Nahverkehr Lüneburg
Der Lüneburger Kreistag will das Thema Nahverkehr noch einmal anpacken. Geprüft werden soll auch die Gründung einer kreiseigenen Busgesellschaft. (Foto: t&w)

Nachbessern beim Lüneburger Nahverkehr

Den großen Coup wollte der Lüneburger Kreistag vor knapp einem Jahr mit der Einführung des komplett überarbeiteten Nahverkehrsplans landen. Erfüllt hat sich dieser Wunsch nicht. Deshalb wollen die Abgeordneten jetzt nachbessern, schließen auch die Gründung einer kreiseigenen Busgesellschaft nicht aus. Denn im Kreuzfeuer der Kritik steht auch das private Busunternehmen KVG, das den Nahverkehrsplan für den Kreis umsetzt.



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Den großen Coup wollte der Lüneburger Kreistag vor knapp einem Jahr mit der Einführung des komplett überarbeiteten Nahverkehrsplans landen. Erfüllt hat sich dieser Wunsch nicht. Deshalb wollen die Abgeordneten jetzt nachbessern, schließen auch die Gründung einer kreiseigenen Busgesellschaft nicht aus. Denn im Kreuzfeuer der Kritik steht auch das private Busunternehmen KVG, das den Nahverkehrsplan für den Kreis umsetzt.

Lüneburg. Große Ziele gesetzt hatte sich der Lüneburger Kreistag vor rund drei Jahren für die Überarbeitung des Nahverkehrsplans für den Landkreis. Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) sollte moderner und spürbar besser werden. Geplant war laut SPD-Fraktionschef Franz-Josef Kamp der große Coup. „Die Menschen sollten freiwillig ihr Auto stehen lassen“, sagte der Sozialdemokrat bei der jüngsten Kreistagssitzung. Knapp ein Jahr ist der neue Nahverkehrsplan nun inkraft – das Ergebnis ernüchternd: „Was uns vier Millionen Euro pro Jahr zusätzlich wert war, ist am Ende eine platzende Seifenblase“, sagte Kamp.

Auch andere Parteien gaben sich selbstkritisch: „Der größte Fehler des Kreistags war, den Betrieb des ÖPNV ohne Ausschreibung an die KVG zu geben. Das müssen wir uns eingestehen“, sagte Detlev Schulz-Hendel (Grüne). In die Kritik geraten ist die Stader Kraftverkehr Gesellschaft, weil sie vielen Abgeordneten nicht innovativ genug ist. Mit Kamps Worten: „Wir haben das Gefühl zu stagnieren, während in Kreisen um uns herum viel passiert.“ Zunehmend kämen dort innovative Techniken zum Einsatz.

Alles kommt auf den Prüfstand

Verstärkt hat dieses Gefühl die nicht öffentliche Sondersitzung des Kreisausschusses Anfang Oktober, zu der auch die KVG-Spitze eingeladen war. Die Antworten der Unternehmenslenker konnten die Ausschussmitglieder offenbar nicht überzeugen. Als Folge hat der Kreistag nun einstimmig die Vorlage „Zukunft des ÖPNV im Landkreis Lüneburg“ beschlossen. Die Kernpunkte beschrieb Wilhelm Kastens (CDU) so: „Wir wollen das bestehende Konzept optimieren und von der Verwaltung die Gründung einer eigenen Busgesellschaft prüfen lassen.“

Wie stark der Wunsch nachzubessern im Kreistag ist, zeigt die Vorlage. Sie greift sämtliche Anträge der Fraktionen und alle Verwaltungsvorlagen der vergangenen Monate auf und legt folgende Schritte für das weitere Vorgehen fest: Nach der Einführung der Rufbusse in allen Kommunen des Landkreises soll der bestehende Nahverkehrsplan überprüft und bewertet werden – speziell Taktfrequenzen, Betriebszeiten und Fahrgastzahlen. Schon jetzt ist die Verwaltung beauftragt, rechtlich und betriebswirtschaftlich zu prüfen, „welche Modelle mit welchen Vertragskonstruktionen am besten geeignet sind, moderne, nachhaltige Mobilität zukünftig umzusetzen“.

ÖPNV nur ein Baustein auf dem Weg zu mehr Klimaschutz

Gleichzeitig soll das Integrierte Mobilitätskonzept als Grundlage des Nahverkehrsplan weiterentwickelt werden. Dabei ist der ÖPNV nur ein Baustein auf dem Weg zu mehr Klimaschutz durch weniger Verkehr. Neben der Qualität der Busse und klimaneutrale Antriebe geht es auch um Verbesserungen im Bereich des Radverkehrs und alternative Angebote wie Carsharing. Um eine externe Beratung bei der Überprüfung des Nahverkehrsplans und der Weiterentwicklung des Konzeptes sicherzustellen, hat der Kreistag mit dem zweiten Nachtragshaushalt für 2020 einen Posten von 200 000 Euro verabschiedet, um entsprechende Aufträge vergeben zu können.

Bereits bis Mai 2021 soll die Kreisverwaltung ein Konzept für eine Elektrobus-Linie auf dem Lüneburger Innenstadtring prüfen. Auch das System zum Einsatz von Rufbussen vor allem im ländlichen Raum soll weiterentwickelt werden. Unterm Strich bewertet Schulz-Hendel die Initiative des Kreistags so: „Bei aller Selbstkritik ist es gut, dass die fraktionsübergreifenden, konstruktiven Gespräche zu diesem Ergebnis geführt haben.“ Für den Grünen gilt es, „jetzt mutig neue Wege zu gehen“. Dies bedeute auch, nicht nur nachfrageorientiert zu agieren, „sondern Angebote zu schaffen, ohne zu wissen, ob sie angenommen werden“.

Von Malte

[]/lz+