Sonntag , 20. September 2020
Eckhard Winkelmann ist stolz auf die Leistung seiner Windpark-Genossenschaft. Foto: phs

Klein, aber oho

Wetzen. 2015 zog der Rehlinger Eckhard Winkelmann durch die Amelinghausener Kommunen, um für seine Idee der lokalen Wertschöpfung durch Windkraft zu werben. Die Idee ist jetzt rund 199 Meter hoch, verfügt über eine elektrische Nennleistung von 2,75 Megawatt und produziert seit mehr als drei Jahren Strom. Die Windenergieanlage mit der Nummer vier im Windpark Wetzen ist im Eigentum der von Winkelmann gegründeten Genossenschaft „Bürger-Windpark Amelinghausen“. Zeit für eine Zwischenbilanz.

Am Turmfuß sind riesige Insekten aufgesprayt

Für Genossenschafts-Vorstand Winkelmann ist die Teilhabe ein Mittel, um die Akzeptanz für Windkraft zu fördern und gleichzeitig die Wertschöpfung in der Region zu halten. 146 Mitstreiter halten Genossenschaftsanteile von jeweils 1000 bis 100.000 Euro, sagt Winkelmann. Insgesamt brachten die Genossen eine Summe von rund zwei Millionen Euro auf: Für rund 770.000 Euro kaufte der Zusammenschluss einen Anteil von mehr als 16 Prozent am Windpark Ehlbeck, der Windpark Tellmer wurde mit einem Darlehen unterstützt und rund 850.000 Euro flossen als Eigenkapital für das Windrad in Wetzen und stemmten laut Winkelmann zuzüglich einer Kreditfinanzierung eine Investition von insgesamt rund sieben Millionen Euro.

Das Windrad 4 in Wetzen ist Winkelmanns ganzer Stolz. Es ist zwar baugleich mit den anderen Anlagen des Windparks, hebt sich aber durch seine Gestaltung ab: In bis zu zwei Metern Höhe sind am Turmfuß riesige Insekten aufgesprayt: Honigbiene, Hirschkäfer, Kreuzspinne oder Ameisen zieren den Sockel. Winkelmann: „Wenn wir eine Schulklasse hier haben, um etwas über Windenergie zu erzählen, dann können wir auch gleich noch etwas Biologie machen“, sagt er mit einem Schmunzeln, während sich 139 Meter weiter oben mit dem Geräusch eines startenden Kleinflugzeugs die Rotorblätter bewegen und Geld verdienen: acht Cent pro Kilowattstunde.

Die Rendite 2019 kann sich sehen lassen

Die Fäden für den Betrieb des Windparks laufen bei der „Windpark Wetzen GmbH und Co. KG“ zusammen. Sowohl Gewinne als auch Verluste werden durch die Eigentümer der insgesamt sieben Anlagen des Windparks geteilt. Die Gesellschaft wurde seinerzeit von der Landberatung Lüneburg initiiert. Deren Geschäftsführer Axel Wilhelms bewertet das Engagement der Genossenschaft als positiv. „Wir hatten uns von Anfang an vorgenommen, dass eine Anlage des Windparks Wetzen für die Bürger zur Verfügung steht.“ Die Aufgabe, die Beteiligungen zu organisieren, hatte dann die Amelinghausener Windpark-Genossenschaft übernommen. Auf die Frage, was passiert wäre, wenn die Genossenschaft das Windrad nicht gekauft hätte, sagt Wilhelms: „Dann hätte es jemand anderes gemacht. Die Landwirte hätten es auch gerne behalten.“

In Summe haben die sieben Anlagen laut Wilhelms im vergangenen Jahr rund 55 Millionen Kilowattstunden ins Stromnetz eingespeist. Rechnerisch reicht das zur Versorgung von mehr als 18 000 Haushalten, rechnet Wilhelms vor.

„Aktuell haben wir kein Projekt zum Investieren“

Zum aktuellen Betrieb sagt Wilhelms: „Es ist rentabel, aber man kann das immer nur im Rückblick sagen.“ Denn das Risiko bleibt: Neben notwendigen, ungeplanten Reparaturen sei auch die Entwicklung des Strompreises an der Strombörse in Leipzig ein schwer kalkulierbarer Faktor. Bei einem Überangebot kann der Preis für eingespeisten Strom ins Negative drehen, und dann gibt es unter Umständen keine Vergütung. So seien beispielsweise 2018 rund 860.000 Kilowattstunden aus Wetzen finanziell vom Winde verweht.

Die Gesamtbilanz lasse sich trotzdem sehen, sagt Winkelmann und spricht für 2019 von einer Rendite im mittleren einstelligen Prozentbereich. Wer jetzt allerdings hofft, noch bei der Amelinghausener Genossenschaft einsteigen zu können, den muss Winkelmann enttäuschen: „Nicht, weil wir etwa nicht wollen. Aktuell haben wir kein Projekt zum Investieren.“

Von Dennis Thomas