Sonntag , 27. September 2020
Stefanie Blase (l.) und Annette Hoffmann haben es sich vor dem ehemaligen Bowling-Center gemütlich gemacht. Foto: us

Picknick zum Abriss

Lüneburg. Das wollten sich Annette Hoffmann und Stefanie Blase dann doch nicht entgehen lassen. „Wir wollen Abschied nehmen“, sagten die beiden und machten es sich auf ihren Campingstühlen bequem. Am Montagvormittag waren sie in die Barckhausenstraße gekommen, um den Beginn der Abrissarbeiten am ehemaligen Bowling-Center nicht zu verpassen – und verbanden ihr Kommen gleich mit einem Picknick.

„Wir haben hier über viele Jahre oft mit Freunden gebowlt und viele schöne Stunden zusammen gehabt“, berichtet Annette Hoffmann. Besonders der 40. Geburtstag eines der Ehemänner ist der Reppenstedterin in Erinnerung geblieben, „deshalb stimmt es auch ein wenig traurig, wenn das Gebäude jetzt abgerissen wird“.

Dem kann Stefanie Blase zwar zustimmen, sie sagt aber auch: „Es ist schön, dass dieses hässliche Gebäude endlich wegkommt.“ Der an die Stelle der 1976 abgerissenen MTV-Turnhalle errichtete Zweckbau hatte schon zu Beginn viel Empörung bei Lüneburgern hervorgerufen, viele sahen in ihm einen Schandfleck, noch dazu an diesem hervorgehobenen Platz in der Stadt.

Karotten, Käsewürfeln und Bohnensalat

„Die obere Ecke ist schon angeknabbert“, bemerkt Annette Hoffmann, nachdem der mächtige Abrissbagger die ersten Brocken aus dem hinteren Teil des Gebäudes herausgelöst hatte. Daraufhin rückten sie ihre Stühle noch ein wenig zurecht, um das Schauspiel bei mitgebrachten Karotten, Käsewürfeln und Bohnensalat zu genießen.

Schon am Donnerstag waren sie an die Lindenstraße gekommen, „wir hatten von den geplanten Abrissarbeiten in der LZ gelesen, aber da passierte noch nichts“. Ob sie auch an den kommenden Tagen das Geschehen weiter vor Ort mitverfolgen, ließen sie offen: „Unser Urlaub dauert ja leider nicht ewig.“

Eines bedrückt die Bowlerinnen dann aber doch: „Bowlen kann man in Lüneburg jetzt leider gar nicht mehr, nur noch kegeln.“

Sperrungen gelten von 7 bis 17 Uhr

Wegen der laufenden Abrissarbeiten, die laut Stadtverwaltung voraussichtlich noch bis Ende August dauern, müssen Fußgänger und Radfahrer mit Einschränkungen rechnen. Damit der Abbruch sicher vonstatten gehen kann, sind für die Arbeiten jeweils die Geh- und Radwege um den Gebäudekomplex gesperrt, also zwischen der Volgerstraße bis um die Ecke Linden-/Barckhausenstraße. Auch die Überwege für Fußgänger und Radfahrer vom Handwerkerplatz in Richtung Barckhausenstraße bzw. von dort in Richtung Lindenstraße sind abgesperrt. Die Sperrungen gelten aber lediglich an Arbeitstagen in der Zeit von 7 bis 17 Uhr.

Fußgänger und Radfahrer werden deshalb gebeten, auf die andere Straßenseite per Ampelanlagen zu wechseln. Wer aus Richtung SaLü / Lindenstraße kommt, kann auch über die Volgerstraße ausweichen, empfiehlt die Stadtverwaltung. Diese Routen gelten für Fußgänger, Radfahrer sind gebeten abzusteigen und es den Fußgängern gleichzutun.

Auch wurde ein provisorischer Fußgängerüberweg in der Barckhausenstraße auf Höhe der Haltestelle Rotes Tor eingerichtet. Autofahrer sollten dort auch die Halteverbote beachten. Das dort ebenfalls errichtete Gerüst dient der Versorgung der Baustelle mit Wasser zur Verringerung der Staubbildung.

Von Ulf Stüwe

Mehr dazu:

Montag legen die Bagger los

Bald knabbert der Bagger

Neuer Bogen mit vier Geschossen

„Ein Stück Stadtreparatur“

Ärgerlicher Schatten

Der hässliche Klotz verschwindet

Neues Eingangstor zum Roten Feld

Wohnungen statt Bowling

Bowling-Center soll Neubau weichen

Bowlingbahn schließt

Neue Chance für den Handwerkerplatz