Donnerstag , 13. August 2020
Die 18-jährige Selma Murselji beginnt am 1. August ihre Ausbildung im Klinikum zur Pflegefachfrau. Foto: be

„Eine Wohltat, etwas zu leisten“

Lüneburg. Schon als vor Jahren die Sprache erstmals auf das Thema Berufswahl kam, war für Selma Murselji klar: Sie möchte Krankenschwester werden. Dieser Plan prägte ihre Schulzeit und jetzt ist sie im Alter von 18 Jahren am Ziel: Die Lüneburgerin ist eine von 24 Auszubildenden, die am Städtischen Klinikum am 1. August den Beruf der Pflegefachfrau bzw. des -manns erlernen. 24 weitere beginnen ihre Ausbildung dann am 1. Oktober.

Wenn Selma Murselji dann kommenden Montag zunächst mit einem achtwöchigen schulischen Block in ihr Berufsleben startet, ist sie keine Anfängerin mehr: Denn bereits seit einem Jahr hat die junge Frau ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in den Abteilungen des Krankenhauses absolviert und dabei eine Erfahrung machen können, die niemand vor ihr hatte: Wie es ist, wenn eine Klinik sich auf eine beispiellose Ausnahmesituation in Form der Corona-Pandemie vorbereitet. All diese Erfahrungen haben sie nochmals bestätigt: „Das ist meins, ich kann mir nichts anderes vorstellen“, sagt sie.

Debatte über systemrelevante Berufe

Nicht nur für Selma Murselji und die anderen 23 Azubis ist der Start in das Berufsleben eine Premiere – auch die Ausbildung selbst ist grundlegend verändert worden. Durch das neue Pflegeberufegesetz wurden drei verschiedene Ausbildungen zusammengelegt. Gab es bisher Krankenpflege, Kinderkrankenpflege sowie Altenpflege, so ist die Bezeichnung nunmehr für alle drei Zweige pauschal „Pflegefachfrau“ bzw. -mann. Und die jungen Nachwuchskräfte starten in einer Zeit, in der Covid-19 den Blick auf diesen Beruf grundlegend geändert und eine Debatte ausgelöst haben, welche Berufe wirklich systemrelevant in Deutschland sind.

Selma Murselji machte zunächst an der IGS Kaltenmoor ihren erweiterten Realschulabschluss, besuchte dann die einjährige Berufsfachschule Hauswirtschaft und Pflege an der BBS III und begann dann im September vergangenen Jahres mit 17 Jahren das FSJ im Städtischen Klinikum.

Im Januar begann das Auswahlverfahren

Zwei Schichten, früh und spät, seien zunächst eine Herausforderung gewesen, schildert die gebürtige Lüneburgerin. „Aber ich habe mich schnell daran gewöhnt und gemerkt, dass ich das schaffen kann.“ Die Grundpflege von Patienten, das richtige Positionieren der Erkrankten, Selma Murselji lernt schnell. „Und es war einfach eine Wohltat, abends nach Hause zu gehen und zu wissen, dass man etwas geleistet hat für Menschen“, sagt sie. In der Schulzeit habe sie auch mal ein Praktikum im Einzelhandel absolviert, „aber das war nichts für mich, da kann ich nicht helfen“.

Die junge Frau sieht sich in den ersten FSJ-Wochen ihrer neuen Aufgabe bestätigt in ihrem Berufswunsch, bewirbt sich umgehend für einen Ausbildungsplatz. Im Januar begann dann das Auswahlverfahren und auch hier kam ihr zugute, dass sie bereits praktische Erfahrungen vorweisen konnte. So war ein Teil des Tests Aufgaben aus einem Text zu beantworten, den man schon Stunden zuvor gelesen hatte. „Denn es macht unser Berufsbild aus, dass man Informationen zum Beispiel über einen Patienten bekommt, die man dann noch Stunden später abrufen muss“, erklärt Heike Seeger, die als Lehrkraft an der Schule für Pflegeberufe tätig ist.

Bedarf ist da – mehr denn je

Selma Murselji blüht auf in ihrer neuen Aufgabe, „für die Patienten da zu sein und ihre Dankbarkeit zu spüren, das ist einfach toll“, schwärmt sie. Auch wenn es oft körperlich hart ist und die neue Pflicht, einen Gesichtsschutz zu tragen, das Arbeiten und die Kommunikation mit den Patienten etwas schwieriger macht. Am meisten freut sie sich in der bevorstehenden Ausbildung darauf, „auf jeder Station etwas Neues zu lernen und selbstständig arbeiten zu dürfen“.

Nach anderthalb Jahren werden die Azubis dann auch in die Nachtdienste integriert. Und sie werden nach ihrer dreijährigen Ausbildung durch das neue Konzept weitaus breiter aufgestellt sein als die vorherigen Jahrgänge. Denn nach bestandenem Examen haben sie nicht nur eine neue Berufsbezeichnung, sondern können je nach Interesse in allen Bereichen der Pflege arbeiten. Und Bedarf ist da – mehr denn je.

Von Thomas Mitzlaff

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Externe Partner

Weil die Ausbildung für die Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege zu einem Berufsbild zusammengefasst wurden, gibt es künftig deutlich mehr externe Kooperationspartner für die beiden Pflegeschulen unter dem Dach der Gesundheitsholding Lüneburg. Insgesamt 16 ambulante Pflegedienste und Seniorenpflegeheime aus dem Stadt und Landkreis Lüneburg haben mit den Pflegeschulen einen Kooperationsvertrag als Ausbildungspartner geschlossen. Dazu kommen noch mehrere Krankenhäuser, unter anderem das Städtische Klinikum und die Psychiatrische Klinik.