Mittwoch , 28. Oktober 2020
Eine Woche lang haben die kleinen Walddetektive im Hasenburger Bachtal die Gegend erkundet und viel über die dortige Flora und Fauna gelernt. Foto: be

Von Walddetektiven zu Mülldetektiven

Lüneburg. Heute, am letzten Tag, nieselt es ein bisschen, als die Walddetektive mit ihren Lupenbechern und Keschern durch das Hasenburger Bachtal streifen und nach Lebewesen suchen. „Aber überwiegend hatten wir richtig Glück mit dem Wetter“, sagt Petra Kreschinski, die den Sommerferienkurs Walddetektive für Grundschulkinder der Evangelischen Familien-Bildungsstätte Lüneburg bereits seit über zehn Jahren betreut.

Seit Beginn der Ferien sind die elf Jungen im Alter von sieben bis zehn Jahren hier im Wald unterwegs. „Dass diesmal nur Jungs dabei sind, ist Zufall“, sagt Kreschinski. „Wegen Corona mussten wir die Gruppe in diesem Jahr aufteilen, in der anderen sind auch Mädchen.“ In den sieben Tagen im Wald haben die Kinder viel erlebt, zum Beispiel ein Waldsofa aus großen Ästen und Stöcken gebaut, eine Hütte und eine Brücke, sie haben geschnitzt, gebastelt und gespielt.

Wasserfloh gefangen

„Eigentlich sind wir hier, um etwas über den Wald und seine Bewohner zu lernen“, erklärt Richard. Dass alle Kinder jetzt die Zapfen der Nadelbäume auseinanderhalten können, berichtet er stolz. „Die hängen nämlich anders. Die Tannenzapfen stehen, bleiben auf dem Baum und fallen nicht runter, die verrotten da oben. Da gibt es eine Eselsbrücke zum Weihnachtsbaum, die Kerzen stehen ja auch immer oben.“ Bei der Fichte hingegen hingen die Zapfen nach unten und fielen herunter.

Julian hat einen Wasserfloh gefangen, den er nun im Lupenbecher beobachtet, Theo hat einen Flußkrebs entdeckt, Emilian Spinnen und Grashüpfer gefangen und wieder freigelassen. Mithilfe eines Bestimmungsbuchs können die kleinen Entdecker alle Tiere benennen, sogar echte Wildschwein- und Rehspuren konnten sie identifizieren.

Selbst eine Sporttasche wurde gefunden

Jeden Tag beackern die Kinder ein Thema, als es um Erdschichten ging, wurden Waldgeister aus Ton getöpfert, heute, zum Thema Stein, haben die Grundschüler Amulette aus Steinen geschliffen, die meisten von ihnen tragen sie bereits als Anhänger um ihren Hals.

Einige Kinder sind schon zum zweiten Mal mit dabei, weil ihnen das Programm so viel Spaß macht. Es gibt aber auch etwas, dass sie ärgert: Eigentlich seien sie gar nicht wirklich als Walddetektive im Einsatz, sondern eher als Mülldetektive, finden sie. Aufgeregt zählen sie auf, was sie alles gefunden haben von dem „normalen“ Müll ganz abgesehen: Metalldeckel, eine Chucks-Schuhsohle, eine Sporttasche mit der Aufschrift „Olympische Spiele Los Angeles 1984“, Dinge, die gar nicht mehr identifizierbar sind. „Prähistorische Gegenstände“, sagt Kreschinski. Einen besonders kuriosen Fund hat Lucian gemacht: Eine Milchtüte, bedruckt mit dem Logo der Molkerei Lüneburg Hans Stamer KG. Die Stamer KG firmiert aber bereits seit den 80er Jahren unter dem Namen Lünebest. Sie sei schon mit Lünebest aufgewachsen, habe von Stamer noch nie etwas gehört, meint Betreuerin Petra Kreschinski. „Das zeigt mal wieder, dass Plastik eben nicht so einfach verschwindet. Wenn ihr mal Opas seid, wie viel Müll gibt es dann wohl auf der Welt“, fragt sie nachdenklich in die Runde.

Viele Geschwisterkinder

„Vielleicht wird die Welt dann gar nicht mehr so vor Leben strotzen wie jetzt, sondern ist verwüstet und trocken“, überlegt Richard. Er ist enttäuscht darüber, wie viel Müll er mit seiner Gruppe aus dem Bach gefischt hat, auch wenn es Spaß gemacht hat, zusammen mit den anderen. Dass alle Kinder glücklich sind, endlich mal wieder etwas als Gruppe zu unternehmen, merkt man sofort. „Zusammenarbeiten macht einfach mehr Spaß“, sagt Emilian und Spielen ohne Abstand gehe fast gar nicht. „Wir haben viele Geschwisterkinder und Cousins und Cousinen hier in der Gruppe“, sagt Betreuerin Regine von Glinowiecki. „Das erleichtert das Einhalten der Abstandsregeln.“ Besonderheiten sind, dass jedes Kind seine eigene Brotdose mitbringen muss und das Essen nicht geteilt werden darf, nach dem Ballspielen müssen die Hände desinfiziert werden.

Schade finden es alle, dass die Walddetektive ihren Dienst schon wieder quittieren müssen. Aber die Ferien sind ja noch lang und die Kinder nun gerüstet für viele weitere Entdeckungen.

Von Lea Schulze