Samstag , 26. September 2020
Museumsführer Dr. Bernd Thormann am Steuerrad. Foto: sel

In der Schatzkammer der Dampfschifffahrt

Lauenburg. Im Gewölbekeller des einstigen Rathauses ist die „Schatzkammer“ untergebracht, die nicht nur die Herzen von Technik-Fans höher schlagen lässt. Denn hier versteht auch der kaum Technik-affine Besucher des Lauenburger Elbschifffahrtsmuseums das Prinzip einer Dampfmaschine: vom heißen Wasserdampf über die Kolbenbewegungen bis hin zum Antrieb der Schiffsschraube. Und das Beste: Alle ausgestellten Motoren funktionieren einwandfrei und werden, mit Rums und Getöse, per Knopfdruck zum Laufen gebracht. Um sich bei dem Lärm Gehör zu verschaffen, muss die Schiffsglocke betätigt werden, auch ihr hört man ihr Alter nicht an. An unterschiedlichen Stationen erfahren die Besucher in der „Schatzkammer der Schiffsantriebe“, wie hart die Arbeit der Schiffsjungen war, die Kohle in den Dampfkessel schaufeln mussten, und dass immer fünf anstatt vier Schiffsschrauben von den Reedereien geordert wurden – eine Ersatzschraube war somit immer an Bord der Schiffe.

Auch in den oberirdischen Räumen gibt es eine Menge interaktiver Angebote, bewegliche Modelle, Film- und Toneinspielungen, die das Leben an und auf der Elbe in den vergangenen 1000 Jahren erlebbar machen. Vom Einbaum über Schlepper zu Frachtern waren die Menschen immer auf die Elbe als Wasser- und Handelsstraße angewiesen.

Die Kette lag auf dem Grund der Elbe

Die Arbeit auf den Schiffen waren Knochenjobs, wie etwa die Arbeit der Treidler, die die Kähne stromaufwärts ziehen mussten. „Das waren Truppen von rund zehn Treidlern, unter ihnen auch Frauen, die barfuß arbeiteten. Pferde hat man dafür nicht eingesetzt, die waren zu teuer“, erklärt Dr. Bernd Thormann bei der Führung durch das Haus. Und als dann die ersten motorisierten Schlepper zum Einsatz kamen, „bewarfen die Treidler diese mit Steinen, denn sie sahen ihre Arbeit und Existenz in Gefahr“.

1866 wurde der erste Kettenschlepper in Magdeburg hergestellt, die Idee dazu kam aus Frankreich: „Die Kette lag auf dem Grund der Elbe, der Schlepper verließ die Kette nie“, erläuterte Thormann in dem eigens ausgestatteten „Kettenraum“. Bis zu zehn Kähne konnte so ein Kettenschlepper schleppen. Zu den Hochzeiten waren zwischen Hamburg und Magdeburg über 30 dieser Kettenschlepper unterwegs – mit einer Kette von 700 Metern Länge. „Das wäre auch heute noch eine Möglichkeit angesichts des niedrigen Wasserstandes“, sinnierte der Experte. Auch die Flöße, auf denen etwa Elbsandsteine transportiert wurden, erreichten im Verbund eine enorme Länge: 600 bis 700 Meter. Ähnlich wie die Betreiber von Schiffsmühlen (nicht Wassermühlen) verdienten sich die Flößer quasi im Nebenerwerb einiges mit Fischfang dazu.

„Überall wurde kassiert“

Auch die große Politik lässt sich am Verlauf der Elbe sehr anschaulich sichtbar machen. Auf dem Wiener Kongress wurde 1815 zwar beschlossen, dass die Elbe von allen Hindernissen freigemacht werden sollte, um eine reibungslose Schifffahrt zu garantieren. Aber die politischen Mächte hatten vor allem ihre eigenen Staatskassen im Sinn. Durch vier Staaten schlängelte sich die Elbe – gespickt mit 35 Zoll- und 13 Mautstellen. An jeder dieser Stellen musste gestoppt, entladen, die Fracht notiert und wieder beladen werden. „Überall wurde kassiert“, so Thormann.

Das Museum neben der Maria-Magdalenen-Kirche steckt voller spannender und erstaunlicher Geschichten, lädt zum Mitmachen und Begreifen ein und begeistert Besucher jeden Alters. Seit dem 19. Juli werden wieder Führungen angeboten.

Weitere Infos und Öffnungszeiten unter: www.herzogtum-lauenburg/a-elbschifffahrtsmuseum.

Von Silke Elsermann