Emilia Sulowski hat ständig neue Ideen. In ihrer Freizeit schweißt sie aus alten Hufeisen Tierfiguren für den Garten. Foto: Michael Behns

Handwerk liegt ihr im Blut

Wriedel. Der Zoo platzt bald aus allen Nähten. Eine Giraffe, ein Pferd, eine Monster-Schnecke: Emilia Sulowski hat sie alle zusammengeschweißt – Eisen an Eisen, Skulptur für Skulptur. Hier und da auch ein Kleeblatt zur Deko der Hausfassade, eine Feuerschale oder ein Haufen Weinflaschenhalter. „Das kommt dabei heraus, wenn Emilia Langeweile hat“, sagt ihr Vater Matthias. Das kommt dabei heraus, wenn der Job mehr ist als nur eine Arbeit – sondern Leidenschaft. Emilia Sulowski wurde jüngst von der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg als Landesbeste bei den Konstruktionsmechanikern ausgezeichnet.

Das Handwerk liege seiner Tochter im Blut, erklärt der stolze Vater. Der ist als Metallbauer und Hufschmied selbst täglich mit dem Schweißgerät im Einsatz. Mit gerade mal zwölf Jahren, als andere noch Kastanienfiguren gebastelt haben, hat Emilia aus Muttern und Schrauben in der heimischen Werkstatt erste Skulpturen geschweißt. „Ein Bekannter aus dem Metallbau sagte damals schon: Sie schweißt besser als unsere Azubis im dritten Lehrjahr“, erinnert sich ihr Vater.

Während der offenbar wenig verwundert ist über die Auszeichnung seiner Tochter, kann Emilia selbst ihren Erfolg noch gar nicht richtig fassen. Zumal nicht jeder ihr das Geschick im Umgang mit Metall und Stahl auf Anhieb zugetraut habe. Der Beruf ist noch immer von Männern dominiert – zwölf seien es allein in ihrem Azubi-Jahrgang bei der Firma Rheinmetall in Unterlüß gewesen. „Da kamen anfangs schon kritische Blicke – nicht von allen, aber von einigen“, erinnert sich die 21-Jährige. „Da musste ich erst zeigen, was ich kann.“ Und das war damals schon eine Menge.

Ein Stipendium hat sie auch schon in der Tasche

Erste Lektion: Stahl ist nicht gleich Stahl. In der Ausbildung hat Emilia Sulowski gelernt, die unterschiedlichen Sorten den entsprechenden Schweißverfahren zuzuordnen. „Sonst produziert man Schrott.“ Auch fräsen, drehen, feilen und sägen beherrscht sie nach verkürzten drei Lehrjahren aus dem Effeff. Klar, da hat man es nicht selten mit tonnenschweren Materialien zu tun. „Aber dafür gibt’s ja Kräne und Gabelstapler“, erklärt die junge Frau aus Wriedel. Nur, wenn die schweren Gasflaschen der Schweißgeräte ausgetauscht werden müssten, lasse sie lieber männliche Muskelkraft walten. Sie zuckt mit den Schultern und lacht: „Da steh‘ ich drüber.“

Inzwischen hat Emilia Sulowski ein Maschinenbau- und Produktionsstudium in Hamburg begonnen. Sie will dem Handwerk treu bleiben, ihr Know-how vielleicht eines Tages wieder in der Produktion von Rheinmetall einbringen. Ein Stipendium für die Zusatzausbildung zur Schweißfachingenieurin jedenfalls habe sie bereits in der Tasche. Das, so sieht es ihr Plan vor, kommt nach dem Studium.

Für den Reitsport bliebe ihr gerade keine Zeit

Wenn sie nicht gerade in einer Online-Vorlesung steckt, ist Emilia Sulowski derzeit mit ihrem Vater in den Reitställen der Region anzutreffen. Dort lernt sie, wie man Pferde beschlägt. Die Ausbildung zur Hufschmiedin sei ihr Ausgleich. Für den Reitsport bliebe ihr gerade keine Zeit, „aber ich mag Pferde – vor allem diese Ruhe, die sie ausstrahlen.“

Wobei nicht jedes Pferd die Ruhe behält, wenn es an seine Hufe geht. „Ich kämpfe genauso mit den Pferden wie mein Papa“, verrät sie. Kraft sei da aber nicht von Vorteil, wohl aber ein wenig weibliches Einfühlungsvermögen. „Manchen Tieren sind Frauen einfach lieber. Da stehen sie plötzlich ruhig.“ Muskelkater nach getaner Arbeit bleibt dennoch nicht aus.

Der hält Emilia Sulowski aber nicht davon ab, weiter an der Vergrößerung ihres Privatzoos zu feilen. Sie will die gebrauchten Hufeisen aus der Schrottkiste kramen und daraus einen fliegenden Drachen schweißen. „Das wäre ein Traum, aber dafür brauche ich Zeit“, sagt sie. „Und definitiv noch mehr Eisen.“

Von Anna Petersen