Sonntag , 20. September 2020
Die Lüneburger Agentur für Arbeit sieht ein Signal für eine „Entschleunigung der Talfahrt“. (Foto: be)

Anstieg der Arbeitslosenzahl verlangsamt sich

Lüneburg. Einen verhalten positiven Blick wirft die Agentur für Arbeit Lüneburg-Uelzen auf den Arbeitsmarkt im ablaufenden Monat Juli. Zwar kletterte die Zahl der Arbeitslosen im Agenturbezirk gegenüber Juni um 333 Personen auf 17 718, der Juni-Juli-Anstieg fiel mit 1,9 Prozent aber geringer aus als im Vorjahr mit 4,3 Prozent.

„Wir gehen davon aus, dass bereits in den vorherigen Monaten Personalfreisetzungen erfolgten, beispielsweise durch Auslaufen von befristeten Verträgen, die andernfalls erst im Sommer oder sogar gar nicht umgesetzt worden wären“, erläutert Agenturchefin Kerstin Kuechler-Kakoschke die aktuellen Zahlen.

Arbeitslosenquote im Juli 5,7 Prozent

Ein weiteres Signal für eine „Entschleunigung der Talfahrt“ sieht die Agentur in dem geringeren Zuwachs der Arbeitslosen im Juli gegenüber dem Vorjahresmonat. Waren im Juni noch 24 Prozent mehr Arbeitslose in der Statistik ausgewiesen als im Juni 2019, schrumpfte das Plus im aktuellen Monat auf 21,2 Prozent. Noch deutlicher zeigt sich diese Verringerung im Landkreis Lüneburg: Hier sank der Zuwachs von 24,4 Prozent im Juni auf 20,2 Prozent im Juli.

Welche Wirkung vor allem von der Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt ausgeht, zeigt auch die folgende Entwicklung. So erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen im Agenturbezirk im Vergleich zu Juli 2019 um 3095 Personen oder 21,2 Prozent – so viele, wie seit April 2014 nicht mehr. Damals waren es 17 790 Arbeitslose.

Die Arbeitslosenquote lag im Juli mit 5,7 Prozent um 0,1 Prozentpunkte über dem Vormonatsniveau. Für den Vorjahresmonat war eine Quote von 4,8 Prozent ausgewiesen worden. Im Landkreis Lüneburg beträgt die aktuelle Quote 6,4 Prozent.

Nicht nur Corona für den Anstieg verantwortlich

Allerdings macht die Agentur nicht nur Corona für den weiteren Anstieg verantwortlich. „Die für die Sommermonate typische Entwicklung, nämlich die steigenden Arbeitslosenzahlen durch das Ausbildungsende, war auch in diesem Jahr spürbar“, berichtet Kuechler-Kakoschke. So stieg die Jugendarbeitslosigkeit gegenüber Juni um 140 Personen (7,2 Prozent) auf 2080 arbeitslose junge Menschen unter 25 Jahren. Es werde aber mit einer Entspannung in den kommenden Monaten gerechnet. „Wir haben mehr als 4000 freie Stellen gemeldet, und Fachkräfte sind weiterhin gefragt.“

Eine rückläufige Entwicklung zeigt sich bei der Kurzarbeit. Für 752 Personen war im Agenturbezirk im Juli Kurzarbeit angemeldet worden, 368 weniger als im Juni. Im Landkreis Lüneburg hingegen stieg die Zahl von 369 Anmeldungen im Juni auf 431 im Juli. Höhepunkt der Kurzarbeit war der Monat April. Hier gab es 55 592 Anmeldungen im Agenturbezirk, davon 19 722 im Landkreis Lüneburg.

Von Ulf Stüwe