Mittwoch , 28. Oktober 2020
Bald soll bei Gut Brockwinkel aus einem dritten Brunnen Wasser für die „Vio“-Produktion sprudeln. (Foto: be)

Der Brunnenbau steht bevor

Lüneburg/Reppenstedt. Die Maschinen sind vorgefahren, die Baustelle ist eingerichtet: Die Coca-Cola-Tochter Apollinaris Brands lässt die Herstellung der neuen Brunnenbohrung bei Gut Brockwinkel in der Gemarkung Reppenstedt vorbereiten. Zwar laufen noch Widerspruchsverfahren gegen den bereits erlaubten Pumpversuch, der Brunnenbohrung selbst steht das jedoch nicht im Weg, heißt es vom Landkreis Lüneburg auf LZ-Nachfrage. Weitgehend ins Leere läuft indes die jüngste Resolution der Samtgemeinde Bardowick und der Gemeinde Vögelsen mit der Forderung, einen unabhängigen Gutachter mit der Beurteilung der Folgen zu betrauen.

Hintergrund: Coca-Cola will an dem neuen Brunnenstandort jährlich 350 000 Kubikmeter Tiefen-Grundwasser für die Produktion des Mineralwassers „Vio“ fördern. Zunächst soll im Herbst ein Pumpversuch von maximal 118 000 Kubikmetern (oder 118 Millionen Liter) auch zeigen, ob die langfristige Förderung möglicherweise Schäden hervorrufen könnte. Die Erkenntnisse sollen dann in das Verfahren einfließen, das der Landkreis Lüneburg als zuständige Wassergenehmigungsbehörde führt. Wie berichtet, soll das im Pumpversuch zutage geförderte Wasser ungenutzt in den Reppenstedter Bach „Kranker Heinrich“ eingeleitet werden.

Nachdem die LZ Ende Mai über die Erlaubnis zum Pumpversuch berichtet hatte, räumte die Kreisverwaltung öffentlich ein, dass mit dem Artikel eine neue Widerspruchsfrist von einem Monat in Gang gesetzt wurde, für diejenigen, die dadurch zum ersten Mal Kenntnis von der Erlaubnis erlangten. „Es gibt bis jetzt insgesamt fünf Widersprüche“, bestätigte jetzt Kreissprecher William Laing. „Diese haben eine aufschiebende Wirkung für die Förderung, das heißt, die Probeförderung muss noch warten. Der Brunnen könnte theoretisch trotzdem schon gebaut werden.“ Coca-Cola beziehungsweise Apollinaris Brands könnte einen Antrag auf sofortige Vollziehung stellen, den der Landkreis dann zu prüfen hätte, sagt Laing. „Über die Widersprüche soll zeitnah entschieden werden.“ Der Pumpversuch soll allerdings ohnehin erst im Oktober starten. Eine Verzögerung käme also vermutlich nur in Betracht, wenn zusätzlich um den einen oder anderen Widerspruch ein Rechtsstreit entbrennen sollte.

Forderung nach einem unabhängigen Gutachten

Und nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch wird der Brunnenbau unterdessen vorangetrieben. Marlen Knapp, Sprecherin bei „Coca-Cola European Partners“, sagt: „Nachdem die Baustelle eingerichtet worden ist, folgt in der nächsten Woche die Mantelverrohrung, also die Rohrstrecke, mit der das Bohrloch ausgekleidet wird. Das dient dazu, das Bohrloch langfristig zu stabilisieren und gegenüber der Umgebung abzudichten.“ Insgesamt rechnet das Unternehmen mit einer Bauzeit von rund zwölf Wochen. Der anschließende Pumpversuch in einer Tiefe von rund 200 Metern ist dann auf maximal 70 Tage ausgelegt.

Als Reaktion auf die Erlaubnis für den Pumpversuch verabschiedete die Samtgemeinde Bardowick Anfang Juli eine Resolution, der sich später auch der Gemeinderat Vögelsen angeschlossen hat (LZ berichtete). Darin wird der Landkreis wiederholt aufgefordert, „durch ein unabhängiges Gutachten feststellen zu lassen, welche langfristigen Auswirkungen die Wasser­entnahme (…) bezüglich Menge und Qualität hat“. Die LZ wollte wissen, wie die Untere Wasserbehörde beim Landkreis nun darauf reagiert. Dazu sagt Kreissprecher Laing: „Der Landkreis ist unabhängig und neutral. Im Fachdienst Umwelt besitzt man den notwendigen Sachverstand, um solche Anträge adäquat zu prüfen. Zusätzlich unterstützt der gewässerkundliche Landesdienst den Landkreis bei hydrogeologischen Fragen.“ Auch dieser sei laut Laing „neutral und unabhängig“.

Von Dennis Thomas

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