Donnerstag , 1. Oktober 2020

Diese Rechnung kann richtig hoch werden

Es ist ein erster Warnschuss. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Acht neue Corona-Fälle in dieser Woche in Lüneburg. Wo sich die Betroffenen infiziert haben, ist derzeit noch unklar. „Nur“ acht Fälle, das ist noch kein Anlass zur Beunruhigung. Aber es zeigt, was Experten immer wieder betonen: Das Virus ist noch nicht weg.

Dass wir nicht mehr Erkrankte haben aktuell im Kreis, ist sicher zu einem Großteil dem guten Krisenmanagement hiesiger Behörden zu verdanken. Aber es ist, so ehrlich muss man sein, auch Glück. Da muss man nur in die benachbarten Landkreise schauen. Wir hatten nicht, wie der Landkreis Harburg, eine Ansteckungsserie in einem Seniorenheim mit acht Toten. Oder reihenweise Infektionen in einem großen Logistikzentrum. Selbst der deutlich dünner besiedelte Landkreis Lüchow-Dannenberg hat drei Todesfälle zu beklagen. In Uelzen sind es in dieser Woche 16 Neuinfektionen, betroffen davon sind auch zwei Schulen und zwei Kitas. Bei uns dagegen lag noch nicht ein Patient auf der Intensivstation des Krankenhauses, von Todesopfern ganz zu schweigen. Doch daraus darf keine trügerische Sicherheit entstehen.

Es ist schön, dass es wieder Leben gibt in der Stadt, inklusive eines vielseitigen Gastronomieangebotes und auch neue Lokale öffnen können in schwierigen Zeiten. Es ist gut, dass die Stadtverwaltung mit dem Oberbürgermeister an der Spitze auch unkonventionelle Wege gehen will, um eine Erweiterung der Außenbestuhlung zu ermöglichen und den Gastwirten so die Existenzgrundlage zu sichern. Und es ist wichtig, dass die Lüneburger ihre Kneipen und Imbisse unterstützen, und sei es nur mit dem Kauf eines Döners.

Doch das alles ist nur eine Momentaufnahme. Und bei allem Verständnis dafür, dass jetzt Geld verdient werden muss, gibt es auch eine Verantwortung. Viele Betreiber von Restaurants, Cafés und Imbissen kommen ihr nach, doch zu viele nehmen die Situation auf die leichte Schulter. Wer durch die Stadt geht, dem fällt an jeder Ecke Außen­gastronomie auf, bei der die Abstandsregelung nicht eingehalten wird. Und wohl so ziemlich jeder kann sich an einen Gaststättenaufenthalt erinnern, in dem er nicht seine Kontaktdaten angeben musste, obwohl dies eigentlich vorgeschrieben ist.

Lüneburg ist voll in diesen Wochen, die Touristen kommen wieder. Und sie werden wieder abreisen in alle Winkel Deutschlands. Und vielleicht sind manche von ihnen mit dem Corona-Virus infiziert. Das nehmen sie mit nach Hause. Aber sie haben es auch hiergelassen. Auf der anderen Seite kehren viele Lüneburger in nächster Zeit wieder zurück aus dem Urlaub. Von Nord- und Ostsee, wo Menschen aus ganz Deutschland relativ eng zusammen am Strand und in den Restaurants saßen. Hoffentlich haben sie nicht das Virus im Gepäck.

Das RKI meldete am Donnerstag mit 815 Neuinfektionen an einem Tag so viele wie seit Juni nicht mehr. Und nach der Urlaubszeit wird abgerechnet. Wer jetzt nicht verantwortungsbewusst handelt, ist womöglich mit schuld, dass es im Herbst ein böses Erwachen gibt, auch weil Infektionsketten nicht mehr nachvollzogen werden können. Diese Rechnung kann dann richtig teuer werden. Das gilt für Gäste, die aus Jux falsche Personalien angeben, weil sie den Ernst der Lage nicht verstanden haben. Es gilt aber auch für die Gastronomie, die sich von einer nächsten Zwangsschließung womöglich nicht wieder erholt.

Von Thomas Mitzlaff