Ortstermin am Rosenkamp: Anwohner fragen sich: Warum ist die AGL bei der Grünpflege so radikal vorgegangen? Der Bereichsleiter Grünplanung der Stadt Peter Zurheide (mit Fahrrad), Gärtnermeister Oliver-Martin Freese (2.v.r.) und Ortsbürgermeister Christel John (3.v.r.) erläutern das Vorgehen. Foto: t&w

Plötzlich war die ganze Hecke am Rosenkamp weg

Lüneburg. Was Anwohner als „radikalen Kahlschlag“ empfinden, ist für die Fachleute der Stadt ein „Beitrag, um die Vielfalt zu erhalten“. Es war ein sehr emotionaler Ortstermin, zu dem Oedemes Ortsbürgermeister Christel John jetzt eingeladen hatte. Der Anlass: Die städtische Tochtergesellschaft AGL hat rund ums Baugebiet Rosenkamp II die Grünanlagen bearbeitet. Und dabei ist sie aus Sicht einiger Bewohner übereifrig vorgegangen.

Das AGL-Team war mehrere Tage lang am Werk, mit großem Gerät rissen Mitarbeiter Bäume samt Wurzeln aus dem Boden, entfernten Büsche, stutzten Gras und Gestrüpp. Was manche – vor allem auf der Seite mit Blickrichtung Ziegelei Rettmer – freute, weil sie von lästigen Birken befreit wurden, die Schatten auf ihre Grundstücke warfen und ihnen die freie Sicht nahmen, ließ andere – vor allem Anwohner der Böttcherstraße zur Seite der Allee – erzürnen. Sie beklagen einen aus ihrer Sicht zu harten Eingriff in die Natur, die sie als direkte Anlieger in den vergangenen Jahren mit Liebe mitgepflegt hatten, und mangelnde Rücksicht auf die Tiere, die sich dort inzwischen ebenfalls heimisch zu fühlen schienen.

Die Arbeit des AGL-Teams hat deutliche Spuren hinterlassen. Nachdem dort in den vergangenen Jahren nur sehr behutsam vorgegangen worden war, sind die Grünstreifen neben den Fußwegen nun nahezu komplett frei, nur ganz wenige, meist vereinzelte Pflanzen blieben stehen. Und zwar jene, die das Gartenbauunternehmen Corbelin, das in den ersten fünf Jahren nach der Erschließung des Baugebietes für die Grünpflege zuständig war, eingepflanzt hatte. Doch auch die haben es nicht allesamt geschafft: Zwei jeweils etwa zwei Meter größe Gehölze wurden ebenfalls entfernt. „Ein Fehler“, wie Peter Zurheide, Bereichsleiter Grünplanung bei der Stadt Lüneburg, einräumte. Gemeinsam mit Gärtnermeister Oliver-Martin Freese von der AGL versprach er: „Die beiden Pflanzen werden ersetzt.“

Klammheimlich hat mancher sein Grundstück vergrößert

Grundsätzlich aber sei diese Arbeit notwendig und richtig, verteidigte Zurheide beim Vor-Ort-Termin gegenüber Anwohnern das Vorgehen der AGL. „Wenn wir nichts machen, wuchert hier alles zu. Dann haben Sie hier irgendwann einen Wald.“ Zudem sei die Stadt gesetzlich dazu verpflichtet, sich um die Grünpflege zu kümmern. Es handle sich hier um Ausgleichsflächen für das Baugebiet. „Im Bebauungsplan ist die als offene Wiesenfläche definiert. Vorher war das Acker, es ist unsere Aufgabe, das ökologisch aufzuwerten“, sagte Zurheide. Die Allee solle freigehalten werden, auch Pflanzen, „die nicht heimisch sind und hier nicht hergehören“, seien jetzt entfernt worden. „Das hat auch Signalwirkung für andere Gebiete.“ Zu oft schon habe er erlebt, dass Anwohner öffentliche Flächen „klammheimlich in Anspruch nehmen, um ihre Grundstücke zu vergrößern. Wir hatten schon Leute, die auf städtischen Flächen einen Hühnerstall gebaut haben“.

Der stand hier nicht. Doch einige Anwohner hatten auf dem Grünstreifen Büsche und Sträucher eingepflanzt, die nun allesamt verschwunden sind. Ohne Absprache, ohne jegliche Ankündigung. „Ein paar Meter weiter kann man für 150 Euro eine Patenschaft für einen der Obstbäume übernehmen und hier wird alles platt gemacht. Das passt nicht zusammen“, schilderte eine Anwohnerin ihr Unverständnis. „In diesem Jahr haben wir besonders viel Zeit hier im Grünen verbracht, haben viele Vögel und Igel beobachtet, haben Kröten gehört. Die sind jetzt erstmal alle weg. Das tut uns in der Seele weh.“ Auch ein noch blühender Schmetterlingsstrauch mitsamt Schmetterlingen sei einfach entfernt worden. Das könne doch nicht im Sinne der Natur sein.

In Zukunft soll vorab informiert werden

Ihre Nachbarin machte deutlich: „Ich habe extra vorher Frau John um Erlaubnis gefragt, ob ich hier was pflanzen darf. Sie hat gesagt: Machen Sie. Jetzt ist alles weg.“ Die Ortsbürgermeisterin räumt ein: „Das stimmt, das ist nicht ganz glücklich gelaufen.“ Doch dass die Frau dann eine ganze Feuerdorn-Hecke so weit auf das öffentliche Areal pflanze, sei ihr damals nicht klar gewesen. Zurheide verwies auch auf die Rechtslage: Die Pflanzen gehörten dem, auf dessen Fläche sie stehen. Er sagte aber auch: „Sprechen Sie uns an, wenn Sie konkrete Vorstellungen haben und etwas auf öffentlichen Flächen pflanzen wollen. Wir schauen dann, was möglich ist.“ Und bei einem Okay der Stadt soll dann auch sichergestellt werden, dass diese Pflanzen auch bei Mäharbeiten stehen bleiben.

Der Frust der Anwohner konnte der Ortstermin nicht lindern. Doch am Ende gab es neben der versprochenen Ersatzpflanzung immerhin eine weitere Zusage: Künftig will die AGL über die Ortsbürgermeisterin die Anwohner informieren, wenn sie wieder derart „radikal“ vorgeht bei der Grünpflege.

Von Alexander Hempelmann