Donnerstag , 24. September 2020
Die Arbeiten am Böhmsholzer Weg in Heiligenthal schreiten voran. Weil es hier deutlich teurer geworden ist, wird die weitere Projektliste jetzt gekürzt. Foto: uk

Rat macht Rückzieher bei Dorfentwicklung

Südergellersen/Heiligenthal. Das Projekt war dem Arbeitskreis Dorfentwicklung in Heiligenthal von Beginn an ein wichtiges Anliegen. Die Geschwindigkeit, mit der Fahrzeuge in das Dorf hineinfahren, sollte gesenkt werden. Daher enthält die Projektliste für 2020 auch den Bau von zwei Fahrbahnverschwenkungen auf der Hauptstraße jeweils an den Ortseingängen.

Die wichtigste Hürde hatten diese schon genommen. Der Antrag für insgesamt sieben Teil-Projekte und damit Fördermittel aus dem Dorfentwicklungsprogramm in Höhe von 53 Prozent der Baukosten war bewilligt worden. Dennoch macht die Gemeinde jetzt einen Rückzieher. Sie streicht eine der beiden Verschwenkungen ersatzlos von der Liste.

Viele Maßnahmen vor Umsetzung

Während der jüngsten Ratssitzung im Gemeindehaus Südergellersen gab Carsten Janssen vom Planungsbüro Patt zunächst einen Überblick über die Maßnahmen, die im laufenden Jahr noch umgesetzt werden sollen.

Die Ortsmitte am Asylbewerberheim soll mit Sitzmöbeln, Bäumen, Pflanzbeeten und einer Hecke gestalterisch aufgewertet werden. Das Ehrenmal für die Weltkriegs-Gefallenen wird mit Pflanzen, Infotafel und Sitzbank ansprechender gemacht. Am Pavillon soll ein neuer Außenbereich mit Radständern und Sitzgelegenheiten entstehen. Und entlang der Hauptstraße werden mehrere Bäume gepflanzt sowie die Einmündungen der Straßen mit rotem Pflaster versehen.

Verschwenkung vor Wassermühle gestrichen

Teuerste Bausteine in dem 430.000 Euro umfassenden Paket sind die beiden Fahrbahnverschwenkungen am Ortseingang aus Richtung Kirchgellersen und aus Richtung Rettmer kurz vor der Wassermühle.

Da die Gemeinde sparen wolle, sei der Vorschlag entstanden, auf letztere zu verzichten, was die Gesamtkosten auf 360.000 Euro senken würde, erklärte Janssen. Er fügte an: „Insgesamt ist das trotzdem ein toller Antrag. Am Ende hat der Arbeitskreis Dorferneuerung damit den Großteil seiner Wünsche und Ideen auch durchgebracht.“

Hintergrund sind auch die deutlich gestiegenen Kosten bei der Umgestaltung des Böhmsholzer Weges, die bereits von 530.000 auf 640.000 Euro geklettert sind. „Ich möchte hier jetzt nicht noch mehr investieren“, machte Bürgermeisterin Annette Kammeier (CDU) ihre Position deutlich.

„Damit geben wir 53 Prozent Fördermittel einfach weg“

Auf die Verschwenkung aus Richtung Rettmer könne man verzichten, weil Verkehrsmessungen hier keine überhöhten Geschwindigkeiten aufgezeigt hätten. „Außerdem will die Wassermühle auf der Höhe einen neuen Parkplatz einrichten, da würde man sich in die Quere kommen.“ Malte Fuhrberg (Grüne) sah das anders: Die Fördermittel seien ja bereits bewilligt. „So eine Chance kommt nie wieder. Damit geben wir 53 Prozent Fördermittel einfach weg.“

Darauf gab Gemeindedirektor Jens Lübberstedt (CDU) zurück: „Wenn du uns das Geld gibst, dann machen wir es auch.“ Die Gemeinde könne sich das Projekt schlicht nicht leisten.

Auch Daniel Weber (FDP) fand: „Die Zeiten werden schließlich nicht besser.“ Und Barbara von Düring (CDU) meinte: „Wir verschenken gar keine Fördermittel, denn der Gemeindeanteil für die Dorfentwicklung bleibt ja insgesamt ungefähr gleich.“ Janssen warnte zudem davor, dass mehr drohe als der Verlust von Fördermitteln: „Wenn wir das ganze Paket schnüren und die Gemeinde das am Ende nicht finanzieren kann, dann würden uns Strafprozente berechnet.“

Mit zehn Ja-Stimmen sprach sich der Rat schließlich für das reduzierte Maßnahmenpaket aus, Malte Fuhrberg enthielt sich der Stimme.

Von Ute Klingberg-Strunk