Carola Kasten kann Dank eines Cochlea-Implantates wieder hören.

Ein Cochlea-Implantat half ihr, wieder hören zu können

Lüneburg/Potsdam. Sie dachte immer, sie könne sich ja noch helfen, irgendwie geht es noch. Fernsehen schaute Carola Kasten mit Untertitel, auch ins Kino ging sie nur noch, wenn englische Filme mit deutschem Untertitel liefen. Gespräche in kleineren Runden gingen bis zum Schluss durch das Lippenlesen noch recht gut. Nur wenn das Telefon klingelte und ihr Mann nicht zuhause war, dann ging die 73-Jährige einfach nicht dran. In den vergangenen 20 Jahren hat ihr Gehör sie mehr und mehr im Stich gelassen, vor etwa zehn Jahren attestierte ihre Ärztin ihr einen „an Taubheit grenzenden“ Hörverlust. Erst vor drei Jahren konnte Kasten sich selbst überwinden und sich ein Implantat einsetzen lassen, mit dem sie nun wieder hören kann. Jetzt will sie anderen Betroffenen Mut machen.

Von dem Cochlea-Implantat wusste sie schon länger

Es sei nicht so, dass sie erst so spät von der Möglichkeit eines sogenannten Cochlea-Implantates erfahren hätte. „Ich wusste davon schon lange, etwa seit 2005. Damals hat mir ein Freund meines Sohnes davon erzählt. Aber ich wollte davon nichts wissen, ich habe mich innerlich gesträubt und hatte Angst vor dieser Operation“, erzählt die 73-Jährige, die eine Doppelhaushälfte in Radbruch besitzt, in der sie noch vor einigen Jahren gelebt hat und nun regelmäßig ihre Wochenenden und Urlaube verbringt.

Ein Cochlea-Implantat besteht immer aus zwei Teilen. Eines wird in die Hörschnecke im Innenohr, die Cochlea, hineingesetzt und das andere dient extern als Prozessor. Dieser sitzt meist hinter dem Ohr, fängt die Geräusche aus der Umgebung ein und gibt sie an das Implantat weiter. Dieses kann die empfangenen Reize in Signale umwandeln und an das Gehirn leiten, dort werden sie dann weiterverarbeitet. Somit kann ein Hörimplantat den Gehörsinn fast vollständig ersetzen. Ein Hörgerät dagegen verstärkt die Geräusche lediglich.

Auch Kasten lebte zunächst mit einem Hörgerät, etwa zehn Jahre reichte das aus. „Aber dann wurde es immer schlechter. Als es dann auch noch anfing zu piepen, habe ich es vor Wut in die Ecke geschmissen“, erzählt die damals etwa 60-Jährige, die heute in Potsdam lebt. Ein Ersatz musste her, doch Kasten wehrte sich weiterhin gegen ein Implantat.

Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nicht mehr möglich

Ihr Mann beobachtete, wie Kasten sich immer weiter veränderte. Sie konnte nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilhaben, isolierte sich und konnte sich kaum mehr selbst helfen. Und ihr Mann wusste, dass er nicht mehr lange für seine Frau da sein konnte: „Er hatte eine unheilbare Krankheit“, erzählt Kasten. Vier Jahre lang habe er gekämpft, im letzten Jahr ist er verstorben. Aber erst, nachdem er die ehemalige Lüneburgerin zu einem Implantat überzeugen konnte, sie begleitete und sich mit ihr an dem Erfolg freuen konnte. Das war im Jahr 2017.

„Bei mir hat das unfassbar gut funktioniert“, freut sich Kasten. „Ich konnte mich direkt nach der Erstanpassung ins Auto setzen – und habe das Radio gehört. Das war ein kleines Wunder für mich. Das Implantat gibt mir alles zurück, was ich für ein selbstständiges Leben brauche.“ Bei hörgeschädigten Patienten werde das Hörvermögen häufig mit sogenannten Einsilbern getestet. „Vor der Operation habe ich fast gar nichts mehr davon verstanden“, erinnert sie sich. Danach habe es zwar noch etwa zwei Jahre gedauert, nach einer Reha erreichte sie in dem Test jedoch fast 90 Prozent.

Jetzt teilt Carola Kasten als Hörpatin ihre Erfahrungen

Kasten weiß, dass das Implantat nicht bei jedem Patienten so gut anschlägt. „Es kommt darauf an, wie lange man damit gewartet hat, wie lange das Gehirn sozusagen aus der Übung war.“ Um anderen Betroffenen bei Fragen zur Seite zu stehen, ist Carola Kasten seit einiger Zeit „Hörpatin“. „Ich kläre dabei nicht über medizinische Fragen auf, sondern teile meine Erfahrungen. Ich höre auch gerne zu und helfe, wenn ich kann.“

Mehr Informationen zu den Hörpaten gibt es hier.

von Lilly von Consbruch