So leer wie auf diesem Foto ist es in der Bäckerstraße zwar selten tagsüber, doch die Geschäftsleute spüren eine deutliche Kaufzurückhaltung. Foto: t&w

Die Situation ist auch bei Lüneburgs Handel dramatisch

Lüneburg. Die steigende Zahl der Corona-Neuinfektionen drückt die Konsumlaune der Verbraucher, dazu kommt der Online-Handel, der den Innenstädten verstärkt zu schaffen macht. Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat in dieser Woche zur Rettung der Stadtzentren aufgerufen, ein Konzept dafür hat er bislang nicht. Die Situation ist auch bei Lüneburgs Handel dramatisch, die Verunsicherung bei Geschäftsleuten und Kundschaft gleichermaßen groß.

Von rund 30 Prozent weniger Besucherfrequenz vom Frühjahr bis jetzt im Vergleich zum Vorjahr spricht Eberhard Wedler, Chef der Lüneburger Kaufhof/Karstadt-Filiale. Das Kaufhaus ist der Mittelpunkt von Lüneburgs Innenstadt und zieht normalerweise viel Laufkundschaft zum Bummeln an. Doch dieses Kundenverhalten habe sich komplett geändert, sagt Wedler: „Die wenigen Leute, die kommen, kaufen bewusst und gezielt, aber das ist reine Ersatzbeschaffung und hat nur wenig mit Lustshoppen zu tun.“

Karstadt plant größeren Umbau

Diese Erfahrung würden die meisten Geschäftsleute in der Innenstadt machen, bestätigt Heiko Meyer, Vorsitzender des Lüneburger City Managements (LCM). „Die Lage ist dramatisch, die Umsätze sind zwischen 30 und 40 Prozent eingebrochen.“ Maske tragen, steigende Infektionszahlen, „da fehlt einfach das Einkaufserlebnis“. Dazu seien nach wie vor viele Menschen im Homeoffice, „und dann brauche ich eben kein neues Hemd und keine neue Krawatte“, wertet Meyer. Erschwerend dazu kämen Vorfälle wie jüngst im Pesel, wo eklatant gegen die Corona-Vorschriften verstoßen wurde. „Ich hoffe, dass das ein Warnschuss war und jetzt jeder begriffen hat, dass wir auch bezüglich der Hygienemaßnahmen alle mitziehen müssen, um die Leute wieder in die Stadt zu bekommen.“

Wieder ein Einkaufserlebnis bieten, die Menschen neugierig machen, dieses Ziel verfolgt auch Kaufhof/Karstadt nach der jüngsten Schrumpf-Sanierung des Unternehmens. Für die Lüneburger Filiale bedeutet das einen größeren Umbau, der nächste Woche starten soll. „Wir werden Abteilungen verlegen und neues Mobiliar aus anderen Häusern bekommen“, schildert Eberhard Wedler die Pläne, die Teil der Neuausrichtung des Konzerns sind. „Wir fassen im Prinzip fast die gesamten 10.000 Quadratmeter Verkaufsfläche an.“ Dadurch werde es zeitweilig zu Einschränkungen kommen, „aber unsere Kunden können danach dann auch viel Neues entdecken“, hofft der Filialleiter auf einen positiven Effekt.

„So ein Lockdown darf nicht noch einmal kommen"

Niemand wagt derweil eine Prognose, wie das so wichtige Weihnachtsgeschäft laufen wird. „Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass wir in Deutschland schon im Oktober die 10.000er-Infektionsgrenze knacken würden, und jetzt sind wir tatsächlich schon bei 11.000“, sagt Wedler. Das erinnere ihn brutal ans Frühjahr, als auf einmal alle Geschäfte schließen mussten. „So ein Lockdown darf nicht noch einmal kommen, aber letztlich hat es ja der Bürger in der Hand, wenn er sich an die Regeln hält.“

Ein zweiter Lockdown sei das Schlimmste, was passieren könnte, sagt auch Heiko Meyer. Doch selbst ohne sei die Entwicklung in den nächsten Wochen völlig unkalkulierbar. Wird sich Lüneburg überhaupt als Weihnachtsstadt mit dem entsprechenden Schausteller-Angebot präsentieren dürfen oder müssen alle Pläne über den Haufen oder gar in den Papierkorb geworfen werden? Eine Antwort kann heute angesichts der Dynamik, die die Pandemie derzeit entwickelt, niemand geben. Eines aber lasse sich mit Sicherheit sagen, findet Meyer: „Für Handel und Gastronomie wird es schwer, sehr sehr schwer.“

Von Thomas Mitzlaff