Dienstag , 22. September 2020
Arne Rudolf strandet als David Wagner nach einer einjährigen Europareise in Lüneburg. Foto: be

Lüneburg statt Lindenstraße

Lüneburg. Der Neue kommt aus Deutschlands berühmtester Straße: Von 2017 bis 2020 hat Arne Rudolf für das Fernsehpublikum in der Lindenstraße gewohnt. Als Konstantin Landmann verdankte er es Gabi Zenker und deren Stammzellenspende, dass er seine Krebserkrankung überstand.

In der Folge stand das Verhältnis zu seinem Vater Roland im Mittelpunkt, der die Familie früh verlassen hatte. Dann kam das Ende der ARD-Dauerserie, doch Konstantin-Darsteller Arne Rudolf fand bei seinem Heimatsender binnen kurzer Zeit einen neuen Job. Er räumte sein WG-Zimmer in der Lindenstraße und zieht nun in die Männer-WG auf Gut Flickenschild bei Lüneburg ein. Der 30-Jährige ist seit gut eineinhalb Wochen erstmals in seiner neuen Rolle zu sehen.

„Es ist schon ein sehr angenehmer Übergang“

Ein Jahr lang war David Wagner – so heißt die Serienfigur, die Rudolf bei den Rosen verkörpert – mit seinem Campingbus in ganz Europa unterwegs. Seine erfolgreiche Karriere an der Frankfurter Börse hatte er abrupt beendet, nachdem seine Mutter gestorben war, die ihn ohne Vater großgezogen hatte. Dass er schließlich in Lüneburg landet, ist kein Zufall, denn er ist auf der Suche nach seinen Wurzeln und nach Heimat. Und die ist in Person seines Vaters in der Region verortet…

David Wagner zieht bei Gunter Flickenschild (Hermann Toelcke) und Thomas Jansen (Gerry Hungbauer) ein. In der Männer-WG auf Gut Flickenschild muss der Neue aber zunächst einiges an Misstrauen der beiden ihm gegenüber aus dem Weg räumen, als er mit seinem Camper dort vorfährt.

Dass Arne Rudolf fast nahtlos den Übergang von einer zur anderen ARD-Serie geschafft hat und unmittelbar vor dem Ausstrahlungsende der Lindenstraße die Zusage für seinen Rosen-Einstieg in der Tasche hatte, begreift er keineswegs als selbstverständlich. „Es ist schon ein sehr angenehmer Übergang und eine schöne Bestätigung für mich“, erzählt der Darsteller beim Gesprächstermin in den Lüneburger Studios im Industriegebiet Hafen. Sein Agent habe ihn auf das Casting aufmerksam gemacht, im April sprach und spielte er für die Rosen vor – und konnte überzeugen. Es wird eine längere Episode werden, denn sein Vertrag gilt zunächst für die laufende und die nächste Staffel, eine Verlängerung scheint – wenn dann erstmal von der ARD die Zusage für weitere Rosen-Staffeln vorliegt – nicht ausgeschlossen.

Sänger einer Metal-Band

Dass die Rosen ihn aber vor der Arbeitslosigkeit gerettet hätten, wie die Bild ihn zitiert, das sei wohl eher nicht so. Schließlich ist es normal für Schauspieler, dass ihre Engagements zeitlich befristet sind. Dass war für ihn auch vor der Lindenstraße schon so, ob bei längerer TV-Präsenz wie in „Unter uns“ oder bei bei kleineren Rollen wie in den Serien „Heldt“ oder „SOKO Köln“. Und ist selbstbewusst genug, um zu sagen: „Ich hatte mich zwar auf eine längere Pause eingestellt, aber es hätte sich sonst sicher auch noch was anderes ergeben.“

Seit der Wiederaufnahme der Dreharbeiten unter strengen Corona-Auflagen am Set ist Rudolf in Lüneburg mit dabei. Erste Eindrücke seiner neuen Heimat auf Zeit hat er bereits gewonnen – und die sind ausnahmslos positiv. „Ich bin den Treidelpfad rauf- und runter gewandert, war am Kalkberg und bin durch die kleinen Gassen der Altstadt spaziert. Lüneburg gefällt mir wirklich gut und sagt mir auch von der Größe zu. Ich bin kein Mann für die Großstadt“, sagt der Junge vom Dorf, der in Großfischbach bei Gummersbach aufgewachsen ist. Wenn er mal nicht dreht und ihm nicht der Sinn nach einer Entdeckungstour durch Lüneburg steht, greift er gern zum Buch „Ich bin eine echte Leseratte, mag vor allem historische Romane“ oder setzt sich an seinen PC, um „mit Kumpels via Internet Spiele zu zocken“.

Und sollte es nach dem wegen Corona in diesem Jahr ausgefallenen Fan-Tag im nächsten Jahr wieder eine Neuauflage geben, könnte Rudolf dort womöglich noch sein anderes Talent unter Beweis stellen und dem Programm mal eine besondere Note geben: Denn er ist auch Musiker und Sänger in einer Band. Bliebe nur die Frage, ob die die Rosen-Fans auch für Alternative und Metal offene Ohren haben…

Von Alexander Hempelmann