Für viele Touristen gehört eine Kutschfahrt zu einem Ausflug in die Lüneburger Heide dazu Foto: t&w

Lüneburger Kutschbetriebe ziehen Bilanz

Lüneburg. Für viele Touristen gehört eine Kutschfahrt zu einem Ausflug in die Lüneburger Heide dazu – und auch in der Stadt Lüneburg gehören die Kutschen im Sommer seit Jahren zum Stadtbild. Doch auch das war in diesem Sommer anders. Gegenüber der LZ ziehen die beiden Lüneburger Kutschbetriebe Bilanz.

Kutscherin Elisabeth Rühle, Betreiberin der Lüneburger Kutschen, berichtet, dass die Saison durch den Lockdown um einiges kürzer gewesen sei als sonst. „Im März haben wir in der Regel ein softes Opening und den Kalender für den Sommer schon ziemlich voll mit Reisegesellschaften, Familien- und Betriebsfeiern. Durch den Lockdown hatten wir in diesem Jahr eine Stornoquote von 100 Prozent. Auch weit in der Ferne liegende Termine wurden präventiv abgesagt. Die Leute waren verunsichert, niemand wusste, wie es weitergeht.“

Tourismus war immer eine sichere Kiste

Erst spät durften die Kutschfahrer wieder ihren Betrieb aufnehmen, „und das auch nur, weil geklagt wurde.“ Erst seit zwei Monaten dürfen Kutschbetriebe ihre Wagen wieder voll besetzen. Vorher war der Betrieb nur sehr eingeschränkt möglich: „Einen Mindestabstand von 1,5 Metern kann ich bei mir nicht wahren, so konnte ich nur Familien mitnehmen. Ansonsten fragen bei mir auch viele Pärchen an, aber für zwei Personen den großen Wagen rausfahren, das rechnet sich überhaupt nicht. Und den Gästen dann die hohen Kosten aufzubürden, fände ich auch nicht fair.“

Auch jetzt, wo alles wieder in geregelten Bahnen verlaufe, gebe es keinen großen Buchungsdrang, erzählt Rühle. „Das gab es noch nie, bislang befanden wir uns wirklich in einer Luxussituation. Der Tourismus war immer eine sichere Kiste, wir waren meist ausgebucht, ohne selbst groß zu werben.“ Um der Ausnahmesituation Herr zu werden, hat Elisabeth Rühle im Wortsinne um- beziehungsweise aufgesattelt: „Ich arbeite nebenbei wieder als Trainerin für klassische Dressur, das habe ich früher schon gemacht. Über dieses zweite Standbein bin ich in diesen unsicheren Zeiten sehr froh.“ Denn auch das Weihnachtsgeschäft wird wohl weitestgehend ausfallen, mutmaßt sie. „Aus ökonomischer Sicht ist es für uns natürlich eine Katastrophe.“

Das wird ein knappes Höschen, antwortet sie auf die Frage, ob ihr Betrieb die Einbußen übersteht. „Das Winterheu kann ich selbst machen, das erleichtert die Situation etwas. Aber natürlich muss ich Kraftfutter bestellen, die Pferde fressen den ganzen Winter über.“ Sie hat eine Kutsche und drei Fahrpferde, den Betrieb vor sechs Jahren mit aufgebaut und ihn im September ganz übernommen. „Dass ich nicht noch für Mitarbeiter verantwortlich bin, ist eine Entlastung..“

"Unsere Fahrpferde lassen wir höchstens viermal die Woche laufen"

„Alles, was sich vor August abgespielt hat, ist doch nur Geplänkel gewesen“, sagt Kutscher Andreas Gensch, der sich vor 21 Jahren mit seinem Kutschbetrieb selbstständig gemacht hat. „Da haben wir Flagge gezeigt, demonstriert, dass wir da sind, aber Geld verdient haben wir in der Zeit nicht.“ Das Flaggezeigen hat sich für ihn jedoch gelohnt: „Im Moment läuft es richtig gut, ab August hätten wir glatt das Doppelte fahren können, so gefragt waren unsere Kutschfahrten. Aber die Tiere sind keine Maschinen, unsere drei Fahrpferde lassen wir höchstens viermal die Woche laufen.“

Einem Mitarbeiter musste Gensch aus wirtschaftlichen Gründen kündigen, einer seiner Kutscher ist verstorben. Nun hat er noch eine Angestellte, seine Lebensgefährtin. „Sie war in Kurzarbeit und ist es ab November wieder, damit konnten wir einiges auffangen.“ Gensch geht davon aus, dass die Saison für ihn Ende des Monats vorbei ist und seine Tiere sich nun bis April ausruhen können. Die ersten drei Jahre seiner Selbstständigkeit seien hart gewesen, erinnert er sich. „Aber danach lief es immer, sowas haben wir noch nicht erlebt, wir sind immer über den Winter gekommen. Und auch das jetzt werden wir aushalten.“

Von Lea Schulze