Sonntag , 25. Oktober 2020
Der Immobilien-Boom ist auch in der Corona-Krise ungebrochen. Symbolfoto: Stock Adobe

Die neue Nord-Süd-Achse

Lüneburg. Das Gut Boden wird teurer. Genauer gesagt: noch teurer. Nicht nur, aber vor allem auch in Lüneburg. Die Hansestadt ist und bleibt extrem beliebt. Doch die neuen Zahlen belegen auch: Das Angebot hinkt der Nachfrage immer stärker hinterher. Junge Familien können hier in der Regel kein Grundstück oder eine Immobilie im mittleren Preissegment mehr kaufen, denn der Markt ist leergefegt. „Nur noch im hochpreisigen Segment gibt es noch ein nennenswertes Angebot“, sagt Peter Wesnigk. Er ist Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte in Lüneburg.

Der Ausschuss hat nun die Halbjahresbilanz vorgelegt. Und die belegt einmal mehr, dass der Immobilien-Boom auch in der Corona-Krise ungebrochen ist. Insgesamt stiegen die Preise für Wohnimmobilien im Landkreis Lüneburg im ersten Halbjahr um 3,6 Prozent. Ein weiteres Indiz für den Boom: die Anzahl der Verträge ging zwar um 6,1 Prozent zurück, doch der Geldumsatz stieg um 7,3 Prozent – von 268,1 auf 289,3 Millionen Euro. „Das ist eben der Markt“, sagt Wesnigk. Im Detail sieht er so aus:

  • Freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser verteuerten sich um 3,0 Prozent.
  • Doppelhaushälften/Reihenhäuser verteuerten sich um 4,8 Prozent.
  • Eigentumswohnungen verteuerten sich um 3,1 Prozent.

Die Halbjahresbilanz belegt aber auch eine „Wanderungsbewegung“. Hamburg ist extrem teuer, Lüneburg sehr teuer. Also weichen immer mehr Immobilien-Interessenten auf andere Regionen aus. Trendsetter ist Uelzen. In dem Landkreis stiegen die Preise um 4,8 Prozent, auf dem – ebenfalls fast leergefegten – Markt des Landkreises Harburg hingegen nur um 4,4 Prozent und im Landkreis Lüchow-Dannenberg um 3,6 Prozent. Die Zahl der Verträge nahm in Uelzen um mehr als 11 Prozent zu, der Geldumsatz stieg um 25,7 Prozent – von 93,1 auf 125,3 Millionen Euro. „Eine Vielzahl von Interessenten orientiert sich süd- und südöstlich Lüneburgs“, sagt Peter Wesnigk. Das hat mehrere Gründe: Die Corona-Krise hat Tausende Menschen ins Homeoffice gezwungen. Man hat gesehen, dass man auf den Weg zum Büro auch verzichten kann.

Das Kriterium, dass der Wohnort möglichst nahe an der Arbeitsstelle liegen muss, verliert also an Bedeutung. Wichtig ist aber auch die Infrastruktur: Immobilien-Interessenten achten auf eine gute Verkehrsanbindung – und planen langfristig. Uelzen punktet nicht nur mit der HVV-Anbindung, sondern irgendwann auch noch mit der Autobahn 39, die von Lüneburg nach Wolfsburg führen soll. Das alles sind Standortfaktoren, die die steigende Nachfrage auch im Landkreis Uelzen erklären, betont Wesnigk. Und die steigenden Preise. Freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser verteuerten sich um 4,9 Prozent, Doppelhaushälften/Reihenhäuser um 4,5 und Eigentumswohnungen um 5,0 Prozent.

Von Werner Kolbe

Zur Sache

Eine Frage der Bodenrichtwerte

Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte Lüneburg hat in seinem Halbjahresbericht die Konjunkturfaktoren berechnet – und damit die Preissteigerungen für die in Stadt und Landkreis verkauften Immobilien. Die für Hausbesitzer und Interessenten wichtigen Bodenrichtwerte werden am Jahresende abschließend berechnet und im Grundstücksmarktbericht 2020 Anfang 2021 veröffentlicht. Diese Richtwerte sind in Lüneburg noch aus anderer Sicht wichtig: In der Region gibt es überproportional viele Erbpachtgrundstücke. Werden Vertragsverlängerungen oder Neuverträge fällig, ist der Bodenrichtwert die entscheidende Größe für die künftige Höhe des Pachtzinses.