Yun Huang ist neu in Lüneburg und bei den Roten Rosen. Die 28-Jährige ist ab nächsten Dienstag als Ellen zu sehen. Im LZ-Gespräch gibt sie auch Persönliches preis: „Ich spiele Gitarre, singe sehr gerne und mache Gaga, einen israelischen Tanz.“ Foto: Michael Behns

Rote Rosen: Das Arbeitspensum hat Yun Huang überrascht

Lüneburg. Es deutet sich Ärger an in der WG von David und Simon. Die neue Mitbewohnerin Ellen ist so ganz anders als Simon. Beide sind wie Feuer und Wasser, da ist Reibung programmiert. Dass sie überhaupt zusammen wohnen, liegt daran, dass sie auch voneinander profitieren. Simon braucht Hilfe im BWL-Studium, Überfliegerin Ellen soll ihm am besten gleich seine Hausarbeit schreiben. Dafür bietet er Ellen, die dringend eine Bleibe sucht, ein Zimmer in seiner Wohngemeinschaft an. Ein unmoralisches Angebot, auf das Ellen letztlich eingeht.

Ellen ist ein weiteres neues Gesicht bei den Roten Rosen. Die Tochter von Jens Reichard (Martin Luding), dem Leichtbauingenieur, wird gespielt von Yun Huang. Über ihre Rollenfigur sagt die 28-Jährige: „Sie will überall die Beste sein, das ist ihr wichtig. Und wenn sie es mal nicht ist, dann gibt sie erst recht 120 Prozent.“ Darum gerät sie auch mit ihrem Kommilitonen Simon (Thore Lüthje) aneinander, dessen Arbeitseinstellung so gar nicht zu ihrem Fleiß und Ehrgeiz passt. „Beide sind diametrale Persönlichkeiten. Er ist das genaue Gegenteil von dem, woran sie glaubt.“

Schon Freundschaften am Set geschlossen

Ellen wirkt auf andere unnahbar, ihr Auftreten vermittelt den Eindruck einer verschlossenen jungen Frau, vor deren spitzer Zunge man sich allerdings in Acht nehmen muss. Einen guten Draht hat sie aber zu Monas Tochter Sara (Antonia Jungwirth): „Beide sind quasi BFF, also best friends forever“, verrät Yun Huang. Da trifft es sich gut, dass sich nicht nur die Rollenfiguren, sondern auch die beiden Schauspielerinnen auf Anhieb richtig gut verstanden haben, wie beide im LZ-Gespräch versichern.

Das erleichtere den Start im neuen Arbeitsumfeld, der Yun Huang schon wegen seines Pensums beeindruckt hat. „Als ich das erste Mal den Drehplan gesehen habe, habe ich gedacht, ich spinne. 60 bis 80 Seiten pro Woche umfasst der Text allein für meine Szenen. Das war schon krass und hat extrem gestresst. Da schiebt man erstmal Panik. Sonst sind es 90 bis 120 Seiten für einen ganzen Film, und dafür hat man zwei Monate. Auch die erfahreneren Kollegen sagen einem, dass sie das so noch nirgendwo anders erlebt haben. Aber ich muss auch sagen: Ich bin jetzt die fünfte Woche hier, und man gewöhnt sich relativ schnell daran. Man wird sehr schnell sehr effektiv und fühlt sich wie ein Leistungssportler.“

Coole Cafés und nettes Schwätzchen im Bio-Laden

Dass sie inzwischen angekommen ist in Lüneburg, daran hätten auch die „vielen super netten Menschen“ am Set und der „respektvolle, wertschätzende Umgangston“ bei der Arbeit großen Anteil. Aber auch das eine oder andere nette Café, das sie im unmittelbaren Umfeld ihrer Wohnung an der Heiligengeiststraße bereits für sich entdeckt hat, denn: „Guter Kaffee ist für mich sehr wichtig.“ Die Stadt empfindet sie als „sehr cool und sehr entspannt. Wenn ich das zweite Mal in ein Café komme, wird man wie eine alte Bekannte begrüßt. So erging es mir auch mit der Frau im Bio-Laden neulich, wir haben gleich ein längeres Schwätzchen gehalten.“

Auch ihre Rolle in der ARD-Serie hat die junge Frau schnell lieb gewonnen, sie mag vor allem, dass „Ellen nicht übersexualisiert ist, sondern sehr selbstständig und gleichberechtigt“ daherkommt. „Ich mag solche Figuren, weil ich auch lieber Lebensweisen darstelle, die ich selbst für richtig erachte“, verrät sie.

Yun Huang lebte in China, Japan, der Schweiz, Israel und Deutschland

Der Weg in den Schauspielberuf schien für sie vorgezeichnet. „Ich habe schon als Kind sehr viel performt, zum Beispiel Puppentheater vorgespielt.“ In China geboren, kam Yun Huang im Alter von sechs Jahren nach Deutschland, lebte unter anderem in Aachen, Stuttgart und Berlin, aber auch in Japan, der Schweiz und in Israel. Nach der Schule schlug sie einen akademischen Weg ein, studierte Architektur. Als sie nach nur einem Jahr abbrach, sich für die Schauspielerei entschied, seien ihre Eltern anfangs schon enttäuscht gewesen, räumt sie ein.

Doch das sollte sich ändern, längst blicken sie auch mit Stolz auf ihre Tochter, wenn sie zum Beispiel, wie im März, im Berliner Tatort zu sehen ist. Zuvor hatte sie schon im Münchner Tatort mitgewirkt, der im Dezember 2018 mehr als neun Millionen Zuschauer vor die Bildschirme lockte. Auch bei SOKO Leipzig und in einigen Kinofilmen wirkte sie mit.

Nun also die Rosen. Und da lockt neben den Reibereien mit Simon noch eine Romanze. Denn Ellen verguckt sich in David, den anderen WG-Mitbewohner. Ob daraus was wird, können die Fernsehzuschauer ab kommenden Dienstag, 3. November, im Ersten miterleben.

Von Alexander Hempelmann