Freitag , 23. Oktober 2020
Der Eisbrecher „Bison“ hat bei Geesthacht die Schleuse und den Schleusenkanal freigehalten. Foto: tja

„Bison“ unter dem Hammer

Geesthacht. Wer schon immer davon geträumt hat, einen eigenen Eisbrecher zu besitzen – der hat jetzt die Gelegenheit, sich diesen Traum zu verwirklichen: Das Wa sserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Lauenburg trennt sich von seinem Eisbrecher „Bison“. Das im Geesthachter WSA-Hafen stationierte Spezialschiff wird auf der Onlineplattform der Verwertungsgesellschaft des Bundes (www.vebeg.de) angeboten und gegen Höchstgebot abgegeben. Bis 30. Juli können noch Gebote eingereicht werden.

Der „Bison“ und die anderen Spezialschiffe der Flotte sind vor allem für den Einsatz auf der Elbe, im Elbe-Lübeck-Kanal und im Elbe-Seitenkanal konzipiert. Der „Bison“ zeichnet sich durch seine guten Manövriereigenschaften vor allem für den Eisabfluss am Stauwehr Geesthacht aus. „Der ‚Bison‘ hat bei uns immer gute Dienste geleistet. Einen besseren Antrieb als im ‚Bison‘ konnten wir uns nicht wünschen“, berichtet Andreas Schultz, der Einsatzleiter der Eisbrecher-Flotte.

Instandhaltung war geplant

Ursprünglich hatte der Bund im Haushaltsplans 2019 eigentlich 670.000 Euro für die Instandsetzung des Eisbrechers aufgenommen. Der 1962 auf der Werft Schweers in Bardenfleth gebaute Kraftprotz sollte nach den bisherigen Plänen langfristig in Betrieb bleiben. Weil er aufgrund seiner guten Manövriereigenschaften im Kampf gegen Eisversetzungen an der Staustufe Geesthacht als wichtig galt, wollten die Verantwortlichen nicht auf den Eisbrecher verzichten. Geplant waren der Ersatz der Hauptmaschine, Korrosionsschutzarbeiten am Schiffskörper, den Aufbauten und im Maschinenraum. Außerdem sollten im Zuge der Instandsetzung die elektronischen Anlagen, die nautische Ausrüstung sowie die Schiffsbetriebsanlagen auf den neusten Stand gebracht werden. Von diesen Plänen hat man sich jetzt verabschiedet.

Der Schiffskörper des 23,50 Meter langen und 7,40 Meter breiten „Bison“ (Verdrängung: 186 Tonnen) hat einen extra verstärkten Stahlrumpf, damit Eis dem Schiff nichts anhaben kann. Im Eiswinter 1993 hing der „Bison“ tagelang im Eis am Stauwehr bei Geesthacht fest, damals hatte sich eine Eisbarriere gebildet, die bis auf den Grund reichte. „Da hat die Natur eindrucksvoll gezeigt, zu was sie in der Lage ist“, so Schultz. Die letzte Untersuchung auf Helling war 2013, der Schallbericht des Rumpfes weist laut Vebeg-Angebot Plattenstärken von 6,8 bis 11,9 Millimetern im Bodenbereich des Eisbrechers auf.

Neun Tonnen schwerer Spezialpropeller

Seit seiner Stilllegung 2015 wurde der „Bison“ nicht mehr bewegt und gewartet, das Zeugnis zur Fahrtüchtigkeit ist 2018 erloschen. 2015 wurde auch die Hauptmaschine wegen eines Defekts ausgebaut und nicht ersetzt. Fahrtüchtig wäre der Eisbrecher daher derzeit nicht. Aber: In einer weiteren Auktion bietet die Vebeg einen Ersatzantrieb für den Eisbrecher an, einen neun Tonnen schweren Spezialpropeller vom Typ Voith Schneider 18 E/85, der 2012 überholt wurde.

Als Ersatz für den 58 Jahre alten Eisbrecher soll ein weiteres Mehrzweckschiff in Dienst gestellt werden. 2017 wurden für die Eisbrecher „Steinbock“ (Baujahr 1954) und „Stier“ (1951) bereits die beiden 2014 gebauten Mehrzweckschiffe „Elbe“ und „Biber“ in die Eisbrecher-Flotte integriert. Sie mussten ihr Können und ihre Tauglichkeit für die gefährliche Aufgabe mangels Eisgang in den vergangenen Wintern bisher aber noch nicht unter Beweis stellen.

Besichtigungen des „Bison“ können unter (04152) 8469123 mit dem WSA vereinbart werden.

Von Timo Jann