Sonntag , 25. Oktober 2020
Bleckedes Bürgermeister Dennis Neumann und Alt Garges Ortsvorsteherin Kirsten Klann eröffnen gemeinsam den neuen Bolzplatz in der Stiepelser Straße. Foto: ls

Ein Ort der Begegnung

Alt Garge. „Wollen wir mal einen corona-gerechten Halbkreis bilden?“, ruft Bleckedes Bürgermeister Dennis Neumann über die Wiese. Er freut sich, dass so viele Alt Garger gekommen sind, um bei der Einweihung des Bolzplatzes dabei zu sein – trotz des strömenden Regens. Mit dem Bolzplatz wollen die Alt Garger ein Zeichen setzen. Zwei Jahre ist es her, dass der Bleckeder Ortsteil durch Nazischmierereien für Aufmerksamkeit sorgte, LZ berichtete. „Ausländer raus“, hieß es da zum Beispiel am Bushäuschen und auf der Straße. Ortsvorsteherin Kirsten Klann war schockiert, setzte sich direkt mit dem Bürgermeister zusammen, um zu besprechen, was zu tun sei. Die Stadt Bleckede erstattete Anzeige gegen unbekannt, als Statement.

Viele Alt Garger waren empört, machten deutlich, dass im Dorf alle Menschen willkommen seien, unabhängig von Nationalität, Religion oder Hautfarbe. Und stellten sich die Frage, was man gegen Rassismus tun könne. Wichtig sei es zum Beispiel, Möglichkeiten zu schaffen, Jugendliche mit mehr Freizeitangeboten von den Straßen zu holen, herrschte im Dorf Einigkeit. Momentan gebe es keine Möglichkeiten für sie, Fußball zu spielen, kritisierten einige Jugendliche, und trafen damit einen Nerv.

Das Motto: Fußball verbindet

„Das ging doch flott“, witzelt Kirsten Klann am Dienstagmittag vor dem nagelneuen Tor und erntet Gelächter. Es musste ein Antrag gestellt, eine Baugenehmigung erteilt werden, doch jetzt ist es endlich soweit. „Schön, dass so viele Menschen dabei waren, als die Idee vor zwei Jahren entstand, schön, dass ihr heute alle da seid und, dass unser Bürgermeister Dennis Neumann unseren Einfall als Quereinsteiger so unterstützt hat.“

5000 Euro hat die Stadt Bleckede in die Hand genommen, um den Bolzplatz am Regenrückhaltebecken zu realisieren. Das Motto: Fußball verbindet. Wer wüsste das besser als der Ex-Kicker Dennis Neumann.

„Die unschönen rassistischen Schmierereien vor zwei Jahren gingen zurecht durch die Presse. Ich bin froh, dass wir hier heute ein Zeichen setzen, dass rechte Parolen bei uns keinen Platz haben.“ Ein Ort der Begegnung soll der Bolzplatz werden, wünscht sich Kirsten Klann. Für alle, niedrigschwellig und ohne Anmeldung.

„Eine Never Ending Story“

„Aber haltet Euch an die Regeln, ich gehe hier als Sheriff durchs Dorf und will keinen Müll finden“, ergänzt die Pädagogin mit einem Augenzwinkern.

„Es ist schön, dass die Kinder jetzt einen Platz außerhalb haben, an dem sie sich treffen können“, findet Johanna Gebara, die im Kinderdorf Alt Garge arbeitet und einige begeisterte Kicker im Schlepptau hat. Auch Ratsfrau Birgit Neumann ist froh, dass der Bolzplatz nun endlich bespielt werden kann. „Das war ja eine Never Ending Story.“ Neumann ist Mitglied des Sportausschusses im Kreistag, deshalb lag ihr das Projekt besonders am Herzen. Dass es Katzen und Hunde regnet ist Jung wie Alt egal und als sich Bürgermeister Dennis Neumann ins Tor stellt, lassen sich die Fußballnarren unter den Alt Gargern nicht lange bitten und legen los. Dass binnen weniger Minuten eine Brille zu Bruch geht, tut der guten Stimmung keinen Abbruch, auch nicht bei der Dame, die den Ball abbekommen hat. Kollateralschäden gebe es immer, winkt sie ab.

Von Lea Schulze