Lehrer Corona
Wie erleben Lehrkräfte ihren Beruf in Zeiten von Corona? (Foto: Adobe Stock)

Lehrer – ein Beruf mit Risiko

Lüneburg. Unterricht in Zeiten von Corona – das ist Schule unter besonderen Bedingungen. Zwar soll flächendeckendes Homeschooling diesmal möglichst vermieden werden, die allermeisten Schülerinnen und Schüler dürfen in Stadt und Landkreis Lüneburg derzeit noch in die Schule kommen, an den weiterführenden Schulen allerdings gilt nun Maskenpflicht. Damit der Regelbetrieb funktioniert, hat jede Schule ein eigenes Hygienekonzept, die Umsetzung verlangt allen Beteiligten viel ab. Auch die Lehrerinnen und Lehrer müssen die Situation seit Monaten mittragen, obwohl manch einer sich um die eigene Gesundheit sorgt. Die LZ hat sich umgehört: Wie erleben Lehrkräfte ihren Beruf in Zeiten von Corona?

Das gesamte Kollegium stehe hinter den Vorschriften

„Das hängt wohl vor allem von der Schulform ab“, vermutet der Lüneburger Jan Gerlach, der in einem Gymnasium in Uelzen unterrichtet. Er selbst habe bisher fast ausschließlich gute Erfahrungen gemacht, jedoch auch Gegenteiliges von Kollegen aus dem Landkreis Lüneburg gehört. „Ich bin ehrlich: Wir haben eine pflegeleichte Schülerschaft. Bei uns tragen die Schülerinnen und Schüler alle Regeln im Großen und Ganzen mit. Natürlich gibt es einige, die sich, aus welchen Gründen auch immer, dagegen stellen. Aber das sind Einzelfälle.“ Gerlach erklärt sich dies vor allem damit, dass auch das gesamte Kollegium hinter den Vorschriften stehe. Da der Personalrat frühzeitig in die Entscheidungen mit einbezogen wurde, fühle sich niemand übergangen. „Das merken auch die Schüler, und es fällt ihnen leichter, sich daran zu halten“, ist er sich sicher.

Ähnlich erlebt es eine Lüneburgerin, die an einem Gymnasium im Kreis Harburg unterrichtet: „Ich sehe im Gebäude nur Schüler mit Maske, Verstöße gibt es, wenn überhaupt, nur sehr selten.“ Dass die Schüler so kooperativ sind, führt sie darauf zurück, dass die Wertschätzung der Schule „seit dem Lockdown um etwa 200 Prozent gestiegen“ sei.

Dass es an anderen Schulen zu mehr Problemen mit den Maßnahmen gekommen ist, davon hat Gerlach gehört. „Nicht alle haben den Personalrat mit ins Boot geholt, außerdem hatten manche Schulen räumliche Engpässe oder eben auch stärkere Probleme mit den Schülern“, erzählt er. „Und das führt zu Frustration.“ Nicht jeder Lehrer könne wohl derzeit ausnahmslos Positives berichten.

„Man muss ja ständig aufpassen, dass nicht jemand aus dem geöffneten Fenster fällt. Die kleinen kommen ja manchmal auf die tollsten Ideen.“ – Eine Lehrerin über das Lüften in Klassen mit jüngeren Schülern

Schließlich könne auch nicht geleugnet werden, dass die Pandemie die Lehrer vor einige Herausforderungen stellt. „Das mit dem Lüften ist gerade bei jüngeren Kindern eine echte Zusatzbelastung. Man muss ja ständig aufpassen, dass nicht jemand aus dem geöffneten Fenster fällt. Die Kleinen kommen ja manchmal auf die tollsten Ideen“, sagt die Lüneburger Lehrerin ironisch.

Auch Gerlach erzählt, dass einige seiner Kollegen nicht zuletzt durch das sich zuspitzende Infektionsgeschehen verunsichert sind. „Natürlich ist die Sorge vor einer Ansteckung bei einigen Kollegen da“, räumt Gerlach ein. Vor allem Lehrer, die selbst zur Risikogruppe zählen, hätten ein mulmiges Gefühl bei der Arbeit. „Zwar wird dem durch entsprechende Vorkehrungen wie Plexiglasscheiben entgegen gewirkt, aber für diese Personen wäre das Szenario B eindeutig von Vorteil.“

Denn in dem Modell kommt immer nur die Hälfte der Schüler in die Klassenräume, die anderen lernen von zuhause aus. „Viele Lehrer, mit denen ich gesprochen habe, fänden das Modell im Moment angenehmer und würden es für sich persönlich bevorzugen. Aber allen ist klar, dass es für die Schüler schlechter ist. Deshalb versuchen wir, das trotzdem so lange wie möglich hinaus zu zögern.“

Bei Fremdsprachen ist die Maske ein Hindernis

Die Maskenpflicht für Schüler im Unterricht – das beobachtet gerade die Lüneburger Lehrerin mit Sorge: „Dann ist der Fremdsprachenunterricht tot“, verdeutlicht sie. „Die Kommunikation funktioniert nicht mehr, die Mimik fällt weg. Das mag in anderen Fächern noch funktionieren, bei Fremdsprachen sehe ich da keine Möglichkeit. Dann doch lieber geteilte Klassen.“

Von Lilly von Consbruch