In vielen Städten sind Anzeigetafeln mit Echtzeitinformationen schon im Einsatz, wie hier in Erfurt (Foto: Martin Schutt).

Echtzeitanzeigen bei Bushaltestellen verzögern sich

Lüneburg. Busse, die später fahren als angekündigt, Zugverbindungen, die ganz ausfallen – das ist keine Seltenheit. Frühzeitig erfahren, ob ein Zug oder Bus pünktlich ist oder gar ausfällt, das sollte in Lüneburg längst möglich sein. Erstmals vorgestellt wurde das Vorhaben im Dezember 2016. Damals wurde Mitte 2018 als Startzeitpunkt anvisiert. Doch die Umsetzung gestaltet sich schwieriger als erwartet.

Das sogenannte „Dynamische Fahrgastinformationssystem“ (DFI) ist bereits vorhanden. „Jeder Bus ist seit knapp einem Jahr mit der entsprechenden Bordtechnik ausgestattet“, sagt Oliver Blau, Pressesprecher der KVG. Jeder Busfahrer wisse quasi, „wo sollte ich wann sein und wo bin ich zu dem Zeitpunkt wirklich“. Die Technik dafür steckt in den Fahrscheindruckern, kleine mit GPS ausgestattete Computer, die längst mehr können als Fahrscheine herstellen.

Es hapert jedoch noch an der Umrüstung der Haltestellen – nicht nur in Lüneburg. Denn es handelt sich um ein Verbundprojekt der Landkreise Lüneburg, Harburg, Heidekreis und Stade. Lüneburgs Kreispressesprecher William Laing erläutert: „Durch die Entscheidung zur Kooperation der Landkreise und durch die gemeinsame Ausschreibung werden einheitliche technische Ausrüstungen erreicht.“

Insgesamt 73 Standorte und 106 Anzeiger

Bei Standortbegehungen wurden die genauen Positionen für die Tafeln ermittelt. Hier kam es im Landkreis Lüneburg – auch wegen Corona – zu Verzögerungen, sodass diese laut Landkreis erst im Mai gemeinsam mit Vertretern von Kommunen, KVG und Kreisverwaltung stattfanden. Nicht immer seien die erforderlichen Strom- und Kabelanschlüsse vorhanden beziehungsweise leicht zu erreichen. Auch die Aufstellung der Bildschirme, auf denen die Informationen angezeigt werden, könne mancherorts schwierig sein. Erst wenn alle Fakten aufgelistet seien, könne die Ausschreibung für die Ausführung der Arbeiten erfolgen.

Wie umfangreich das Vorhaben ist, zeigen Zahlen aus dem Kreishaus: „Das Projekt umfasst insgesamt 73 Standorte und 106 Anzeiger. 23 Standorte fallen auf den Landkreis Lüneburg. Die Koordination läuft über die Verkehrsgesellschaft Nord-Ost-Niedersachsen Stade (VNO).“ Aus den Begehungen seien Steckbriefe entstanden, die die Kommunen freigeben müssen. Einige fehlten derzeit noch.

Unterschied: Übersichtsanzeiger und Haltestellenanzeiger

Das Leitsystem, in dem alle Daten von KVG, HVV und Bahn auflaufen, steht in Bremen. Über diese Datendrehscheibe, die ganz Norddeutschland versorgt, erfolgt laut KVG-Sprecher Blau der Datenabgleich. Heißt: Es werden aus den GPS-Daten und dem Fahrplanabgleich die Abweichungen vom Soll-Fahrplan ermittelt und gesendet. Da auch Umleitungen, Ersatzbusse oder Betriebsstörungen berücksichtigt werden können, ist auch die Anschluss-Sicherung möglich: Busse können angewiesen werden, auf Züge mit leichter Verspätung zu warten.

Bei den Anzeigetafeln für diese Echtzeitinformationen vor Ort sei zwischen Übersichtsanzeigern und Haltestellenanzeigern zu unterscheiden. „An den zentralen Punkten wie dem ZOB am Lüneburger Bahnhof oder am Bahnhof in Amelinghausen werden Übersichtsanzeiger geplant, an einzelnen Haltestellen wird die Abfahrt der nächsten Busse mit Linie in Abfahrtszeit in Echtzeit dargestellt“, skizziert Laing.

Auch die Finanzierung ist komplex: Der Kreis Lüneburg ist bereits in das Echtzeitförderprogramm des Landes aufgenommen, das 75 Prozent der erforderlichen Mittel übernehmen wolle, die 2016 mit 330 000 Euro veranschlagt wurden. Des Weiteren werden Fördermittel bei der Landesnahverkehrsgesellschaft beantragt. „Geld ist allerdings noch nicht geflossen. Das kann erst ausgezahlt werden, wenn die genaue Ausgestaltung bis ins letzte Detail geplant ist und ein Förderbescheid final ausgestellt wird“, erklärt Laing.

Von Dietlinde Terjung