Sonntag , 25. Oktober 2020
Die ehemalige Umkleidekabine des MTV Amelinghausen hat einen neuen Eigentümer. Was er damit will, ist auch dem Bürgermeister ein Rätsel. Foto: t&w

Mit Asbest belastete Bauruine versteigert

Amelinghausen. Das kleine, verfallene Gebäude ist ein Zeugnis aus der Zeit als die 1. Herrenmannschaft des MTV Amelinghausen noch oben in der 1. Kreisliga mitspielte und sich der Jugendfußball etablierte. Das war Anfang der 1960er-Jahre. Die Fußballabteilung des MTV ist längst im FC Heidetal aufgegangen. Der damalige Sportplatz an der Lopau ist heute ein Biotop. Nur noch die alte Umkleidekabine steht noch am Rande des Campingplatzes Lopautal. Seit Jahren ist sie dem Verfall preisgegeben. Jetzt hat die Gemeinde Amelinghausen das kleine Häuschen inklusive Grundstück meistbietend verkauft. Über den Käufer wird Stillschweigen bewahrt. Die Nutzungsmöglichkeiten der Ruine sind begrenzt und mit Auflagen verbunden.

Das Gebäude mit einer Grundfläche von rund 130 Quadratmetern, wurde Anfang der 1960er-Jahre errichtet. MTV-Vorsitzender Rüdiger Carlberg sagt auf LZ-Nachfrage: „Die Umkleidekabine gab es schon, als ich als Siebenjähriger im Verein auf dem alten Sportplatz Fußball gespielt habe, und das ist immerhin auch schon 55 Jahre her.“ Damals hatten Mitglieder des MTV das Gebäude „vermutlich in Eigenleistung errichtet“, sagt Carlberg. Die Gemeinde hatte das Grundstück zur Verfügung gestellt. Gespielt wurde auf dem alten Sportplatz an der Lopau. Der wächst langsam zu. Und der aktuelle Samtgemeinde-Sportplatz ist rund 200 Meter Luftlinie entfernt.

Leerstehende Bruchbude

Der MTV hielt die Nutzungsrechte an der alten Umkleidekabine bis vor rund zehn Jahren. Später nutzte der FC Heidetal das Häuschen allenfalls nur noch sporadisch, dabei war das Bauwerk längst vom Vandalismus gezeichnet. Der langjährige Fußballjugendtrainer des MTV Amelinghausen, Helmut Petersen, erinnert sich: „An dem Gebäude ist bestimmt seit 20 Jahren nichts mehr gemacht worden.“ Umso erstaunlicher, dass die Gemeinde als Eigentümerin aus der leerstehenden Bruchbude jetzt doch noch ein wenig Kapital schlagen kann.

Versteigert wurde das Gebäude inklusive einer rund 454 Quadratmeter großen Grundstücksfläche. Mit dem Kauf übernimmt der neue Eigentümer die Verkehrssicherungspflicht und muss die Auflage erfüllen, das Gebäude entweder bis zum 30. Juni 2021 zu sanieren, „so dass keine Gefahr von dem Grundstück und Gebäude mehr ausgeht“, oder das Gebäude soll innerhalb der Frist „fachgerecht abgerissen und entsorgt“ werden, hieß es in der Verkaufsanzeige.

Neubau kommt kaum in Frage

Abgesehen davon, dass auf dem Grundstück Geh-, Fahr- und Leitungsrechte gesichert werden sollen, hat der Käufer noch ein anderes Problem: „zumindest das vorhandene Dach ist mit Asbest belastet“, heißt es. Trotz all dieser Einschränkungen hätten laut Gemeindebürgermeister Hartmut Schmidt eine Handvoll Interessenten ein Kaufangebot abgegeben. Den Zuschlag habe jüngst der Verwaltungsausschuss des Gemeinderates erteilt.

Erlöst hat die Kommune laut Bürgermeister Schmidt einen „niedrigen vierstelligen Betrag“. Was der Käufer, der gegenüber der LZ anonym bleiben wollte, mit Haus und Boden machen will, ist auch Schmidt ein Rätsel: „Man kann kaum etwas damit anfangen, aber der Käufer wollte es trotzdem unbedingt haben.“ Tatsächlich sind die Nutzungsmöglichkeiten auch sonst stark eingeschränkt. Ein Neubau kommt kaum in Frage: Für das Gelände existiert kein Bebauungsplan. Zudem befindet es sich im Außenbereich und das betreffende Areal ist im Flächennutzungsplan festgelegt als „Flächen zum Schutz, zur Pflege und Entwicklung von Natur und Landschaft“. Es bleibt also abzuwarten, was aus der ehemaligen Umkleidekabine des MTV Amelinghausen wird.

Von Dennis Thomas