„Ohne staatliche Hilfe wird es auch dieses Mal nicht gehen“, sagt Marco Steiner vom Tattoo-Studio Red Corner. Foto: t&w

Schließungen: Verunsichert, fassungslos und zweifelnd

Lüneburg. Die einen sind verunsichert, die anderen sitzen im Wartestand. Während Physiotherapeuten in Stadt und Landkreis verunsicherte Patienten darüber aufklären, dass es in ihren Praxen ab Montag regulär weitergeht, ist in der Lüneburger Heide noch warten angesagt. Bis Donnerstagabend war für die beiden Geschäftsführer des Wildparks Lüneburger Heide, Norbert und Alexander Tietz, noch unklar, ob Tierparks und Zoos tatsächlich in der neuen Verordnung des Landes zur Zwangsschließung angehalten werden.

Physiotherapeutenpraxen bleiben geöffnet

Lena-Rabea Geib von der Aden-Praxis in Adendorf sagt, die Praxis dürfe geöffnet bleiben. „Alle Behandlungen, die mit einem Rezept ärztlich verordnet wurden, dürfen durchgeführt werden. Wir sind hauptsächlich eine Praxis für Physiotherapie, deshalb sind wir nicht von der angeordneten Schließung betroffen und können auch weiterhin Hausbesuche machen“, sagt Lena-Rabea Geib.

Die Physiotherapiepraxen in Stadt und Landkreis Lüneburg bleiben geöffnet, stellt Iris Prinke-Gosch, Inhaberin einer Praxis in Lüneburg, für ihren Berufsstand klar. „Den ganzen Vormittag über hatte ich schon Anrufe von verunsicherten Kunden, aber wir sind vom Lockdown nicht betroffen, sondern zählen zur Notversorgung und sind deshalb weiterhin für unsere Kunden da.“

Kletterwald Scharnebeck muss schließen

Schließen muss der Kletterwald in Scharnebeck. „Zum Glück sind wir schon in der Nachsaison, deshalb ist die Entscheidung für uns nicht ganz dramatisch“, sagt Inhaberin Liane Schmidt. Rund zehn Reservierungen für die kommenden Tage müsse sie nun absagen. Die Verluste nach dem ersten Lockdown im Frühjahr konnte der Kletterwald über die Sommermonate einigermaßen wett machen. „Es war voll bei uns, weil die Leute in der Region Urlaub gemacht haben“, berichtet sie. Die Zwangsschließungen wegen der Corona-Pandemie bringen sie und ihren Mitinhaber wirtschaftlich nicht in Bedrängnis. „Unsere Existenz ist nicht bedroht. Wir kommen mit einem blauen Auge davon.“

Dieses Fazit zieht auch Norbert Tietz für den Wildpark Lüneburger Heide und den dazugehörigen Baumwipfelpfad „Heide Himmel“ in Nindorf nach sieben Monaten Pandemie. Ob die nächste Zwangsschließung ab Montag folgt, das weiß er noch nicht. „Wir befinden uns in Wartestellung. Die Details der neuen Verordnung kennen wir noch nicht“, sagt Geschäftsführer Tietz. Sollte die Schließung kommen, würde sie in einen Monat fallen, in dem die Besucherfrequenz ohnehin nicht ganz so stark ist.

„Die Herbstferien sind vorbei, die Urlauber wieder zu Hause. Der Lockdown im Frühjahr war heftig für uns.“ Doch glücklicherweise sei mit der Wiedereröffnung im Mai eine gute Sommersaison gestartet: für Wildpark und „Heide Himmel“. „Es ging flott wieder los und blieb dann auch so bis nach den Herbstferien. Die Leute hatten Nachholbedarf.“

Tattoo-Studios: nichts geht ohne staatliche Hilfe

Mit Galgenhumor nimmt Marco Steiner die in diesem Jahr bereits zweite Schließung seines Tattoo-Studios Red Corner in Lüneburg wegen der Corona-Pandemie. „Hurra, endlich wieder Urlaub“, sagt er und fügt aber ernst hinzu: „Wir haben im Mai 2019 mit unserem Betrieb begonnen und müssen jetzt schon die zweite Zwangsschließung unseres Studios nach anderthalb Jahren verkraften. Das ist heftig.“ Die staatliche Hilfe beim Lockdown im Frühjahr habe geholfen, die Betriebskosten zu bezahlen. „Ohne staatliche Hilfe wird es auch dieses Mal nicht gehen“, meint er.

Gerade erst habe er sich mit seinem Betrieb berappelt, das Minus vom Frühjahr einigermaßen aufgefangen. „Und jetzt droht das Weihnachtsgeschäft wegzubrechen“, sagt Steiner. Zumal darüber hinaus erfahrungsgemäß die Leute sich lieber in der kalten Jahreszeit tätowieren ließen. Deshalb hofft er, dass die Wiedereröffnung in vier Wochen auch tatsächlich möglich ist.

Im Übrigen hadert er mit der Entscheidung, Tattoo-Studios zu schließen, obgleich er die Notwendigkeit sieht, das Virus einzudämmen. Dennoch: „Wohl nirgends woanders gibt es so hohe Hygienestandards, die funktionieren. Alleine schon, und das unabhängig von Corona, aus Eigeninteresse, um sich und andere nicht bei der Arbeit zu infizieren“, betont er.

Erwartet wird eine Prüfung nach 14 Tagen

Fassungslos ist Jeanette Wegner vom Alcedo in Adendorf. „Die Frage ist, mit welchem Maß misst man bei Entscheidungen über Schließungen?“, fragt die Mitarbeiterin des Fitnessstudios, das ab Montag geschlossen ist. „Wir haben alles richtig gemacht mit unserem Hygienekon-zept, haben dafür viel investiert. Es gab bei uns noch nie eine Corona-Infektion“, sagt sie.

Jeanette Wegner fordert, dass die Schließung nicht länger als zwei Wochen dauern dürfe. Sie erwartet nach 14 Tagen eine Überprüfung der jetzt beschlossenen Maßnahmen. „Um dann zu prüfen, ob es nicht bessere Konzepte zur Eindämmung des Coronavirus gibt.“

Von Stefan Bohlmann