Führerschein
Nur wenige Autofahrer machen es wie Wilhelm Othmar: Im Sommer vor drei Jahren hat der heute 93-Jährige Autoschlüssel und Führerschein freiwillig abgegeben. (Foto: Archiv/t&w)

Tausche Führerschein gegen Busticket

Lüneburg. Wie können ältere Menschen dazu bewegt werden, ihren Führerschein abzugeben? Diese Frage trägt die SPD jetzt in den Lüneburger Kreistag. Dabei greifen die Sozialdemokraten eine Initiative der Bundespolitik auf und setzen nicht auf Verbote, sondern wollen Anreize schaffen: So sollen Ältere, die ihren Führerschein freiwillig abgeben, Busse und Bahnen kostenlos nutzen dürfen – zumindest für einen gewissen Zeitraum. Ein entsprechender Antrag der SPD wurde im Ausschuss für Ordnungsangelegenheiten des Kreistags beraten.

Wer das Alter von 70 Jahren überschreitet und sich dennoch hinter das Steuer setzt, wird im Verkehr zunehmend zu einer Gefahr für sich und andere. Diesen Schluss legen Unfallstatistiken und Studien nahe. Demnach ist das Unfallrisiko der über 75-Jährigen fast doppelt so hoch wie das in der Altersgruppe der 30- bis 60-Jährigen. Oft wird deshalb gefordert, gesetzlich vorzuschreiben, wann Bürger ihren Führerschein abzugeben haben, ihnen quasi verboten wird, Auto zu fahren. Doch diesen Weg hält die SPD-Kreistagsfraktion um ihren Vorsitzenden Franz-Josef Kamp für falsch: „Bislang kommt es so gut wie gar nicht vor, dass Menschen den Führerschein freiwillig abgeben. Das wollen wir ändern, ohne die Freiwilligkeit aufzugeben.“

Zahlen des Landkreises belegen, dass Handlungsbedarf besteht: Zwischen 2016 und 2019 ist bei 1153 Führerscheininhabern die Kraftfahreignung – wie es im Verwaltungsdeutsch heißt – überprüft worden. Anlass waren in 340 Fällen Krankheiten oder Auffälligkeiten im Fahrverhalten, die augenscheinlich im Zusammenhang mit dem Alter des Führerscheininhabers standen. Das sind rund ein Viertel der Fälle. Am Ende ist in 359 Fällen der Führerschein eingezogen worden, weitere 372 Führerscheininhaber haben freiwillig auf ihre Erlaubnis verzichtet. In der Vorlage der Verwaltung zu der heutigen Sitzung heißt es dazu: „Der freiwillige Verzicht erfolgt in der Regel, wenn im Rahmen der eingeleiteten Überprüfung abzusehen ist, dass die Fahrerlaubnis ... zu entziehen sein wird.“ Und weiter: „Ein freiwilliger Verzicht auf die Fahrerlaubnis, ohne dass seitens der Führerscheinstelle bereits Maßnahmen zur Überprüfung eingeleitet wurden, ist in der Vergangenheit eher die Ausnahme gewesen.“

Vor diesem Hintergrund schlägt die SPD vor, „den freiwilligen Verzicht mit einem kostenlosen Ticket des Hamburger Verkehrsbundes (HVV) zu belohnen“, sagt Fraktionschef Kamp. Von ihrer ursprünglichen Idee, älteren Menschen ein lebenslanges, kostenloses Nutzungsrecht einzuräumen, ist die SPD aus Kostengründen wieder abgerückt. „Auch gibt es keinerlei Erfahrungen, ob die HVV-Karten am Ende überhaupt genutzt werden“, erklärt Kamp. Deshalb schlagen die Sozialdemokraten die kostenlose Nutzung des HVV im Landkreis Lüneburg für die Dauer von sechs Monaten vor. Für jeden älteren Menschen, der das Angebot in Anspruch nimmt, entstünden damit Kosten von 432,60 Euro auf der Grundlage einer Senioren-Abokarte für sechs Tarifzonen, die 72,10 Euro pro Monat kostet. „Nach einem Jahr wollen wir überprüfen, ob und wie das Angebot angenommen wird und ob wir nachbessern müssen“, sagt Kamp.

Von Malte Lühr