Für die Eltern gerade von Grundschülern war der Unterrichtsausfall eine Herausforderung. Manche fühlten sich von der Schule im Stich gelassen, andere wiederum finden lobende Worte. Foto: AdobeStock

Noten von 1 bis 6

Lüneburg. Von einem Tag auf den anderen wurden die Schulen ins Homeoffice gezwungen – und die Diskussion darüber, wie die Bildungseinrichtungen mit diesem Wechs el umgingen, geht auch in den Ferien weiter. Während man sich mancherorts gut aufgestellt zeigte auf die digitale Herausforderung, tauchten anderswo Lehrer komplett ab. Die LZ veröffentlicht in loser Reihenfolge Auszüge aus Erfahrungsberichten von Schülern, Eltern und Lehrern.

So schreibt Kirsten Oltmer : „Unsere Tochter geht in die erste Klasse. Die Zeit war eine Katastrophe. Unsere Klassenlehrerin war sehr bemüht, über tägliche Briefe Kontakt zu den Kindern zu halten. Die Organisation seitens unserer Schule war und ist eine glatte 6. Es gab in der ersten Zeit (März und April) überhaupt keine Aufgaben („das wurde so im Kollegium beschlossen, war die Antwort, die wir Eltern auf Nachfrage erhielten). Ab Mai gab es ein paar Aufgaben und ich freute mich schon, endlich mal wieder in Ruhe ein paar Stunden arbeiten zu können. Leider war unsere Tochter damit immer schon nach 30 Minuten durch …

Ich und meine Tochter freuten uns sehr auf den 15. Juni, weil ab dann endlich auch die ersten Klassen als letzter Jahrgang wieder beschult werden sollten. Dann kam die Nachricht, wie das passieren sollte: ein Tag in der Woche von 8.30 bis 12.55 Uhr. Ganz ehrlich – das ist doch ein Witz, oder? Die älteren Jahrgänge wurden zum einen viel früher in den Präsenzunterricht zurückgeholt und zum anderen mit mehreren Tagen pro Woche. Dementsprechend hatte meine Tochter seit dem 15. Juni ganze 5 fünf Vormittage Schule.“

„Ausstattung für Videos habe ich mir privat angeschafft“

Eine Lehrerin einer Lüneburger Grundschule , die aufgrund befürchteter Repressalien nicht namentlich genannt werden möchte, berichtet: „Ich habe mir ein Bein ausgerissen, um meinen Schülern etwas beizubringen und Kontakt zu halten – trotz schwieriger Umstände und schlechter Ausstattung.

Ich habe Wochenpläne mit Aufgaben erstellt, Erklärvideos gedreht – die Ausstattung dafür habe ich mir natürlich privat angeschafft. Ich war quasi Tag und Nacht für meine Schüler erreichbar – alles über meine privaten Kanäle (Whatsapp, Telefon, Mail, Zoom). Neben der schulischen ‚Versorgung‘ kam auch die psychische Betreuung meiner Schüler und Eltern hinzu. Um Kontakt zu halten, habe ich den Kindern aus einem Buch vorgelesen, sie haben mich per WhatsApp Video angerufen, um mir die 1x1-Reihen aufzusagen. Natürlich auch, wenn ich in der Einkaufsschlange stand oder nebenbei mein eigenes Kind betreut habe.

Ich habe jede Woche Material mit meinen Schülern ausgetauscht. Es gab jede ein Paket mit Material. Ich habe das „alte“ Paket entgegengenommen und korrigiert. Wenn Eltern/Schüler nicht gekommen sind, habe ich das Material zu Hause vorbeigebracht. Übrigens hatten wir nicht einmal genug Umschläge für den Materialtausch – kurzerhand habe ich eine Spende für Umschläge organisiert.

Neues Material musste ich natürlich (wie immer) über meinen privaten Drucker ausdrucken, mit meinem privaten Laptop. Und mit all dem war ich keine Ausnahme. Das hört sich vielleicht nach ‚fishing for compliments‘ an, aber so meine ich es nicht. Ich liebe meinen Job und ich mache ihn gut. Dafür erwarte ich aber auch ein bisschen Respekt und durch ‚Abrechnungen‘ von Eltern wird wirklich niemand besser und motivierter.“

Für den Schulelternrat des Gymnasiums Oedeme nimmt deren Vorsitzende Sabine Richter Stellung: „Leider melden sich meistens nur die Unzufriedenen zu Wort, dadurch ergibt sich ein schiefes Bild. Die plötzliche Schulschließung traf alle unvorbereitet und auch am Gymnasium Oedeme wurde deutlich, dass es in Bezug auf Digitalisierung, Serverkapazitäten und Nutzung des iServ-Systems noch Nachholbedarf gibt.

Aus Sicht des Schulelternrates haben sich die Lehrkräfte und die Schulleitung in dieser für alle herausfordernden Situation unter dem Strich gut geschlagen. Mit viel Engagement und Zeit haben Lehrkräfte versucht, das Beste aus den sich in dieser Zeit permanent verändernden Rahmenbedingungen zu machen. Parallel dazu wurden die technischen Möglichkeiten ausgebaut und ständig weiterentwickelt.

Natürlich gab es individuelle Unterschiede in den Klassen, die auch in der unterschiedlichen Intensität von digitalen Medien zum Ausdruck kam. Dies ist zum Teil das Ergebnis der strukturellen Defizite und kann, sollte nicht einzelnen Lehrkräften zum Vorwurf gemacht werden.“

Jens Uffermann berichtet: „Als Eltern von zwei Kindern, die im Internatsgymnasium Schule Marienau die 9. und 12. Klasse besuchen, haben wir ganz andere Erfahrungen gemacht. Schulleiterin und Kollegium haben in der Ausnahmesituation alles mobilisiert und eingerichtet, damit die Schüler weiterhin angemessen in allen Fächern versorgt und unterrichtet werden. Eine verbindliche Einbindung und Information der Eltern war und ist in dem Zusammenhang selbstverständlich.

Wir sind sehr dankbar für den professionellen Einsatz dieser Schule.“

Von Thomas Mitzlaff

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