Mittwoch , 12. August 2020
Vielen Mädchen oder jungen Frauen sei gar nicht bewusst, dass sie das Recht haben, Nein zu sagen, so die Polizei. Foto: Adobe Stock

Das Recht auf ein Nein

Lüneburg. Nachdem am Montag ein Missbrauchsprozess am Lüneburger Landgericht begonnen hat, machen sich viele Eltern Sorgen, wie sie ihre Kinder vor Übergriffen schützen können. Die LZ sprach mit Kriminalhauptkommissarin Eleonore Tatge. Sie gibt Tipps für Eltern und hat außerdem ein Faltblatt mit wichtigen Tipps und Anlaufstellen für Mädchen erstellt.

Wenn jemand sich als Fotograf ausgibt und verspricht, er würde Fotos von einem Mädchen machen für eine Modelkarriere, sollten Eltern bei allen Aufnahmen unbedingt anwesend sein. Denn sie können erkennen und beurteilen, worauf die Kamera fokussiert ist. Seriöse Fotografen, die professionelle Sedcards für Modelagenturen erstellen, machen keine Nacktaufnahmen oder solche mit einer sexualisierten Haltung und Mimik.

Niemals die Rechte an Bildern abtreten. Denn sonst können diese ins Netz gestellt werden.

Äußerste Vorsicht ist geboten, wenn bereits im Vorfeld Geld für Fotos vom vermeintlichen Fotografen geboten wird. Denn die Bilder, die für die Bewerbung bei einer Modelagentur gemacht werden müssen, zahlt die/der Bewerber in der Regel selber.

„So nicht! Wir helfen“

Gute Unterstützung bietet Mädchen auch das von Eleonore Tatge erstellte Faltblatt „So nicht! Wir helfen“ bei der Frage: Wie verhalte ich mich bei sexualisierter Gewalt und Übergriffen? Dabei geht es unter anderem um das Thema Nacktfotos. Die klare Ansage: Sich auf keinen Fall drauf einlassen – egal ob sie ein Freund machen will oder ein vermeintlicher Fotograf. „Wir möchten deutlich machen, dass jedes Mädchen das Recht hat ‚nein zu sagen‘ beziehungsweise ‚So nicht!‘“, sagt Eleonore Tatge.

Vielen Mädchen oder jungen Frauen sei dies gar nicht bewusst. Auch nicht, dass wenn Fotos ins Netz wandern, diese für pornographische Zwecke missbraucht werden könnten. Die Hauptkommissarin warnt junge Frauen auch davor, selber zum Beispiel Oben-Ohne-Fotos an einen Freund zu schicken. Denn immer wieder passiere es, dass diese dann im Netz auftauchen. „Selbst bei einem Snap, also Bildern, die sich nach kurzer Zeit selbst zerstören, besteht die Gefahr, dass ein Screenshot gemacht wird und eine Kopie des Fotos ins Netz gelangt.“

Es ist wichtig, sich Hilfe zu holen

Die Botschaft des Faltblattes ist: Dein bester Schutz ist, deinem Gefühl zu trauen. Gegen alles, was dir unangenehm ist, darfst du dich wehren. „Ich möchte, dass Mädchen bewusst ist, dass sie Grenzen setzen dürfen. Und es wichtig ist, sich Hilfe zu holen“, sagt Tatge. Mädchen sollten nicht alleine bleiben, mit dem, was sie bedrängt. Sie sollten sich ihren Eltern anvertrauen oder es auch einer Freundin erzählen, wenn es zum Beispiel um Thema Fotos geht.

Bei Fragen zu Verhaltenstipps können Mädchen wie auch Jungen sich an Eleonore Tatge bei der Polizei wenden: (04131) 83 062 309, über sie ist auch der Flyer zu erhalten. Eine weitere Möglichkeit ist das Kinder- und Jugendtelefon: 11 61 11, das montags bis freitags von 15 bis 20 Uhr besetzt ist. Am Sonnabend von 15 bis 18 Uhr bieten dort Gleichaltrige Beratung.

Von Antje Schäfer