im Park, der seit wenigen Wochen jetzt jeden Sonntag von 12 bis 17 Uhr geöffnet hat, wurde das Schwein für Besucher zur Mahlzeit für zwischendurch. Und manch eine Gans wird beim nächsten Weihnachtsfest ebenfalls auf den Teller kommen, macht Corleis deutlich.

Damit die Besucher aber weiterhin auch Tiere hautnah erleben können, hat das Schubz gerade einen Eber gekauft, der die beiden Sauen „beglücken“ soll. Bis Weihnachten, hofft Corleis, soll das klappen: „Mal sehen, wie er sich anstellt.“

Neben der Bildungsarbeit mit Kindern und dem Verwerten einiger seiner Bewohner hat der Arche-Park, zugleich seit Langem ein beliebtes Ausflugsziel für Familien, aber noch ein weiteres Ziel: „Langfristig wollen wir auch mit der Lüneburger Jugendpsychiatrie zusammenarbeiten und eine tiergestützte Therapie anbieten“, kündigt Corleis an.

Von Alexander Hempelmann