Marco Schulze rechts stellte die Pläne für den "Sportpark Ostheide" vor, die nicht alle Wendisch Everner begeistert haben. Foto: be

Sportpark Ostheide stößt auf Kritik

Wendisch Evern. Was eine Anwohnerin aus dem Klostergut Willerding von den Stadionplänen des Lüneburger SK Hansa vor ihrer Haustür hält, zeigte sie dem Vereinspräsidenten Sebastian Becker auf drastische Weise. "Das liest sich alles wie schon beschlossen", meinte sie und knallte dem LSK-Chef einen Ausdruck der Homepage seines Vereins auf den Tisch. "LSK möchte Sportpark zwischen Lüneburg und Wendisch Evern bauen", hieß es in dem betreffenden Artikel. Doch auf einer Bürgerversammlung in der Wendisch Everner Mehrzweckhalle waren vor allem skeptische bis ablehnende Stimmen zu hören.

Der Fußball-Regionalligist möchte auf einem sechs Hektar großen Areal direkt an der Ostumgehung, Abfahrt Kaltenmoor, auf Wendisch Everner Gebiet, einen "Sportpark Ostheide" errichten. Herzstück der Pläne ist ein kleines Stadion mit einem zweistöckigen Tribünengebäude und Platz für rund 1500 Sitzplätze. Außerdem sollen zwei Trainingsplätze entstehen.
Zwei Stunden dauerten Präsentation des Projekts und Diskussion. Viele der gut 60 Bürgerinnen und Bürger äußerten dabei Bedenken, fürchten um ihre Ruhe und um den dörflichen Charakter ihres Heimatorts, erwarten deutlich mehr Verkehr an den Spielwochenenden.

Anonyme Schreiben und Vorwürfe

Gudrun Teickner, Vorsitzende des Bau-, Wege- und Umweltausschusses, dachte bereits laut über eine Bürgerbefragung nach. Andere Mitglieder des Gemeinderats betonten, dass dieses Projekt nur fraktionsübergreifend beschlossen und aus dem anstehenden Kommunal-Wahlkampf herausgenommen werden sollte. Anonyme Schreiben machen angeblich die Runde in Wendisch Evern. Teile der Einwohnerschaft reagierten sehr erbost darauf, von den Stadionplänen aus der Zeitung erfahren zu haben – dem kleinen Ort vor den Toren Lüneburg könnten unruhige Zeiten bevorstehen.

Dabei gaben sich die Vereinsvertreter alle Mühe, die Vorteile des Projektes herauszustreichen. "Es soll keine Anlage sein, vor der wir ein Vorhängeschloss hängen. Es soll eine offene Anlage werden", betonte Becker. Der SV Wendisch Evern könne auf den Plätzen ebenso trainieren wie die beiden Herren-Mannschaften des LSK. Auch Bogenschützen oder Sommerbiathleten könnten im Sportpark Turniere und Meisterschaften austragen.

Diskussionen um Licht und Lärm

Projektleiter Marco Schulze strich insbesondere mit Blick auf das angrenzende Gut Willerding heraus, dass seiner Meinung nach weder nennenswerte Licht- noch Lärmimmissionen zu befürchten sind. "Das LED-Flutlicht ist ganz anders als Anlagen vor 20 Jahren, als man die halbe Nachbarschaft ausgeleuchtet hat", meinte Schulze. "Und der Lärm von der Ostumgehung wird durch den Wall, den wir planen, sogar reduziert."

Der LSK Hansa hatte neben Schauspieler Gerry Hungbauer auch seinen Teamchef Rainer Zobel mitgebracht, der vehement für ein Stadion als "Visitenkarte der Region" warb. "Lüneburg war mal eine Sportstadt und ist auf einem guten Weg, wieder eine zu werden. Ich bin jetzt 72. Wenn das Stadion bis zu meinem 75. Geburtstag zu realisieren wäre, würde ich mich sehr freuen." Seine Erinnerungen an Spiele vor 6000 Zuschauern im alten Wilschenbrucher Stadion provozierten aber prompt einen Konter aus der Zuhörerschaft: "Ich glaube Ihnen einfach nicht, dass Sie in Wendisch Evern auf Dauer mit 750 Zuschauern zufrieden sein werden." Großer Beifall – und andere Bürger gaben ihrer Furcht Ausdruck, dass dieses Stadion lediglich "ein Dosenöffner für ein größeres Gewerbegebiet" sei und der "Anfang vom Ende für unser Dorf".

"Noch ist es nur eine Idee"

Becker gab sich große Mühe, diese Bedenken zu zerstreuen. "Die Anlage kann nur gebaut werden, wenn sämtliche Grenzwerte eingehalten werden", betonte der LSK-Präsident. Und: "Es ist ein offenes Verfahren. Noch ist es nur eine Idee. Wir wollen versuchen, ob sie realisierbar ist." Wendisch Everns Bürgermeister Clemens Leder, Samtgemeinde-Bürgermeister Norbert Meyer und Kreisrätin Sigrid Vossers versicherten wiederholt, dass sie die Pläne wohlwollend begleiten wollen, aber noch gar nichts entschieden sei.

Nun geht es auf mehreren Ebenen weiter. "Ein Stadion dieser Art ist ein ganz wichtiger Part der Regionalplanung. Eine solche Anlage gehört einfach nach Lüneburg, die kann man nicht in die Ferne packen", unterstrich Sigrid Vossers. Der LSK müsste für Gutachten sicher eine Summe in sechsstelliger Höhe in die Hand nehmen, weiß Becker. Doch vor allem gibt es in Wendisch Evern wohl noch viel Diskussionsbedarf. "Wir leben Gottseidank in einer Demokratie", sagte Zobel, "und in einer Demokratie entscheiden Mehrheiten." Um die Mehrheiten für einen Sportpark Ostheide muss der LSK sicher noch weiter kämpfen.

Von Andreas Safft