Sie sind die neuen Stadtführer (vorne v.l.): Gertrud Krause-Traudes, Bärbel Heinemann, Wiebke Hertier, Geesche Rövekamp; (hinten v.l.): Roland Imhorst, Alfons Saure, Malte Weber, Lothar Arps, Florian Baier. Mit ihnen freuten sich Judith Peters (l.) von der Tourist-Info sowie Cornelia Siebert (2.v.l.), Verena Fiedler und Klaus Niclas, für die es Blumen von der Gruppe gab. Susanne Meyer fehlt. Foto: be

Lüneburgs neue Botschafter

Lüneburg. Weit mehr als 30 unterschiedliche Rundgänge und Erlebnisführungen bieten die Mitglieder des Vereins Lüneburger Stadtführer an, die für die Tourist-Inf ormation im Einsatz sind. Mit ihnen können Touristen und Bürger in die mehr als tausendjährige Geschichte der Salzstadt eintauchen und Erstaunliches über Leben und Bauhistorie erfahren.

Die Stadtführer sind in bester Art Botschafter unserer schönen Stadt. Und sie verfügen über profundes Wissen. Das eignen sie sich im Rahmen einer Ausbildung an. „Bestanden“ hieß es jetzt für zehn Neue, die das Team um den Vereinsvorstand Verena Fiedler, Klaus Niclas und Cornelia Siebert verstärken.

Mit den Insignien des neuen Amtes

Im Rathausgarten fand am Donnerstagabend eine kleine Feierstunde statt, bei der die erfolgreichen Absolventen des Ausbildungsgangs Halstücher und Fliegen in den Stadtfarben Rot, Blau, Weiß erhielten – sozusagen Insignien ihres neuen Amtes. Dazu gab es herzliche Worte für jeden Einzelnen, denn im Laufe der Ausbildung seien sehr persönliche Bande geknüpft worden, machten Verena Fiedler und Klaus Niclas deutlich.

Als der neue Vorstand Ende 2018 sein Amt antrat, sei schon klar gewesen, dass es in absehbarer Zeit Nachwuchs brauche. Denn einige Kollegen seien aus Altersgründen ausgeschieden, gleichzeitig sei die Nachfrage nach Stadtführungen gestiegen, berichtet Niclas. Es war klar, dass man Nachwuchs ausbilden musste.

Da 50 Bewerbungen vorlagen, „musste wir nicht nach außen aktiv werden“, sagt Verena Fiedler. Der Vorstand sichtete Bewerbungsschreiben, es gab Vorstellungsgespräche, ein Ausbildungsprogramm wurde geschnürt, und im Januar ging es anfänglich mit 14 Bewerberinnen und Bewerbern los. Sechs Monate, zweimal pro Woche Wissen aneignen, stand an. Doch dann der Lockdown.

Es war ungewiss, wie es weiter geht. Als es weiterging, war klar, dass manche Führungen, die von externen Experten gemacht werden sollten, ausfielen. Einiges davon fing der Vorstand auf. Anderes klappte. Mitarbeiter des Museum Lüneburg wie zum Beispiel Dr. Ulfert Tschirner, Prof. Dr. Edgar Ring, Ratsbücherei-Leiter Dr. Thomas Lux, Hilke Lamschus, Kuratorin vom Salzmuseum, sowie Wolfgang Koch, einst Pastor an Michaelis, entfalteten bei Führungen und in Referaten lebendig die Geschichte Lüneburgs unter bestimmten Schwerpunktthemen.

50 Fragen an die Kandidaten

Anfang vergangener Woche mussten dann die Prüflinge bei einem klassischen Rundgang ihr Wissen einbringen – Vorstand und Judith Peters, Leiterin der Tourist-Information, waren mit dem Ergebnis höchst zufrieden. Zuvor, und das geschah erstmalig in einem Ausbildungsgang, gab es eine schriftliche Prüfung mit 50 Fragen. Dafür habe man sich entschieden, weil sich dadurch der Wissensstand des Einzelnen ablesen lasse, „aber es ist auch für die Eigenüberprüfung sinnvoll“, sagt Verena Fiedler.

Strahlende Gesichter bei der Feierstunde im Rathausgarten, denn die Zehn freuen sich auf ihre neue Aufgabe. Ein Wunsch sei für sie in Erfüllung gegangen, sagt zum Beispiel Geesche Rövekamp. Die gebürtige Münsteranerin, Mutter von vier Kindern und pädagogische Mitarbeiterin, kam vor 20 Jahren nach Lüneburg und hat die Stadt schnell lieben gelernt. 2012 führte sie bereits Besucher durchs Salzmuseum. „Immer wenn ich Stadtführer gesehen habe, wuchs in mir der Wunsch, das auch zu machen – inklusive Ausbildung. Die ist nicht ohne, aber es hat sich gelohnt.“

Das findet auch Alfons Saure. Der Allgemeinmediziner, der viele Jahre eine Praxis in Lüneburg hatte, hatte sich immer vorgenommen: „Wenn ich mal aufhöre zu arbeiten, werde ich auch Stadtführer. Inzwischen arbeite ich als angestellter Arzt stundenreduziert. Dadurch ließ sich die Ausbildung gut machen.“ Er lobt die gute Begleitung durch Ausbilder und Referenten. Stück für Stück habe man sich dadurch Wissen über Historie und Leben in vergangenen Jahrhunderten in Lüneburg aneignen können, „und das können wir jetzt an Besucher weitergeben.“

Von Antje Schäfer