Montag , 28. September 2020
Aufgepasst: Wenn man in einem Land mit Reisewarnung an Covid-19 erkrankt, kann es sein, dass die heimische Krankenkasse die Kosten nicht übernimmt. Foto: AdobeStock

Eine Frage der Fürsorge

Lüneburg. Man ist bereits in Urlaubsstimmung, die letzten Aufräumarbeiten im Büro. Und dann legt der Chef einem plötzlich einen Zettel auf den Schreibtisch mit „Informationen zur diesjährigen Urlaubssaison“. Und plötzlich ist da bei vielen eine Verunsicherung. Was geht die Firma an, wie und wo ich mich erholen möchte? Ja, der Urlaub ist Privatsache. Eigentlich. Denn diese Urlaubssaison steht wegen der weltweiten Corona-Pandemie unter besonderen Vorzeichen. Und wer da sein Ziel nicht sorgfältig wählt, kann sowohl in gesundheitlicher als auch in finanzieller Hinsicht eine böse Überraschung erleben.

Der Chef darf fragen, wo man war

Unstrittig ist unter Arbeitsrechtlern, dass jeder selbst entscheiden kann, wohin er im Urlaub reisen möchte. „Unstrittig ist auch, dass der Chef nach der Rückkehr im Hinblick auf die Infektionsgefahr für die übrigen Kollegen fragen darf, wo man war“, sagt Martin Schwickrath, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Lüneburg. Denn damit komme er seiner Fürsorgepflicht nach, eine potenzielle Gefährdung anderer Mitarbeiter auszuschließen. Juristen streiten sich derzeit allerdings über die Frage, ob der Arbeitgeber auch schon vorher fragen darf, wohin es denn im Sommerurlaub gehen soll. Rechtsanwalt Schwickrath empfiehlt daher einen anderen Weg: Unternehmen sollten das Personal vor Urlaubs-antritt schriftlich darauf hinweisen, dass man je nach Wahl des Urlaubsziels womöglich auf Kosten sitzen bleibt und auch vorübergehend kein Gehalt bekommen könnte.

Türkei, Ägypten, Marokko und USA sind Risikoländer

Besonders gut sollte man überlegen, ob man wirklich in Länder reisen will, die das Robert-Koch-Institut als Risikogebiete ausgewiesen hat. Dazu gehören etwa die Türkei, Ägypten und Marokko, aber auch die USA. Für diese Länder droht bei der Rückkehr nach Niedersachsen eine 14-tägige Quarantäne, die man dann nur mit einem Corona-Test umgehen kann, der nicht älter als zwei Tage ist. Sollte man aber die zweiwöchige Isolation antreten müssen, etwa weil kein gültiger Test vorliegt oder man gar an dem Virus erkrankt ist, „kann es sein, dass der Arbeitgeber für diese Zeit keinen Lohn zahlt“, erklärt Schwickrath. Wenn denn der Chef vor Urlaubsantritt auf diese Option hingewiesen hat.

Bekommt man im Ausland eine adäquate Versorgung?

Doch es drohen noch andere Gefahren: Wenn man in einem dieser Länder mit Reisewarnung an Covid-19 erkrankt, verweigern die Krankenkassen womöglich die Behandlungs- und Krankenhauskosten. Und auch dieser zusätzliche Zwangsurlaub muss der Arbeitgeber nicht unbedingt bezahlen. Ganz abgesehen von der Frage der eigenen Gesundheit –bekommt man in den betroffenen Land eine adäquate ärztliche Versorgung?

„Es geht nicht darum, jemand zu schikanieren, sondern zu appellieren und darauf aufmerksam zu machen, dass man unter Umständen auch mit Nachteilen im Arbeitsleben rechnen muss“, erklärt Schwickrath das Musterschreiben, das der Arbeitgeberverband seinen Mitgliedern zur Verfügung stellt. Auch das sei eine Frage der Fürsorgepflicht.

Situation bleibt weiter unübersichtlich

Auch wenn Reisen ins Ausland seit Mitte Juni wieder möglich sind, bleibt die Situation also für viele Urlauber weiterhin unübersichtlich. Doch welche Stornierungsmöglichkeiten gibt es, wenn ich kein gutes Gefühl bei meinen Plänen mehr habe? „Pauschalreisen sind in der Regel besser abgesichert als Individualreisen, bei denen Flug, Unterkunft und Mietauto einzeln gebucht werden“, sagt Sabine Oppen-Schröder, Beraterin der Verbraucherzentrale Lüneburg. „So können etwa Pauschalreisen kostenfrei storniert werden, wenn im Reiseland außergewöhnliche Umstände wie eine Covid-19-Epidemie vorliegen.“ Ein kostenfreier Rücktritt sei auch möglich, wenn Reisebeschränkungen wie etwa Einreiseverbote vorliegen, ein hohes Infektionsgeschehen oder ein unzureichendes Gesundheitssystem am Zielort bekannt seien.

Im Gegensatz zur Pauschalreise gelten bei Individualreisen andere Regelungen. „So bekommen Reisende ihren Ticketpreis nur erstattet, wenn die Fluggesellschaft einen Flug annulliert oder ein Einreiseverbot für das Urlaubsland besteht“, erklärt Oppen-Schröder.

Bei Buchungen von Unterkünften gelten besondere Voraussetzungen: Grundsätzlich müssen Verbraucher den Mietpreis für ihre Unterkunft bezahlen, auch wenn sie nicht anreisen. Ist das Feriendomizil aufgrund von Zufahrtsbeschränkungen wegen der Pandemie nicht erreichbar, können Reisende nach deutschem Recht ihre Unterkunft stornieren und ihr Geld zurückverlangen.

Rechtliche Situation kann sich verändern

Anders verhält es sich bei Unterkünften im Ausland. „Wurde die Ferienwohnung oder das -haus direkt beim ausländischen Anbieter gebucht, gilt in der Regel das Recht des Landes, in dem die Unterkunft liegt. Die rechtliche Situation kann sich dadurch verändern“, so Sabine Oppen-Schröder.

Bei Fragen hilft die Verbraucherberatung unter Tel. (04131) 44 957

Von Thomas Mitzlaff