Gleich vier Konzerte gab Maybebop am Wochenende auf Gut Wienebüttel (Foto: phs).

A-Cappella-Quartett Maybebop im Kulturforum

Lüneburg. Die Konzertscheune erfüllt ein fröhliches Klatschen. Bei diesem Konzert gibt jedoch kein Instrument, sondern die Stimme den Rhythmus an. „Normalerweise fragen wir die Leute bei diesem Stück, ob sie mitsingen wollen, aber das geht nicht wegen Corona, deshalb haben wir ein Klatschstück vorbereitet“. So erklärt Maybebop-Urgestein Oliver Gies dem Publikum die ganz besonderen Umstände der heutigen Vorstellung. Dann erhebt er seine Stimme für das nächste Lied.

Die „Maybebopper“, das sind Jan Malte Bürger, Gründungsmitglied Oliver Gies, Lukas Teske und Christoph Hiller. Der Name ist angelehnt an die Musikrichtung „Bebop“, eine etwas schnellere und rhythmisch freiere Version des Jazz. Von Deutsch Pop, Rap, Beatboxen bis hin zu einem „Ave Maria“ ist alles dabei. Maybebop ist der Beweis dafür, dass A-Cappella nicht nur etwas für die Kirche ist. Nachdem das Konzert wegen Corona erst verschoben wurde, fanden am vergangenen Wochenende vier Nachholkonzerte im Kulturforum auf dem Gut Wienebüttel statt.

Maybebop parodieren Helikoptereltern

Gleich zum Auftakt gibt es vertraute Melodien von dem hannoverschen Ensemble zu hören. Mit „Das Beste fürs Kind“ parodieren sie Helikoptereltern, die ihr Kind mit Samthandschuhen anfassen und morgens mit dem SUV zur Schule fahren. Dass man früher alleine im Wald ganz ohne Handy spielen durfte, erscheint unvorstellbar und grotesk. So einige Zeilen der Songs lassen Gesellschaftskritik durchblicken. Mit ihren Reimen treffen sie den Nerv der Zeit. Dafür darf auch einmal die erste Strophe des beliebten Songs „Früher gab‘s die Tagesschau“ auf die Corona-Situation, die kursierenden Verschwörungstheorien und Aluhut-Träger umgedichtet werden.

Die meisten der Texte eignen sich nicht nur zum Mitsingen, sondern vor allem zum Mitdenken. Ihre Auswahl an Stücken deckt eine Bandbreite an gesellschaftlich und politisch relevanten Themen ab: Klimawandel, Flüchtlingskrise, Integration und natürlich Corona. Für diese Variabilität wurden sie dieses Jahr zur besten A-cappella-Gruppe des Jahrzehnts gewählt, was so etwas wie der Grammy der Branche ist. So singt Jan Bürger als Lead-Stimme ein Weihnachtslied aus der Sicht eines türkischen Mannes, der trotz anderer Religiösität Weihnachten mitfeiern will. Aus „O du Fröhliche“ wird Kulturkritik. Eine Frau aus dem Publikum findet, das könne man auch dieses Weihnachten singen.

Publikum wirft Begriffe ein, Maybebop improvisiert

Nach der Pause und mit neuen Kostümen darf es thematisch dann auch mal etwas leichter werden. Dafür sorgt das Quartett mit unterhaltsamen Moderationen und einem flotten Licht-Konzept. Einen Song von ihrem neuen Album „Kinderkram“ (erscheint am 21. November) haben sie auch mitgebracht. Darin geht es um eine Hyäne, die, anders als ihre Artgenossen, sehr hygienisch ist und dadurch aneckt.

Lautstarken Beifall erntet die Band vor allem für ihr Improvisationsstück. Das Publikum soll Begriffe nennen. Zwei Kinder rufen Stinkesocken und Hampel­zwerg in den Saal, ein Erwachsener schlägt Trump als Begriff vor. Als Musikrichtung nennt ein Herr aus der vorderen Reihe Techno. Wenige Sekunde später liefert Lukas Teske einen Beat und Oliver Gies stellt sein Improvisationstalent unter Beweis, indem er tanzend über die Präsidentschaftswahl und Trump, den Hampelzwerg, singt.

Knapp anderthalb Stunden und zwei Zugaben später verabschieden sich die Maybebopper unter Beifall vom Lüneburger Publikum. Die Stimmen werden noch einmal mit Wasser geölt, denn es stehen noch zehn weitere Konzerte in der kommenden Woche an. Sorgen machen sich die Sänger wegen Corona offensichtlich nicht, das Hygienekonzept stimmt und sie berufen sich auf die Erfahrung, dass sich bislang niemand im Theater nachweislich angesteckt habe. An Denkstoff mangelt es an diesem Abend jedenfalls nicht.

Von Cornelia Braun