Montag , 26. Oktober 2020
Den Brandermittlern zufolge brach das Feuer im Dach des Zwischentraktes der Halle aus. Foto: Michael Behns

Unterricht zunächst in Containern?

Embsen. Brandstiftung ist ausgeschlossen, womöglich waren es Mäuse oder andere Nagetiere, die den Millionenbrand an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Embsen ausgelöst haben. Dieses Untersuchungsergebnis teilte am Dienstag die Polizei mit. Demnach ist das Feuer unter dem Dach des Zwischentraktes ausgebrochen, in dem Umkleidekabinen untergebracht sind. Dort hatte in der Nacht zum 7. Juli eine Zeitungsausträgerin die ersten Rauchwolken gesehen (LZ berichtete). Gedeckt ist der Trakt mit mehreren Lagen Teerpappe, die immer wieder geflickt wurden. Darunter hat es nach Erkenntnissen der Brandermittler einen technischen Defekt oder Kurzschluss gegeben.

Als Ursachen dafür kommen beschädigte Stromkabel in Frage, die von Nagetieren angefressen worden sein können. Eine andere Möglichkeit ist Regenwasser, das sich auf dem Flachdach staute und dann unter die Pappe gedrungen ist. Die Lüneburger Kripo hatte sich für die Ermittlung der Brandursache Unterstützung durch einen Sachverständigen des Landeskriminalamtes Hannover geholt.

Zweite Turnhalle ist langfristig nicht nutzbar

Bei dem Feuer war die knapp 700 Quadratmeter große Sporthalle mit ihren 1500 Quadratmeter großen Neben- und Umkleideräumen sowie die Eingangshalle völlig niedergebrannt. Die zweite Turnhalle ist erheblich beschädigt und wohl langfristig nicht nutzbar.

Nachdem die Staatsanwaltschaft Lüneburg die Brandstelle nunmehr freigegeben hat, will der Landkreis Lüneburg als Betreiber der Schule schnell mit der Beseitigung der Trümmerberge beginnen. „Die Aufräumarbeiten sollen in der kommenden Woche beginnen und bis zum Ende der Sommerferien abgeschlossen sein“, erklärt Kreissprecherin Katrin Holzmann. Ein Start schon in dieser Woche sei nicht möglich, da die Arbeiten ausgeschrieben werden müssten.

„Erst wenn der Schutt weg ist, können wir die Räume querlüften, ohne das weitere Dämpfe oder Schadstoffe hinein gelangen“, so Holzmann. In weiteren Schritten muss die angrenzende Dreifeld-Sporthalle teilweise entkernt, gereinigt und saniert werden, weil sie von Löschwasser und Rauch stark in Mitleidenschaft gezogen ist. Ebenso betroffen von Löscharbeiten sind die Werkräume und ein Musikraum. Auch diese müssen teilweise entkernt, gereinigt und saniert werden. Diese Arbeiten sind für das neue Schuljahr geplant. Der Trakt für Naturwissenschaften und Lehrküche ist ebenfalls leicht beschädigt und muss überarbeitet werden. Die Reinigung der übrigen allgemeinen Unterrichtsräume ist bereits angelaufen.

Dankesschreiben der Schulspitze

Ziel ist es laut Holzmann, nach den Sommerferien wieder den Unterricht aufzunehmen. Gemeinsam mit der Schulleitung stellt der Landkreis zur Zeit einen Plan auf, welche Fachräume in welcher Zeit zur Verfügung stehen. Für die längere Zeit nicht nutzbaren Fachunterrichtsräume und die Sporthallen werden verschiedene Alternativen ins Auge gefasst – beispielsweise sind Container-Lösungen im Gespräch. „Wir haben außerdem schon mehrere Hilfsangebote von umliegenden Schulen, die Räume für die IGS Embsen öffnen würden“, erklärt der Leitende Kreisverwaltungsdirektor Hans-Richard Maul. Nicht zuletzt fehlt es aufgrund des Brandschadens auch an Inventar wie Sport- oder Technikgeräten. „Hier sind wir dabei, dringend erforderlichen Ersatz so schnell wie möglich zu beschaffen.“

Die Hilfsbereitschaft der vergangenen Wochen ist derweil auch bei der Schulleitung der IGS ein großes Thema. „Tief hat uns der Großbrand an unserer Schule getroffen“, heißt es unter anderem in einem Dankesschreiben, das die Schulspitze jetzt veröffentlicht hat. „Gemeinsam mussten wir zusehen, wie die kleine Sporthalle – ein wichtiger Treffpunkt in Embsen – und die angrenzenden Bereiche abgebrannt sind.“ Man wolle ein herzliches Dankeschön an alle Helfer aussprechen, die dafür gesorgt haben, dass das Hauptgebäude von den Flammen verschont wurde. „Wir sind dankbar, dass bei diesem Unglück niemand ernsthaft zu Schaden gekommen ist und die Verletzten auf dem Weg der Besserung sind. Außerdem geht ein großer Dank an alle Institutionen, die uns in dieser schweren Zeit Unterstützung zukommen lassen.“

Nun müsse man die Ärmel hochkrempeln „und gemeinsam den Wiederaufbau in die Hand nehmen, damit die Arbeit unverändert weitergehen kann, wir den Ausbau unserer Schule voranbringen, im nächsten Schuljahr unser vielfältiges Angebot aufrecht erhalten und Embsen sein schulisches sowie sportliches Zentrum wiedererlangt“.

Von Thomas Mitzlaff

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