Montag , 21. September 2020
Seit Beginn der Corona-Krise ist das Café „Sandkrug“ geschlossen. Künftig will die Lebenshilfe dort eine Begegnungsstätte führen. Foto: be

Begegnungsstätte statt Café

Lüneburg. Der „Sandkrug“ im Schatten der St. Johanniskirche ist seit mehr als 40 Jahren eine Institution. Das Besondere: In dem von der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg gGmbH betriebenen Café und Restaurant arbeiten Menschen mit und ohne Handicap zusammen. Seit Beginn der Corona-Krise ist der Sandkrug, in dem Mittagsmenüs und nachmittags Kuchen und Torten angeboten werden, geschlossen. Eine Wiedereröffnung wird es nicht geben. Vielmehr will die Lebenshilfe dort ein neues inklusives Projekt auf den Weg bringen, erfuhr die LZ von Matthias Farr, Geschäftsführer der Lebenshilfe.

Gesellschafter der Lebenshilfe gGmbH sind die Lebenshilfevereine Lüneburg und Harburg, dem Lüneburger Verein gehört das Gebäude des Sandkrugs, „von dem wir es gemietet haben“, erläutert Farr. „Der Sandkrug liegt uns allen am Herzen. Deshalb haben Vertreter des Vereins, der Werkstattleitung und die Geschäftsführung geschaut, ob und wie das Café und Restaurant eine Zukunft haben könnte.“ Dabei sei allen Beteiligten bewusst geworden, dass „uns die Rahmenbedingungen nicht ins Blatt spielen“. Damit der Sandkrug eine Zukunft hätte – auch unter wirtschaftlichen Aspekten – müsste er nämlich auch abends und am Wochenende geöffnet haben. „Die Arbeitszeit unserer Mitarbeiter mit Handicap ist aber unter der Woche von 8 bis 16 Uhr.“ Um zukunftsfähig zu sein, müsste auch das Speisenangebot breiter aufgestellt sein. Doch das könne man aufgrund der Küchenausstattung nicht bieten. Darüber hinaus hätten die Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie eine Wiedereröffnung sehr schwierig gemacht.

Bildung und Kultur

Nach intensiven Gesprächen sei eine Idee geboren, die alle Beteiligten glücklich mache. In das Gebäude soll eine inklusive Begegnungsstätte einziehen mit den Schwerpunkten Bildung und Kultur. Angedacht sind Fortbildungsangebote, die zusammen umgesetzt werden könnten mit der Volkshochschule und der Universität. „Wir möchten damit Lüneburger Bürger ansprechen, können uns aber auch vorstellen, dass dort manches aus unserem Fortbildungsprogramm für Mitarbeitende und Werkstattbeschäftigte stattfindet.“

Abends soll es eine kleine Kulturstätte mit Kleinkunstbühne werden, auf der zum Beispiel Poetry Slam, Liederabende oder Lesungen stattfinden. Ein überschaubarer Raum, der Begegnungen von Menschen mit und ohne Handicap ermöglicht. Denn darum geht es allen Ideenträgern des Projektes: mögliche Barrieren abbauen und Menschen mit und ohne Behinderung mitten in dieser Stadt zusammenzubringen. „Eine Kooperation mit der Lüneburger Marketing GmbH und Theatern wäre großartig, doch die Beteiligten wissen noch gar nichts von ihrem Glück.“

Bis zur Umsetzung braucht es noch Zeit und externes Knowhow, macht Farr deutlich. „Wir versuchen, das Projekt bei der Aktion Mensch zu verankern, um darüber eventuell finanzielle Unterstützung zu erhalten.“

Von Antje Schäfer