2,10 Meter ist der Wels lang, den der Fischer Eckhard Panz gefangen hat. Damit überragt er ihn um knapp 20 Zentimeter. Foto: t&w

Der Fischer und der Riesen-Wels

Hohnstorf. Schon seit seinem sechsten Lebensjahr besserte sich Eckhard Panz sein Taschengeld beim Aalfang auf dem väterlichen Betrieb auf, vor 20 Jahren übernahm der gelernte Maurer die Fischerei ganz.

In all den Jahren hat er viel gesehen, doch als er am Montagmorgen am Seil seiner Reuse an der Hohnstorfer Fährbuhne zieht, bleibt ihm die Spucke weg: Ihm ist ein Riesenwels ins Netz gegangen, der größte Fang seines Lebens. Die Fischerei Panz gibt es seit 1700. Das ist mit Abstand der größte Fang, den wir hier je hatten.“

Wie er das Vieh tranportieren soll, das sei sein erster Gedanke gewesen, sagt Panz. Wie er ihn aus dem Wasser herausbekommt, denn mit einem Kescher würde das nicht klappen.

Er wiegt 57 Kilogramm

Der zweite, dass sein Kunde ihm einen Vogel zeigt, wenn er ihm einen Wels dieses Kalibers anbietet. Wie er den bloß loswerden soll? Eine Vorbestellung hat er, aber wer nimmt so ein Tier?

Panz ruft einen befreundeten Gemeindemitarbeiter an, der ihm hilft, das Netz aus dem Wasser zu ziehen. Doch das reicht nicht. Um ihn aus dem Boot in die Wanne zu verfrachten, müssen auch Eckhard Panzs Tochter und sein Schwiegersohn mit anpacken. Anderthalb Stunden Arbeit machte allein der Transport. „Ich hab mich gefreut, ihn zu fangen, aber ich wusste auch, dass damit der Stress beginnt“, sagt Panz.

2,10 Meter misst der Wels, wiegt 57 Kilogramm. Sein Alter schätzt Panz auf etwa 20 Jahre, 50 Jahre alt können Welse werden. Die Durchschnittsgröße des Europäischen Welses liegt bei 60 bis 150 Zentimetern, das durchschnittliche Gewicht bei etwa 15 bis 45 Kilogramm.

Ein Fisch für die Donau

Panz ist sich sicher, dass das Ende der Fahnenstange mit seinem Rekordfisch noch nicht erreicht ist. Früher waren die größten Fische, die aus der Elbe gezogen wurden, Karpfen oder Störe. Eigentlich sei der Wels ein Fisch für die Donau. „Dass es hier heute so viele Welse gibt, liegt vor allem an einer Besatzaktion aus dem Jahr 1993“, erzählt der Hohnstorfer Panz.

2000 Welse seien damals in der Elbe ausgesetzt worden und haben sich offenbar prächtig entwickelt. Nicht ganz unproblematisch, sagt der Fischer. „Immerhin nehmen die Welse als Raubfisch auch Einfluss auf den Bestand kleinerer Fischarten. Ich habe nichts gegen den Kollegen hier, aber er frisst meine Aale .“

Die Ausmaße des Raubfisches sind für Welse, die größten reinen Süßwasserfische Europas, grundsätzlich nicht ungewöhnlich. „In Spanien werden die Tiere aufgrund der höheren Temperaturen auch schon mal mehr als 100 Kilogramm schwer.“ Anders in der Elbe, „da sind 40 Kilogramm schon ordentlich“, sagt Panz.

"Genug Nahrung finden sie ja hier"

In Osteuropa wurden sogar schon Welse mit Längen bis 300 Zentimeter und 200 Kilogramm Gewicht gefangen.

„Unter guten Bedingungen ist auch bei uns noch Luft nach oben. Genug Nahrung finden sie ja hier.“ Sehr zum Leidwesen des Fischers. „5 Kilogramm-Fische sind für ihn kein Problem. Und es ist davon auszugehen, dass von der Sorte noch einige Welse mehr hier ihr Unwesen treiben.“

Seinen Rekordfang will Eckhard Panz an einen Kollegen verkaufen, der Angelteiche in Schleswig-Holstein beliefert.

„Da gibt es genug Trophäenjäger, die sich mächtig was drauf einbilden, wenn sie den aus dem Wasser holen.“
Schwierig werde es, den Koloss zu angeln. „Aber wenn er gerade auf Nahrungssuche ist, können die Hobbyangler Glück haben.“

Von Lea Schulze