Geschlossen hat seit wenigen Wochen „Unser Laden“ in Radbruch. Doch das soll nicht von Dauer sein, an einem neuen Konzept wird im Dorf bereits gearbeitet. Foto: t&w

Der Dorfladen in Radbruch soll bleiben

Radbruch. Seit knapp zwei Monaten ist der Dorfladen in Radbruch geschlossen, fehlt den Einwohnern des Ortes eine Anlaufstelle zum Kauf von Dingen des täglichen Bedarfs. Dass sich der Betrieb des Ladens wirtschaftlich rechnet, davon ist nicht nur Bürgermeister Rolf Semrok (CDU) überzeugt. Gemeinsam mit anderen Politikern des Ortes und engagierten Einwohnern feilt der Bürgermeister an einem zukunftsfähigen Konzept. Das Ziel: „Unter Federführung der Gemeinde soll der Laden saniert und anschließend verpachtet werden“, erklärt der Bürgermeister. In gut einem Jahr, hofft Semrok, kann der Dorfladen dann wieder öffnen – deutlich moderner als vorher und mit breiterem Angebot.

Anfang der Woche hatte der Bürgermeister zu einem ersten Treffen eingeladen, rund 40 Radbrucher waren dabei. Gegründet worden sind zwei Arbeitsgruppen, die den Neustart vorantreiben sollen. „Die erste wird sich um konzeptionelle Fragen kümmern wie Warenangebot und zusätzliche Dienstleistungen etwa Postfiliale, Café und Kulturtreff“, erklärt Semrok. Vorgesehen ist auch eine Bürgerbefragung. „Wir wollen wissen, was sich die Einwohner wünschen, damit wir nicht am Bedarf vorbei planen.“

Die zweite Arbeitsgruppe soll den rechtlichen Rahmen abstecken, die Themenfelder Betreiberformat, Pachtvertrag und Förderanträge bearbeiten. Die Idee ist, bei der Modernisierung des Ladens auch das EU-Förderprogramm Leader anzuzapfen. „Läuft der Umbau unter Federführung der Gemeinde, ist eine Förderquote von 65 Prozent möglich“, sagt der Bürgermeister. Er rechnet damit, dass die gesamte Maßnahme rund 200.000 Euro kosten wird.

Produkte örtlicher Erzeuger

Bereits gegründet worden ist auf Initiative des ehemaligen Bürgermeisters Achim Gründel (SPD) der Förderverein Kultur- und Dorfladen, an dessen Spitze Gründel als Vorsitzender steht. „Wir wollen den Laden zu einem kommunikativen Dorfmittelpunkt weiterentwickeln“, sagt der Ex-Bürgermeister. Die Ideen des Fördervereins hat Gründel bei dem von Semrock organisierten Treffen Anfang der Woche vorgestellt. Dazu gehört auch die Einrichtung eines Kulturcafés als weiteres Standbein für den Dorfladen. Das Ziel beschreibt die zweite Vorsitzende des Fördervereins, Simona Heinrichs-Küttner, so: „Örtliche Künstler und Kunsthandwerker haben hier die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Ich wünsche mir, dass wir uns dort auch mal bei einer Tasse Kaffee zum Klönschnack treffen können.“

Zudem sollen im Dorfladen vor allem Produkte örtlicher Erzeuger angeboten werden. Ob Milch, Eier, Quark, Kartoffeln, Fleisch, Gemüse aus Radbruch oder Blumen aus Mechtersen: Vieles sei im Ort vorhanden und könne auch vor Ort angeboten werden, argumentiert der Förderverein. Auch Semrok betont das Potenzial des Ladens bei der Vermarktung regionaler Produkte: „Jetzt haben wir die Chance, das Netzwerk örtlicher Erzeuger deutlich enger zu knüpfen.“

Gefunden werden muss nun noch ein Pächter

Dass sich der Laden auf Dauer wirtschaftlich trägt, hat der Förderverein anhand der Zahlen aus den vergangenen Jahren bereits geprüft. „Jetzt bedarf es allerdings der Instandsetzung, einer Neuausrichtung und eines Anschubs. Dabei möchte ich gerne helfen“, sagt Kassenwart Brüne Lüdemann.

Derzeit hat der Förderverein laut Gründel 20 Mitglieder – darunter auch eine Architektin, die bereits erste Entwürfe für den Umbau des Ladens und eine Kostenaufstellung erstellt hat.

Gefunden werden muss nun noch ein Pächter, der das operative Geschäft betreibt. Für Semrock ist klar: „Da muss ein Profi ran.“ Sollte dieser nicht zu finden sein, wäre auch der Förderverein bereit, die Geschäfte zu führen – mit festangestellten Mitarbeitern. Den Kulturbetrieb will der Verein ehrenamtlich organisieren.

Bis zur Wiedereröffnung des Dorfladens plant der Bürgermeister ein Übergangsangebot für die Einwohner von Radbruch. „Wir führen derzeit Gespräche, ob wir an einigen Tagen in der Woche einen Verkaufswagen in den Ort bekommen oder einen Verkauf in einem Container organisieren können“, sagt Semrok.

Von Malte Lühr