Das LeNa Wohnprojekt hat Jubiläum: Muriel Herrmann (Mitte vorne) mit anderen Bewohnern. Foto: t&w

Wohnprojekt LeNa feiert fünfjähriges Bestehen

Lüneburg. Es ist die Kombination aus Privatsphäre und Gemeinschaft, die den Reiz ausmacht und den Erfolg begründet. Für alle, die dort leben. Vor fünf Jahren haben die Mitglieder des Wohnprojekts LeNa am Brockwinkler Weg den Boden bereitet, konnten nach langer Planungsphase endlich die Wohnungen beziehen. Eine lebendige Nachbarschaft haben sie sich erhofft, diese auch in ihrem Namen verankert – der Wunsch ist in Erfüllung gegangen.

52 Erwachsene und mehr als 20 Kinder zählen zu den Bewohnern der 36 Einheiten mit einer Größe von jeweils 50 bis 120 Quadratmetern, Fluktuation gab es nicht – mit einer Ausnahme: „Aber in diesem Fall ist eine Frau zu ihrer Familie nach Hamburg gezogen“, sagt Muriel Herrmann, die mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern im LeNa-Projekt zu Hause ist. Die Wohnung war schnell wieder vergeben, denn: Die Nachfrage ist nach wie vor groß.

„Besonders alleinstehende ältere Frauen haben enormes Interesse an unserer Gemeinschaft“, sagt die Jugendbildungsreferentin, „unter ihnen war auch schon damals die Resonanz groß.“ Einen Platz konnten aber nicht alle bekommen: „Denn es ist ja Kern unseres Konzepts, dass wir generationenübergreifend wohnen wollen, diese Form der Gemeinschaft auch suchen.“

Monatliche Sonntagstreffen

Und die haben sie auch gefunden: Wer Kontakt möchte, wird ihn erhalten, sagt Muriel Herrmann, ob auf dem gemeinsamen Hof, in der Food-Coop (Einkaufsgemeinschaft für Lebensmittel) im Keller, in der Werkstatt oder Küche und natürlich im Gemeinschaftsraum. „Das führt häufig so weit, dass aus einem kurzen Besuch in öffentlichen Räumen ein langer Aufenthalt wird“, sagt sie und lacht, „meine Familie sagt dann immer: Und sie ward nicht mehr gesehen…“

Sehen können sich die Bewohner aber regelmäßig – dazu gibt es monatliche Sonntagstreffen, Arbeitskreise und ein Plenum: LeNa ist zum einen eine Genossenschaft, die ein gemeinsames Grundstück besitzt und dafür auch Erbpacht zahlt, zum anderen eine Wohneigentümergesellschaft, die Regeln und Strukturen für das gemeinsame Leben formuliert – jedem aber dabei seinen persönlichen Freiraum lässt.

„Viele hier haben eine sehr ökologische und soziale Einstellung“, sagt Muriel Herrmann. So kommen auf 52 Erwachsene auch lediglich 17 Autos, eine Carsharing-Station ist vor der Tür, die meisten nutzen aber das Rad, um sich fortzubewegen. „Wer das aber für sich anders hält, wird gleichermaßen akzeptiert.“ Das gelte auch für alle Angebote, die im Projekt existieren: „Alles kann, nichts muss.“

Party wird nachgeholt

Auch bei privaten Veranstaltungen: „Natürlich feiern wir auch mal mit allen gemeinsam, aber ansonsten lädt jeder zu sich diejenigen ein, mit denen er gut kann – mal im größeren, mal im kleineren Kreis.“ Individualität und Gemeinschaft: Beides findet hier den nötigen Respekt und hat in vielerlei Hinsicht Vorteile. „So ist es beispielsweise kein Problem, jemanden zu finden, der die Kinder ins Bett bringt, wenn beide Elternteile verhindert sein sollten“, sagt die Jugendbildungsreferentin, „oder während Corona die Einkäufe erledigt.“

Corona – das ist aber auch bei LeNa ein Kapitel für sich. „Wir haben versucht, auch in dieser Zeit Regeln für das Zusammenleben zu finden“, sagt die Mutter, „so haben die Kinder zeitweise auch nur mit Kindern aus dem Projekt gespielt, haben wir viele Aktivitäten von drinnen nach draußen verlegt und Kontakte reduziert.“ Dennoch ging und geht es gerade auch den Alleinstehenden hier besser als wohl anderswo: „Denn letztlich sind wir eine starke Gemeinschaft.“

Die nun seit fünf Jahren besteht: Die geplante große Feier fiel zwar den Umständen zum Opfer, begangen wurde das Jubiläum aber dennoch – mit Abstand und im Garten. „Sobald es einen Impfstoff gibt, werden wir die Party aber nachholen“, sagt Muriel Herrmann.

Von Ute Lühr