Dienstag , 20. Oktober 2020
In die Jahre gekommen ist die Grundschule Deutsch Evern. Das neu gebaut werden muss, ist keine Frage im Rat der Samtgemeinde Ilmenau. Doch wie groß? Die Mehrheit zeigte sich jetzt großzügig. Foto: t&w

Neue Grundschule in Sicht

Deutsch Evern. Moderner, barrierefrei und deutlich größer soll sie werden: Deutsch Everns neue Grundschule. Nach langen Diskussionen zwischen Politik und Verwal tung hat der Samtgemeinderat Ilmenau am Donnerstagabend mehrheitlich für den dreizügigen Neubau auf dem Sportplatzgelände am Moorfeld gestimmt. Die Verwaltung rechnet mit Kosten in Höhe von rund 10,9 Millionen Euro, darunter fallen auch Mittel für einen EU-weiten Architektenwettbewerb. Wie schon in Melbeck soll auch bei diesem Großprojekt eine Jury bestehend aus fünf Facharchitekten und vier Mitgliedern aus Rat und Verwaltung über den Siegerentwurf entscheiden.

20-minütige Gegenrede

Weil das jetzige Gebäude weder barrierefrei, noch für den angestrebten Ganztagsschulbetrieb geeignet ist, hält Samtgemeindebürgermeister Peter Rowohlt einen Neubau für zwingend notwendig. Er warnte davor, das Potenzial der Gemeinde zu unterschätzen. „Wir wachsen. Und wir wachsen in einem jungen Segment.“ Es sei nur eine Frage der Zeit, bis Deutsch Evern eine größere Schule brauche.

Zweifel an den Prognosen der Verwaltung hegt Ratsherr und Schulausschussvorsitzender Ulrich Müller-Menzel (CDU). „Eine gesicherte Dreizügigkeit ist für die nächsten sechs bis zehn Jahre äußerst fraglich“, erklärte er in einer rund 20-minütigen Gegenrede zu dem Projekt. Er plädierte auch dafür, präzise Kriterien für den Architektenwettbewerb festzulegen, um mehr Einfluss auf die Gestaltung nehmen zu können. Schließlich seien Vertreter aus der Samtgemeinde im Preisgericht in der Minderheit: „Der Bauherr bestimmt hier nicht über das Aussehen seines Hauses.“ Und weil er darüber hinaus auch das Konzept für ausbaufähig hält, beantragte er, die Entscheidung zu dem Millionen-Projekt zu vertagen. Der Vorstoß fand allerdings keine Mehrheit.

Geht Deutsch Evern in die Breite?

Großes Potenzial in Sachen Zuzug stellte CDU-Ratsfrau Ulrike Walter für Deutsch Evern in Aussicht. Die Gemeinde werde durch das aktuelle Regionale Raumordnungsprogramm künstlich kleingehalten, es sei aber davon auszugehen, dass mit der neuen Fassung die Möglichkeiten für das Gemeindewachstum deutlich verbessert würden. Dann sei die Gemeinde mit einem dreizügigen Neubau auf der sicheren Seite: „Wie schnell eine Grundschule zu klein wird, sieht man ja in Embsen.“

In dieselbe Kerbe schlug Ratsfrau Barbara Beenen (SPD). Sie erinnerte an die Planungen für das Baugebiet Fuchsberg Nord. „Wenn wir 50 neue Bauplätze ausweisen, bin ich mir sicher, dass wir mit einem Schlag mindestens 50 neue Kinder in den Schulen und Kindergärten haben.“

Unterstützung bekam Ulrich Müller-Menzel hingegen von Günter Preikschas (Fraktion Konrad/Preikschas): „Was hier gemacht wird, ist einfach nur Wunschdenken“, sagte er. Überdies sei zu hinterfragen, ob ein Wachstum, das einen dreizügigen Schulbau rechtfertige, überhaupt gesund ist.

Letztlich fiel die Entscheidung mit großer Mehrheit für einen dreizügigen Grundschulneubau. Im Spätherbst soll das Preisgericht entscheiden, welcher Architekt den Zuschlag erhält. Dann muss der Samtgemeinderat die Auftragsvergabe für einen Generalunternehmer auf den Weg bringen, der den Entwurf letztlich umsetzen soll. Rowohlt hofft auf einen Baustart im ersten Halbjahr 2022.

Von Anna Petersen