Mit Bus und Bahn zum Arbeitsplatz zu pendeln, wird angesichts von immer mehr Homeoffice-Tagen zunehmend zur Kostenfrage.
Mit Bus und Bahn zum Arbeitsplatz zu pendeln, wird angesichts von immer mehr Homeoffice-Tagen zunehmend zur Kostenfrage. (Foto: A/t&w)

Corona-Folge: Kündigungswelle beim HVV

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Immer mehr Kunden kündigen im Zuge der Corona-Krise ihre Zeitkarten-Abos im Hamburger Verkehrsverbund (HVV). Vor allem Berufspendler auch aus Lüneburg verzichten wegen Homeoffice auf das kostengünstigere Angebot im ÖPNV, das sich irgendwann doch nicht mehr rechnet.

Lüneburg/Hamburg. Massiver Einbruch bei den Abozahlen des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV): Allein im Zeitraum März bis August diesen Jahres kündigten insgesamt 76 780 Kunden ihre Zeitkarten-Abos für den öffentlichen Nahverkehr, das bestätigt HVV-Sprecher Rainer Vohl auf LZ-Nachfrage. Allein ein Drittel der Kündigungen dürfte im Zusammenhang mit der Corona-Krise stehen. Schließlich sitzen wegen Homeoffice immer mehr Berufspendler zu Hause. Im Vorjahreszeitraum lag die Zahl der Kündigungen noch rund 21 000 niedriger. Und angesichts des aktuellen Lockdowns dürften wieder mehr Pendler prüfen, ob sich ein Abo weiterhin lohnt. HVV-Sprecher Vohl hat für Lüneburg eine Beispielrechnung aufgemacht.

Was kostet das Pendeln zwischen Lüneburg und Hamburg?

Besonders Tausende Berufspendler von Lüneburg nach Hamburg müssen nachrechnen, ab wann sich noch die Abokarte lohnt, um mit Bus und Bahn zum Arbeitsplatz zu gelangen. HVV-Sprecher Vohl meint: „Ein HVV-Abo lohnt sich durchaus auch dann, wenn man nicht mehr täglich zur Arbeit pendelt.“ Lüneburg liegt im Tarifgefüge der Zonen A (Hamburger Innenstadt) bis H (Bad Bevensen) in der Zone E.

Vohl macht folgendes Rechenbeispiel auf: Ein Vollzeit-Abo Hamburg A-E kostet 182,20 Euro im Monat. Bei angenommenen elf statt 21 Bürotagen würden ohne Abo monatliche Fahrtkosten von 196 Euro entstehen (22 mal neun Euro für das Einzelticket, bei Fahrtbeginn morgens vor 9 Uhr). Vohl: „Fährt man zusätzlich ab und zu am Wochenende in die Stadt oder ins Grüne, vergrößere sich der Preisvorteil des Abos weiter."

Vor allem Autobesitzer sollten nachrechnen

Dabei sei noch nicht berücksichtigt, dass das Abo am Wochenende zur kostenlosen Mitnahme von einer Person und bis zu drei Kindern berechtigt. Zudem verfügten bei insgesamt derzeit rund 800 000 Abokunden zirka 200 000 über das zusätzlich vom Arbeitgeber bezuschusste „Profiticket“. Wer aber auf der anderen Seite alternativ ein Auto zur Verfügung hat, dürfte angesichts der aktuellen Benzinpreise auch bei elf Bürotagen stark ins Grübeln kommen.

Bei einem angenommenen Spritpreis SuperE10 von 1,20 Euro pro Liter und einer einfachen Fahrtstrecke zur Arbeit von 60 Kilometern und einem Durchschnittsverbrauch von sieben Litern, liefen bei elfmaligem Pendeln hin und zurück im Monat Spritkosten in Höhe von 118,80 Euro auf. Oder andersherum gerechnet: Erst bei mehr als 18 Bürotagen wäre nach dieser Rechengrundlage das reguläre HVV-Abo günstiger als die reinen Spritkosten – Verschleiß- und sonstige Betriebskosten am Auto nicht mitgerechnet.

Setzt man für das Auto tägliche Abnutzungskosten von sechs Euro für 120 Kilometer an, wären das in Summe 16,08 Euro pro Pendlertag. Das normale HVV-Abo A-E wäre dann erst ab zwölf Präsenztagen im Büro günstiger – rund 15,18 Euro pro Tag. Auf der anderen kann man im eigenen Auto zu anderen Pendlern besser den Abstand halten... So steht zu befürchten, dass im Zuge des Lockdowns und wieder vermehrtem Homeoffice weitere Abo-Kündigungen beim HVV eingehen werden.

Verbund hält weiter an Preiserhöhung fest

Und trotz der schon bisher negativen Entwicklung will der HVV, zu dessen Tarifgebiet auch der gesamte Landkreis Lüneburg gehört, an der zuletzt angekündigten Preiserhöhung ab Januar 2021 festhalten. Laut Sprecher Vohl stellt die durchschnittliche Preiserhöhung um 1,4 Prozent aber „nur einen Inflationsausgleich dar“. Die tatsächlichen Kostensteigerungen der Verkehrsunternehmen im HVV liegen deutlich höher, insbesondere im Personalbereich, heißt es.

Vohl weiter: „Die Fahrgäste werden nur zu einem kleinen Teil an der Kostenentwicklung beteiligt, der Rest wird aus zusätzlichen Steuermitteln bestritten.“ So würde hingegen eine Senkung der Fahrpreise zu einer enormen zusätzlichen Belastung der öffentlichen Haushalte führen, sagt Vohl. Bislang zahlt der Landkreis Lüneburg nach eigenen Angaben jährlich rund 180 000 Euro als Ausgleich an den HVV.

Von Dennis Thomas

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