Mittwoch , 30. September 2020
Hier soll ein Dorfladen entstehen. Alexander und Kerstin Schmidt hoffen, dass die Renovierung des Gebäudes Ende des Jahres abgeschlossen ist. Foto: phs

Ein Pfund Gemeinschaft, eine Prise Geschichte

Bienenbüttel/Varendorf. Nach welchem Rezept funktioniert ein Dorfladen? Alexander und Kerstin Schmidt haben da so eine Ahnung: ein gutes Pfund Gemeinschaft, eine Prise Geschichte und so viele Produkte, wie die Region hergibt. Die beiden Varendorfer planen eine Plattform für Spezialitäten aus Bienenbüttel und Umgebung – und zwar direkt hinter ihrem Gartenzaun, auf einer Baustelle in der Fischstraße.

Dort haben die beiden vor einiger Zeit ein Haus gekauft, für das sie eigentlich keine Verwendung hatten. Die Ideen für das Gebäude reichten von Mietwohnungen bis zum Direktverkauf für die eigene Rinderfleischproduktion. Doch dann kam Alexander Schmidt ein ganz anderer Gedanke: „Viele Haushalte und Höfe hier in der Gegend haben tolle Rezepte und Produkte. Noch dazu ist Varendorfs Geschichte zwar dokumentiert, aber in keiner Weise erlebbar.“ Und wenn Liebe durch den Magen geht, warum dann nicht auch Geschichte? „Beim letzten Dorffest habe ich mir dann ein Herz gefasst und den Nachbarn berichtet, was mir vorschwebt“, erzählt der 48-Jährige. Ein Dorfladen, der mehr sein soll als nur eine Plattform für den regionalen Handel.

Vom Kochkurs bis zum Büchertauschregal

Sofort hätten die Varendorfer ihre Ideen für das Projekt eingebracht. Die reichten vom Kochkurs bis zum Büchertauschregal. Die Abmachung: Beim nächsten Dorffest soll das Konzept einen verbindlichen Charakter kriegen. Da aber momentan niemand weiß, wann das stattfinden kann, und das Haus in der Fischstraße noch mitten in der Renovierung steckt, bleibt noch etwas Zeit. Und die nutzen die Schmidts, Freunde und Nachbarn nun, um in Eigenleistung den Innenausbau im Verkaufsraum voranzutreiben und weitere Ideen zu spinnen. Dabei kreisen ihre Gedanken immer wieder um die Vergangenheit: „Egal, wie viel Zeit wir uns nehmen, wir schaffen es nicht, uns alle Geschichten zu erzählen“, sagt Alexander Schmidt.

So entstand der Plan, die älteren Ortsbewohner historische Zusammenhänge und Anekdoten mit Gegenständen erzählen zu lassen, die im Dorfladen ausgestellt werden könnten: Klamotten, Werkzeug oder Bilder. Texte, Videos oder Audioaufnahmen sollen die Geschichte hinter den Gegenständen greifbar machen: Varendorfs Geschichte.

Dorfladen als Plattform für Geschichten und Produkte

Noch sind die Fenster des künftigen Verkaufsraums mit Plastikfolie verhangen. Dahinter tut sich offenes Fachwerk auf, nackter Betonboden, Farbeimer. Kerstin und Alexander Schmidt hoffen, dass der Umbau Ende des Jahres abgeschlossen ist. Im Untergeschoss sollen dann regionale Produkte erhältlich sein: Gemüse vom Landwirt, Wild vom Jäger, Honig vom Imker, Eier, Marmelade und Eingelegtes aus der privaten Küche.

Kerstin Schmidt, von Beruf Eventmanagerin, will dann zu festgelegten Zeiten mit ihrem Homeoffice in das frisch renovierte Gebäude ziehen, um Kunden und Interessierten die Tür öffnen zu können. „Der Erlös bleibt natürlich komplett bei dem, der sein Produkt eingebracht hat“, erklärt die 52-Jährige. Den Dorfladen verstehen sie und ihr Partner als Plattform für Geschichten und Produkte. Das Rezept ist geschrieben, jetzt muss nur noch gekocht werden.

Von Anna Petersen