Designer Outlet Soltau
Das Factory Outlet Center in Soltau soll sich von derzeit 9900 Quadratmetern Verkaufsfläche auf rund 15000 Quadratmeter vergrößern dürfen (Foto: privat)

Wunsch nach mehr Fläche

Lüneburg/Soltau. Das Verfahren zur möglichen Erweiterung des Hersteller-Direktverkaufszentrums in Soltau geht trotz Corona-Einschränkungen weiter, das kündigte jetzt die federführende Behörde in Lüneburg mit. Anstelle einer Präsenzveranstaltung will das Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) das notwendige Raumordnungsverfahren nun schriftlich sowie Ende November mit Hilfe von Telefon- und Videokonferenzen vorbereiten. Anlass sind die Pläne der Stadt Soltau, dem „Designer Outlet Soltau (DOS)“ der Mutschler-Gruppe mehr Platz zu gewähren: Das Schnäppchenparadies in der Heide soll sich von derzeit 9900 Quadratmetern Verkaufsfläche auf 15.000 Quadratmeter vergrößern dürfen. Widerstand aus der Stadt Lüneburg ist programmiert.

Bereits als es vor mehr als zwölf Jahren um die erste Planung des Direktverkaufszentrums bei Soltau ging, fürchteten Vertreter des Lüneburger Einzelhandels die Abwanderung zahlungsfreudiger Kundschaft in die Heide. Um unter anderem die Konkurrenz auf der Grünen Wiese im Zaum zu halten, wurde auch die heutige Verkaufsfläche des DOS sogar im Raumordnungsprogramm des Landes eingemeißelt. Entsprechend wird nun ein Zielabweichungsverfahren von den Verantwortlichen angestrengt und ein neues Raumordnungsverfahren soll vorher prüfen, „ob die geplante Erweiterung raumverträglich ist“, sagt Landesbeauftragte Monika Scherf, Leiterin des ArL.

„Wir müssen uns alle zusammen anstrengen, um die Struktur, die Vielfalt und das Leben in unseren Innenstädten zu erhalten.“ – Ulrich Mädge, Lüneburger Oberbürgermeister

Scherf weiter: „Eine wichtige Rolle spielt dabei die Frage, wie sich die Erweiterung des DOS auf die Region – und hier insbesondere die umliegenden Innenstädte – auswirkt.“ Dazu gibt es in der Stadt Lüneburg bereits eine klare Meinung. Stadtsprecherin Suzanne Moenck sagt: „Die Hansestadt Lüneburg steht der geplanten Erweiterung des Designer Outlet Soltau seit jeher kritisch gegenüber.“ Und Oberbürgermeister Ulrich Mädge erklärt: „Ich verstehe nicht, wie man auf die Idee kommen kann, gerade jetzt so ein Verfahren weiterzuführen anstatt es auszusetzen. Die Schwerpunktsetzung des Landwirtschaftsministeriums muss mir mal jemand erklären.“ Und: „Unsere Innenstädte stecken im Überlebenskampf. Wir müssen uns alle zusammen anstrengen, um die Struktur, die Vielfalt und das Leben in unseren Innenstädten zu erhalten.“ Anderenfalls komme es zu „einem massiven Kulturwandel, den niemand wollen kann“.

Mädge lehnt "Designer Outlet Soltau" ab

Seine ablehnende Haltung wird Mädge sicherlich bei dem nun wieder anlaufenden Verfahren einbringen. Zunächst findet zum Auftakt eine Telefon- und Videokonferenz am 23. November statt. Sie ersetzt die Präsenzveranstaltung, die ursprünglich im Frühjahr geplant war, wegen Corona-Einschränkungen aber ausfiel. Bei der kommenden Online-Konferenz berät das ArL Lüneburg mit der Stadt Soltau sowie weiteren Behörden, Verbänden und Institutionen Inhalte und Ablauf des Raumordnungsverfahrens. Harald Kätker vom ArL sagt: „Zunächst wird erörtert, ob beziehungsweise warum das Raumordnungsverfahren erforderlich ist. Dann wird beraten, welchen Umfang das Verfahren hat, welche Unterlagen hierfür erforderlich sind und wie der Ablauf sein wird.“

Zudem erhalten die berührten Stellen Gelegenheit, sich schriftlich zum vorgeschlagenen Untersuchungsrahmen zu äußern, heißt es. Das Raumordnungsverfahren wird im Jahr 2021 starten und soll im gleichen Jahr auch abgeschlossen werden. Sollte laut ArL-Mitteilung die DOS-Erweiterung als raumverträglich eingestuft werden, schließt sich als weiterer Verfahrensschritt ein Zielabweichungsverfahren an. Im Fall eines positiven Abweichungsbescheids folgt dann das Bauleitplanverfahren der Stadt Soltau.

Die Unterlagen zur geplanten DOS-Erweiterung sind auf der Webseite des ArL einsehbar unter www.arl-lg.niedersachsen.de/rov-dos. Wer online shoppen will und auch noch den lokalen Handel stärken möchte, wird fündig unter www.shop-lueneburg.de

Hintergrund

Verkaufsfläche wurde begrenzt

Das „Designer Outlet Soltau“ wurde 2012 am Standort Soltau, Ortsteil Harber, eröffnet. Die raumordnungsrechtliche Grundlage hierfür schuf die Landesregierung mit dem Landes-Raumordnungsprogramm (LROP) 2008. Dieses eröffnete die Option, in der Urlaubsregion Lüneburger Heide ein neues Hersteller-Direktverkaufszentrum zu errichten – mit dem Ziel, den Tourismus in der Region zu stärken, heißt es in einer Erklärung des Amtes für regionale Landesentwicklung. Gleichzeitig legte das LROP 2008 eine maximale Verkaufsfläche von 10 000 Quadratetern fest.

Von Dennis Thomas