Marc Blancke
Das Wyndberg-Hotel von Marc Blancke hat erst seit vier Monaten geöffnet. Der Lockdown trifft den Unternehmer, der auch das „Anno 1433“ betreibt, hart. Foto: t&w

Hoteliers zum Lockdown: „Das ist natürlich eine Katastrophe“

Lüneburg. Die Verschärfung der Corona-Regeln – sie treffen auch die Hotels ein zweites Mal in diesem Jahr hart. „Wir sind ein Betrieb, der überwiegend touristisch Reisende beherbergt, deswegen werden wir am Montag für den Rest des Monats schließen“, berichtet Klaus Peter Müller, Generaldirektor des Castanea Resorts in Adendorf. „Es kommen so wenige Geschäftsreisende zu uns, dass es sich wirtschaftlich nicht lohnen würde, den Betrieb für sie aufrechtzuerhalten.“

Im Castanea sollen nun kleine Renovierungsarbeiten ausgeführt werden, die bei laufendem Betrieb nicht möglich wären. Die meisten der 75 Mitarbeiter werden in Kurzarbeit geschickt und bleiben zuhause. „Die vergangenen Monate liefen bei uns ausgesprochen gut“, sagt Müller. „Viele Menschen, die normalerweise zum Golfspielen nach Mallorca oder Portugal gefahren wären, kamen zu uns, deswegen sind wir gut aufgestellt, über den November werden wir uns retten können.“ Dennoch sei es für das Haus wichtig, dass die finanziellen Zusagen von Finanzminister Olaf Scholz greifen. „Die laufenden Kosten bleiben ja.“

In Hotelbetrieben besteht geringes Infektionsrisiko

Müller zeigt sich optimistisch: „Wir gehen erst einmal davon aus, ab dem 1. Dezember wieder regulär öffnen zu können und hoffen außerdem, dass der Golfsport von den Beschränkungen nicht betroffen ist.“ Ob Müller die Maßnahmen für angemessen hält, lässt er offen. „Das vermag ich nicht zu beurteilen, ich bin Hotelier, kein Politiker und kein Virologe. Was ich jedoch weiß, ist, dass in einem Hotelbetrieb wie dem unseren, in dem so sorgfältig auf alles geachtet wird, das geringste Risiko besteht, sich anzustecken. Mir ist jedenfalls kein Fall bekannt.“

„Wer sich jetzt keine Sorgen macht, der muss einen Goldesel im Keller stehen haben“, sagt Marc Blancke, der in Lüneburg das Hotel „Anno 1433“, das Altstadt Gästehaus und das Wyndberg Hotel mit insgesamt 47 Gästezimmern und einem Restaurant betreibt. „Das Wynd-berg hat erst vor vier Monaten eröffnet, gerade für so ein junges Haus sind die neuen Verordnungen natürlich eine Katas-trophe. Das Gästehaus in der Altstadt wird er ab Montag schließen, die anderen beiden Häuser vorerst offenhalten.

„Dann lasse ich erstmal alles auf mich zukommen und schaue, ob sich der Aufwand lohnt. Auch viele Geschäftsreisen werden jetzt ja sicher abgesagt, das kennen wir ja schon aus dem Frühjahr.“ Ein Haus wird auf jeden Fall geöffnet bleiben. „Die paar Leute, die noch kommen, sollen ja nicht im Auto übernachten müssen, ein paar von uns müssen die Fahne hochhalten.“

August und September waren ausgebucht

Im Monaten August und September seien seine Häuser so gut gebucht gewesen, als gebe es Corona nicht. „Aber nach den zehn Wochen, die wir schon zumachen mussten und dem, was jetzt kommt, ist klar, dass ich in den roten Zahlen bleiben werde.“ Blancke hat rund 40 Mitarbeiter, für die meisten von ihnen meldet er jetzt Kurzarbeit an. Er kann nachvollziehen, dass es nicht weitergehen kann wie bisher, dennoch hält er die Maßnahmen nicht für verhältnismäßig. „Erst kürzlich hieß es in einer Pressekonferenz des Robert-Koch-Instituts, dass sich nur 0,5 Prozent der gemeldeten Fälle in Hotels oder Restaurants angesteckt haben. Dass es uns jetzt trotzdem wieder so hart trifft, ist bitter.“

Kerstin und Thomas Brakel, die das Hotel Bremer Hof in Lüneburg betreiben, wollten eigentlich selbst gerade in den Urlaub fahren, der fällt nun ins Wasser. Wie sie mit der neuen Situation umgehen wollen, weiß das Ehepaar noch nicht, sie haben jedoch Verständnis für die geplanten Maßnahmen. „Die Leute sollen nicht mehr durch die Gegend fahren, das leuchtet ein. Dass ich persönlich davon nicht begeistert bin, ist natürlich auch klar“, sagt Thomas Brakel.

Hoffnung, mit blauem Auge davon zu kommen

In seinem Haus wird erstmal auf Sicht gefahren, auch ob die etwa 20 Mitarbeiter wieder in Kurzarbeit gehen müssen, wird sich noch zeigen: „Nächste Woche haben wir noch einige Reservierungen von Geschäftsreisenden. Aber natürlich haben wir mit zwei oder drei Gästen mehr Aufwand als Einnahmen.“

Auch der Bremer Hof konnte sich in den Sommermonaten ein kleines Polster aufbauen. „In der Situation im Augenblick fühle ich mich besser als noch im Frühjahr. Ich hoffe, dass wir mit einem blauen Auge davon kommen werden,“ sagt Brakel. „Es wurde so viel vor der zweiten Welle gewarnt im Sommer, als sich für uns schon wieder alles gut anfühlte. Dass sie jetzt so schnell und heftig kommt, finde ich schon sehr erschreckend.“

Von Lea Schulze